Kidduschin — Blatt 77a

1DIE TOCHTER EINES MÄNNLICHEN ENTWEIHTEN IST EWIG FÜR PRIESTER BEMAKELT. WENN EIN JISRAÉLIT EINE ENTWEIHTE GEHEIRATET HAT, SO IST SEINE TOCHTER FÜR PRIESTER UNBEMAKELT; WENN ABER EIN ENTWEIHTER EINE JISRAÉLITIN GEHEIRATET HAT, SO IST SEINE TOCHTER FÜR PRIESTER BEMAKELT. R. JEHUDA SAGT, DIE TOCHTER EINES MÄNNLICHEN PROSELYTEN GLEICHE DER TOCHTER EINES MÄNNLICHEN ENTWEIHTEN.

2R. ELIÉZER B. JA͑QOB SAGT, WENN EIN JISRAÉLIT EINE PROSELYTIN GEHEIRATET HAT, SEI SEINE TOCHTER FÜR PRIESTER UNBEMAKELT, WENN EIN PROSELYT EINE JISRAÉLITIN GEHEIRATET HAT, SEI SEINE TOCHTER FÜR PRIESTER UNBEMAKELT, WENN ABER EIN PROSELYT EINE PROSELYTIN GEHEIRATET HAT, SEI SEINE TOCHTER FÜR PRIESTER BEMAKELT. SOWOHL VON EINEM PROSELYTEN ALS AUCH VON EINEM FREIGELASSENEN SKLAVEN GILT DIES, SELBST BIS ZUR ZEHNTEN GENERATION; NUR WENN SEINE MUTTER VON JISRAÉL STAMMT. R. JOSE SAGT, AUCH WENN EIN PROSELYT EINE PROSELYTIN GEHEIRATET HAT, SEI SEINE TOCHTER FÜR PRIESTER UNBEMAKELT.

3GEMARA. Was heißt ewig? – Man könnte glauben, wie bei einem Miçri und einem Edomiten; wie diese bis nach drei Generationen, ebenso auch jener bis nach drei Generationen, so lehrt er uns.

4WENN EIN JISRAÉLIT EINE ENTWEIHTE &C. Woher dies? R. Joḥanan erwiderte im Namen R. Šimo͑ns: Hierbei heißt es: daß er seine Nachkommenschaft nicht entweihe unter seinem Volke, und dort heißt es: nicht soll der Herr unter seinem Volke sich verunreinigen, wie dort nur Männer und nicht Frauen, ebenso auch hierbei nur Männer und nicht Frauen. –

5Demnach sollte doch die Tochter des Hochpriesters erlaubt sein!? – Es heißt ja nicht ‘seinen Sohn’, sondern ‘seine Nachkommenschaft’: daß er nicht seine Nachkommenschaft unter seinem Volke entweihe. –

6Sollte aber die Tochter seines Sohnes erlaubt sein!? – Es heißt: daß er seine Nachkommenschaft nicht entweihe, womit seine Nachkommenschaft mit ihm verglichen wird; wie seine Tochter bemakelt ist, ebenso ist die Tochter seines Sohnes bemakelt. – Demnach sollte auch die Tochter seiner Tochter verboten sein!? – Welche Bedeutung hätte dann [der Schluß durch] Wortanalogie!?

7WENN ABER EIN ENTWEIHTER EINE JISRAÉLITIN GEHEIRATET HAT, SO IST SEINE TOCHTER BEMAKELT. Er lehrt ja bereits im Anfangsatze, die Tochter eines männlichen Entweihten sei ewig für Priester bemakelt!? – Da er den Fall lehrt, wenn ein Jisraélit eine Entweihte geheiratet hat, so lehrt er auch den Fall, wenn ein Entweihter eine Jisraélitin geheiratet hat. –

8Unsere Mišna vertritt nicht die Ansicht des R. Dostaj b. Jehuda, denn es wird gelehrt: R. Dostaj b. Jehuda sagte: Wie Jisraéliten ein Reinigungsbad für weibliche Entweihte sind, so sind Jisraélitinnen ein Reinigungsbad für männliche Entweihte. – Was ist der Grund des R. Dostaj b. Jehuda? – Die Schrift sagt: daß er seine Nachkommenschaft nicht entweihe unter seinem Volke, nur unter einem Volke entweiht er, unter zwei Völkern aber entweiht er nicht.

9Die Rabbanan lehrten: Daß er seine Nachkommenschaft nicht entweihe; ich weiß dies von seiner Nachkommenschaft, woher dies von ihr selbst? Ich will dir sagen, es ist [ein Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere zu folgern: wenn seine Nachkommenschaft, die keine Sünde begangen hat, entweiht wird, um wieviel mehr sie selbst, die eine Sünde begangen hat.

10Aber von ihm selbst ist ja [das Entgegengesetzte] zu beweisen: er hat eine Sünde begangen und wird nicht entweiht!? – Wohl er, weil er auch in anderen Fällen nicht entweiht wird, während sie in anderen Fällen entweiht wird.

11Wenn du aber dagegen einwenden willst, so sagt die Schrift: daß er seine Nachkommenschaft nicht entweihe, es soll die nicht entweiht werden, die makellos war und nun entweiht wird. –

12Was heißt: wenn du dagegen einwenden willst? – Man könnte glauben, es sei zu erwidern: wohl seine Nachkommenschaft, weil deren Erschaffung durch Sünde erfolgt ist, so sagt die Schrift: daß er nicht entweihe, es soll die nicht entweiht werden, die makellos war und nun entweiht wird.

13Die Rabbanan lehrten: Eine Entweihte ist diejenige, die von Bemakelten geboren wurde. – Was heißt bemakelt, wollte man sagen, wenn sie für ihn bemakelt ist, so ist ja die wiedergeheiratete Geschiedene für ihn bemakelt, die Kinder aber sind unbemakelt, denn nur von ihr heißt es Gräuel, nicht aber sind die Kinder ein Gräuel!?

14R. Jehuda erwiderte: Er meint es wie folgt: eine Entweihte ist diejenige, die von für Priester Bemakelten geboren wurde. – Wieso nur, wenn sie geboren wurde, nicht aber, wenn sie nicht geboren wurde, die Witwe und die Geschiedene sind ja nicht als solche geboren, und werden [durch ihn] entweiht!?

15Rabba erwiderte: Er meint es wie folgt: eine genannte Entweihte, die niemals unbemakelt war, ist diejenige, die von für Priester Bemakelten geboren wurde. – Was heißt genannt? R. Jiçḥaq b. Abin erwiderte: Er meint es wie folgt: eine Entweihte, von der die Tora spricht und nicht durch Forschung der Gelehrten gefolgert zu werden braucht, ist diejenige, die von für Priester Bemakelten geboren wurde.

16Die Rabbanan lehrten: Wenn dreimal eine Witwe, so ist er nur einmal schuldig, wenn dreimal eine Geschiedene, so ist er nur einmal schuldig,

17wenn eine Witwe, Geschiedene, Entweihte und Hure, so ist er, falls in dieser Reihenfolge, wegen jeder besonders schuldig, und falls sie zuerst gehurt hat und nachher entweiht, geschieden und verwitwet wurde, nur einmal schuldig.

18Der Meister sagte: Wenn dreimal eine Witwe, so ist er nur einmal schuldig. Was heißt: [dreimal] eine Witwe, wollte man sagen, wenn er die Witwe Reúbens, die Witwe Šimo͑ns und die Witwe Levis beschlafen hat, wieso ist er nur einmal schuldig,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.