Kidduschin — Blatt 81a

1ihn zu warnen wissen.

2R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Dies nur in der Stadt, unterwegs aber müssen es drei sein, denn wenn einer austreten muß, würde der andere mit der Unzucht allein bleiben. Ihm wäre eine Stütze zu erbringen: Man gibt ihm zwei Schriftgelehrte mit, weil er ihr unterwegs beiwohnen könnte. Zwei und er sind drei. – Nein, hierbei aus dem Grunde, damit Zeugen vorhanden sind.

3Einst gingen Rabh und R. Jehuda auf dem Wege und eine Frau ging vor ihnen. Da sprach Rabh zu R. Jehuda: Hebe deine Füße hinweg vor dem Fegefeuer. Dieser entgegnete: Der Meister ist es ja, welcher sagt, mit Keuschen sei es erlaubt!? Jener erwiderte: Wer sagt, daß dies von Keuschen wie ich und du gelte!? – Von welchen denn? – Von solchen, wie R. Ḥanina b. Papi und seine Genossen.

4Rabh sagte: Wegen des Beisammenseins ist zu geißeln, nicht aber ist wegen des Beisammenseins [die Frau] verboten. R. Aši sagte: Dies gilt nur vom Beisammensein mit einer Ledigen, nicht aber vom Beisammensein mit einer Verheirateten, damit man nicht ihre Kinder ins Gerede bringe.

5Mar Zuṭra ließ geißeln und es bekannt machen. R. Naḥman aus Parhaṭja sprach zu R. Aši: So lasse doch der Meister ebenfalls geißeln und es bekannt machen. Dieser erwiderte: Mancher erfährt das eine und nicht das andere.

6Rabh sagte: Man lasse geißeln wegen des schlechten Gerüchtes, denn es heißt: nicht so, meine Söhne, denn nicht gut ist das Gerücht. Mar Zuṭra ließ einem solchen einen Halfter auf die Schulter legen und vor ihm vorlesen: nicht so, meine Söhne.

7Rabba sagte: Ist ihr Mann in der Stadt, so ist das Beisammensein nicht zu berücksichtigen. R. Joseph sagte: Ist eine Tür nach der Straße geöffnet, so ist das Beisammensein nicht zu berücksichtigen. Einst kam R. Bebaj zu R. Joseph, und nachdem sie gegessen hatten, sprach er zu ihnen: Nehmt die Leiter vor Bebaj fort. – Rabba sagte ja aber, wenn ihr Mann in der Stadt ist, sei das Beisammensein nicht zu berücksichtigen!? – Anders verhielt es sich bei R. Bebaj, denn sie war mit ihm befreundet und daher vertraut.

8R. Kahana sagte: Befinden sich die Männer außerhalb und die Frauen innerhalb, so ist das Beisammensein nicht zu berücksichtigen, wenn aber die Männer innerhalb und die Frauen außerhalb, so ist das Beisammensein zu berücksichtigen.

9In einer Barajtha wird entgegengesetzt gelehrt. Abajje sagte: Da nun R. Kahana so lehrt und die Barajtha entgegengesetzt lehrt, so wollen wir erschwerend entscheiden.

10Abajje ließ eine Reihe Krüge aufstellen. Raba ließ eine Reihe Rohrstäbe aufstellen. Abajje sagte: Die Wunde des Jahres ist das Fest.

11Einst wurden gefangene [Frauen] nach Nehardea͑ gebracht; da logierte man sie bei R. A͑mram dem Frommen ein und nahm vor ihnen die Leiter fort. Als eine von ihnen vorüberging und ein Lichtstrahl durch die Luke fiel, nahm R. A͑mram die Leiter und stieg hinauf. Diese vermochten zehn Personen nicht zu tragen, er aber trug sie ganz allein.

12Als er die Hälfte der Leiter erreichte, blieb er stehen und rief mit lauter Stimme: Feuer bei A͑mram! Da kamen die Rabbanan heran. Sie sprachen zu ihm: Wir schämen uns deiner. Er aber erwiderte ihnen: Lieber schämt euch des A͑mram auf dieser Welt, als daß ihr euch seiner in der zukünftigen Welt schämet. Hierauf beschwor er ihn, aus ihm zu fahren, und er fuhr aus ihm wie eine Feuersäule hinaus. Da sprach er zu ihm: Siehe, du bist Feuer und ich Fleisch, doch bin ich stärker als du.

13R. Meír pflegte über die Sünder zu spotten. Eines Tages erschien ihm der Satan als Weib auf der anderen Seite des Stromes, und da keine Fähre zum Übersetzen da war, ergriff er die Stegleine und ging hinüber. Als er die Hälfte der Stegleine erreichte, verließ ihn jener, indem er sprach: Hätte man im Himmel nicht ausgerufen, mit R. Meír und seiner Gesetzeskunde vorsichtig zu sein, so würde ich dein Blut mit zwei Maa͑ eingeschätzt haben.

14R. A͑qiba pflegte über die Sünder zu spotten. Eines Tages erschien ihm der Satan als Weib auf der Spitze einer Palme. Da erfaßte er die Palme und stieg hinauf. Als er die Hälfte der Palme erreichte, verließ ihn jener, indem er sprach: Hätte man im Himmel nicht ausgerufen, mit R. A͑qiba und seiner Gesetzeskunde vorsichtig zu sein, würde ich dein Blut mit zwei Maa͑ eingeschätzt haben.

15Pelemo pflegte täglich zu sagen: Ein Pfeil in die Augen des Satan! Einst erschien er bei ihm an einem Vorabend des Versöhnungstages als Bettler und klopfte an die Tür. Da brachte man ihm Brot hinaus. Er aber sprach: An einem Tage wie heute befindet sich jeder innen, ich aber muß draußen sein. Da ließ man ihn eintreten und reichte ihm Brot. Hierauf sprach er: An einem Tage wie heute sitzt jeder am Tische, ich aber muß allein stehen! Da ließen sie ihn herantreten und am Tische sitzen. Sein Körper war mit Grinden und Blattern bedeckt und er handhabte an diesen ekelerregend herum. Da sprach er zu ihm:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.