Kidduschin — Blatt 80b
1und im Teige Löcher sind, so befindet er sich in der Schwebe: weder darf man ihn essen noch verbrennen.
2R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Dies gilt nur von weißen Flüssigkeiten, wenn es aber rote Flüssigkeiten sind, so ist, wenn sie daran gepickt haben, dies zu merken. – Vielleicht hat der Teig sie eingesogen!?
3R. Joḥanan erwiderte: Berabbi hat dies gehört, die Erklärung aber hat er nicht gehört. Dies gilt nur von klaren Flüssigkeiten, in denen das Spiegelbild eines Kindes zu erkennen ist, nicht aber von trüben Flüssigkeiten.
4EIN MANN DARF NICHT MIT ZWEI FRAUEN ALLEIN SEIN, WOHL ABER DARF EINE FRAU MIT ZWEI MÄNNERN ALLEIN SEIN. R. ŠIMO͑N SAGT, AUCH EIN MANN DÜRFE MIT ZWEI FRAUEN ALLEIN SEIN, WENN SEINE FRAU MIT IHM IST; AUCH DARF ER MIT IHNEN IN EINER HERBERGE SCHLAFEN, WEIL SEINE FRAU IHN BEWACHT. MAN DARF ALLEIN SEIN MIT SEINER MUTTER UND MIT SEINER TOCHTER, AUCH MIT IHNEN BEI BERÜHRUNG DES LEIBES SCHLAFEN; SIND SIE ERWACHSEN, SO SCHLAFE SIE IN IHREM GEWANDE UND ER IN SEINEM GEWANDE.
5GEMARA. Aus welchem Grunde? – In der Schule des Elijahu wurde gelehrt, weil Frauen leichtsinnig sind. –
6Woher dies? R. Joḥanan sagte im Namen R. Jišma͑éls: Wo ist in der Schrift das Verbot des Beisammenseins angedeutet? Es heißt: wenn dich dein Bruder, der Sohn deiner Mutter, verlockt;
7kann etwa nur der Sohn einer Mutter verlocken und nicht der Sohn eines Vaters? Dies besagt vielmehr, daß nur ein Sohn mit seiner Mutter allein sein dürfe, sonst aber ist das Alleinsein mit jeder in der Tora verbotenen Frau verboten. –
8Wie ist der Schriftvers nach seinem einfachen Sinne zu erklären? Abajje erwiderte: Von jenem ist es selbstverständlich; selbstverständlich ist dies vom Sohne des Vaters, der ihm gehässig ist und ihm schlechte Ratschläge erteilt, man könnte aber glauben, dem Sohne einer Mutter, der ihm nicht gehässig ist, gehorche man, so lehrt er uns. –
9Es wäre anzunehmen, daß unsere Mišna nicht die Ansicht Abba Šaúls vertritt, denn es wird gelehrt: [Ein Kind] bis zu dreißig Tagen wird auf dem Arme hinausgetragen und durch eine Frau und zwei Männer begraben, nicht aber durch einen Mann und zwei Frauen; Abba Šaúl sagt, auch durch einen Mann und zwei Frauen. –
10Du kannst auch sagen, die des Abba Šaúl, denn bei der Trauer ist der böse Trieb gebrochen.
11Die Rabbanan aber sind der Ansicht R. Jiçḥaqs, denn R. Jicḥaq sagte: Was klagt der Mensch, der lebt, der Mann über seine Sünden; selbst wenn ein Mensch zu klagen hat, bemächtigt sich seiner der böse Trieb. – Und Abba Šaúl!? – Der Schriftvers spricht von dem, der über sein Schicksal klagt, und er ist wie folgt zu verstehen: Wieso klagt er über sein Schicksal, hat er sich etwa seiner Sünden bemächtigt!? Bescheide er sich mit dem Leben, das ich ihm gegeben habe. –
12Und die Rabbanan!? – Wegen jenes Falles mit einer Frau, die [ein solches] hinausgebracht hatte.
13WOHL ABER EINE FRAU. R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Dies gilt nur von Keuschen, mit Ausgelassenen aber, nicht einmal, wenn es zehn sind. Einst ereignete es sich, daß zehn [Männer eine Frau] in einer Bahre hinaustrugen. R. Joseph sagte: Dies ist auch zu beweisen; zehn Personen tun sich zusammen und stehlen einen Balken, ohne daß sich einer vor dem anderen schämt.
14Ihm wäre eine Stütze zu erbringen: Man gibt ihm zwei Schriftgelehrte mit, weil er ihr unterwegs beiwohnen könnte. Nur Schriftgelehrte, nicht aber gewöhnliche Menschen. – Nein, deshalb Schriftgelehrte, weil sie
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.