Kidduschin — Blatt 7b
1es ist zu entnehmen, daß auch Lebendes verdrängt werden könne,
2es ist zu entnehmen, daß, was einmal verdrängt war, verdrängt bleibe, und es ist zu entnehmen, daß es auch beim Geldwerte eine Verdrängung gebe.
3Raba fragte: Wie ist es, [wenn er gesagt hat:] deine eine Hälfte durch eine halbe Peruṭa und deine andere Hälfte durch eine halbe Peruṭa. Hat er, sobald er eine halbe Peruṭa genannt hat, [die Antrauung] beendet, oder aber ist dies nur eine Aufzählung?
4Und wie ist es, falls du entscheidest, dies sei eine Aufzählung, [wenn er gesagt hat:] deine eine Hälfte durch eine Peruṭa und deine andere Hälfte durch eine Peruṭa; hat er, sobald er eine andere Peruṭa genannt hat, [die Antrauung] beendet, oder aber ist dies während des ganzen Tages eine Aufzählung?
5Und wie ist es, falls du entscheidest, dies sei während des ganzen Tages eine Aufzählung, [wenn er gesagt hat:] heute deine eine Hälfte durch eine Peruṭa und morgen deine andere Hälfte durch eine Peruṭa; hat er, sobald er ‘morgen’ gesagt hat, [die Antrauung] beendet, oder aber meinte er es wie folgt: die Antrauung beginne sofort, ende aber erst morgen?
6Und wie ist es, [wenn er gesagt hat:] deine zwei Hälften durch eine Peruṭa: hierbei meinte er es entschieden mit einem Male, oder aber kann eine Frau in Hälften überhaupt nicht angetraut werden? – Dies bleibt unentschieden.
7Raba fragte: Wie ist es, [wenn er gesagt hat:] deine beiden Töchter meinen beiden Söhnen durch eine Peruṭa; richte man sich nach dem Geber und Empfänger, somit ist der [erforderliche] Geldbetrag vorhanden, oder richte man sich nach jenen, und er ist nicht vorhanden? – Dies bleibt unentschieden.
8R. Papa fragte: Wie ist es, [wenn er gesagt hat:] deine Tochter und deine Kuh durch eine Peruṭa; sagen wir, die Tochter durch eine halbe Peruṭa und die Kuh durch eine halbe Peruṭa, oder aber, die Tochter durch eine Peruṭa und die Kuh durch das Ansichziehen? – Dies bleibt unentschieden.
9R. Aši fragte: Wie ist es, [wenn er gesagt hat:] deine Tochter und dein Grundstück durch eine Peruṭa; heißt dies, die Tochter durch eine halbe Peruṭa und das Grundstück durch eine halbe Peruṭa, oder aber, die Tochter durch eine Peruṭa und das Grundstück durch Besitznahme? – Dies bleibt unentschieden.
10Einst vollzog jemand die Antrauung mit [einem Stücke] Seide, und Rabba sagte, es benötige nicht der Schätzung; R.Joseph aber sagte, es benötige der Schätzung. Falls er zu ihr gesagt hat: wieviel es auch wert ist, stimmen alle überein, daß es keiner Schätzung benötige,
11und falls er zu ihr gesagt hat, es sei fünfzig wert, und es keine fünfzig wert ist, so ist es ja nicht soviel wert, sie streiten nur über den Fall, wenn er gesagt hat, es sei fünfzig wert, und es auch fünfzig wert ist. Rabba sagt, es benötige keiner Schätzung, denn es ist ja fünfzig wert; R. Joseph sagt, es benötige der Schätzung, weil die Frau darin nicht kundig ist und sich auf ihn nicht verläßt.
12Manche sagen, sie streiten auch über den Fall, [wenn er gesagt hat:] wieviel es auch wert ist, denn R. Joseph ist der Ansicht, eine Wertsache müsse dem Gelde gleichen; wie das Geld eine bestimmte Summe repräsentiert,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.