Kidduschin — Blatt 78b
1Dieser Schriftvers spricht am Anfang von Hochpriester und am Schlusse von einem gemeinen Priester!? Dieser erwiderte: Allerdings. –
2Pflegt dies in der Schrift zu erfolgen!? – Freilich, so heißt es: die Leuchte Gottes war noch nicht erloschen und Šemuél lag im Tempel des Herrn, und da das Sitzen im Tempelhofe nur Königen aus dem Davidischen Hause erlaubt war, so [ist dies zu verstehen:] die Leuchte Gottes war noch nicht erloschen, im Tempel des Herrn, und Šemuél lag, auf seinem Platze.
3Und eine Witwe, die verwitwet ist von einem Priester, mögen sie nehmen. Nur von einem Priester, nicht aber von einem Jisraéliten!? – Er meint es wie folgt: von einem Priester mögen sie nehmen, andere Priester mögen sie nehmen. Ebenso wird auch gelehrt: Von einem Priester mögen sie nehmen, andere Priester mögen sie nehmen.
4R. Jehuda erklärte: Von solchen, die [ihre Töchter] an Priester verheiraten dürfen, mögen sie nehmen. R. Jehuda vertritt hierbei seine Ansicht, denn er sagt, die Tochter eines männlichen Proselyten gleiche der Tochter eines männlichen Entweihten; dessen Tochter du nehmen darfst, dessen Witwe darfst du nehmen, und dessen Tochter du nicht nehmen darfst, dessen Witwe darfst du nicht nehmen.
5R. JOSE SAGT, AUCH WENN EIN PROSELYT EINE PROSELYTIN GEHEIRATET HAT. R. Hamnuna sagte im Namen U͑las: Die Halakha ist wie R. Jose. Ebenso sagte auch Rabba b. Bar Ḥana, die Halakha sei wie R. Jose. Seitdem der Tempel zerstört ist, haben jedoch die Priester sich eine Vornehmheit beigelegt, nach R. Elie͑zer b. Ja͑qob.
6R. Naḥman sagte: Hona sagte mir folgendes: wenn jemand um Rat fragen kommt, so entscheide man ihm nach R. Elie͑zer b. Ja͑qob, hat er bereits geheiratet, so bringe man sie von ihm nicht fort, nach R. Jose.
7WENN JEMAND SAGT: DIESER MEIN SOHN IST EIN HURENKIND, SO IST ER NICHT GLAUBHAFT, UND SELBST WENN BEIDE ÜBER DIE GEBURT IN IHREM LEIBE SAGEN, ES SEI EIN HURENKIND, SIND SIE NICHT GLAUBHAFT. R. JEHUDA SAGT, SIE SEIEN GLAUBHAFT.
8GEMARA. Was heißt: selbst beide? – Jenes ist selbstverständlich; selbstverständlich er nicht, da er es nicht sicher weiß, aber auch sie, die es sicher weiß, ist nicht glaubhaft. Und selbstverständlich sind sie in dem Falle nicht glaubhaft, wo ein bisheriger Zustand der Makellosigkeit vorhanden ist, aber auch hinsichtlich der Geburt, bei der kein bisheriger Zustand der Makellosigkeit vorhanden ist, sind sie nicht glaubhaft.
9R. JEHUDA SAGT, SIE SEIEN GLAUBHAFT. Wie gelehrt wird: Anerkennen, anderen gegenüber anerkennen. Hieraus folgert R. Jehuda, ein Mensch sei glaubhaft, wenn er sagt: dieser mein Sohn ist Erstgeborener. Und wie ein Mensch glaubhaft ist, wenn er sagt: dieser mein Sohn ist Erstgeborener, ebenso ist er glaubhaft, wenn er sagt: dieser ist der Sohn einer Geschiedenen, dieser ist der Sohn einer Ḥaluça. Die Weisen sagen, er sei nicht glaubhaft.
10R. Naḥman b. Jiçḥaq sprach zu Raba: Erklärlich ist [das Wort] anerkennen nach R. Jehuda, wozu aber heißt es anerkennen nach den Rabbanan!? – Wenn ein Anerkennen erforderlich ist. –
11Wohl deshalb, um ihm einen doppelten Anteil zu gewähren; wozu ist hierfür ein Schriftvers nötig, dies ist ja selbstverständlich, kann er denn nicht, wenn er es will, ihm ein Geschenk machen!? –
12Hinsichtlich der Güter, die ihm später zufallen. –
13Wozu ist nach R. Meír, welcher sagt, man könne das zueignen, was noch nicht auf der Welt ist, [das Wort] anerkennen nötig? – Hinsichtlich solcher, die ihm zufallen, während er im Sterben liegt.
14WENN JEMAND SEINEM BEAUFTRAGTEN DEN AUFTRAG ERTEILT HAT, SEINE TOCHTER ANZUTRAUEN, UND DARAUF GEHT UND SIE SELBER ANTRAUT, SO IST, FALLS SEINE ANTRAUUNG ZUERST ERFOLGT IST, SEINE GÜLTIG, UND FALLS DIE DES BEAUFTRAGTEN ZUERST ERFOLGT IST, SEINE GÜLTIG; IST ES NICHT BEKANNT,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.