Kidduschin — Blatt 81b
1Sitz anständig. Hierauf bat er, ihm einen Becher einzuschenken, und als man ihm einen Becher reichte, hustete er und warf den Schleim hinein. Jene schrien ihn an, und er fiel hin und stellte sich tot. Hierauf hörten sie rufen: Pelemo hat einen Menschen getötet, Pelemo hat einen Menschen getötet! Da lief er fort und versteckte sich im Aborte; jener aber folgte ihm und fiel vor ihm hin. Als er sah, wie er litt, gab er sich zu erkennen und sprach zu ihm: Weshalb sprichst du so!? – Wie soll ich sagen!? Jener erwiderte: So spreche der Meister: der Allbarmherzige möge den Satan anfahren!
2R. Ḥija b. Aši pflegte stets, wenn er aufs Gesicht fiel, zu sprechen: der Allbarmherzige schütze mich vor dem bösen Triebe! Als eines Tages seine Frau dies hörte, sprach sie: Es sind bereits viele Jahre her, daß er sich von mir zurückgezogen hat, wozu spricht er dies!?
3Eines Tages saß er im Garten und studierte; da putzte sie sich aus und ging einmal und wiederum an ihm vorüber. Da fragte er sie: Wer bist du? Sie erwiderte: Ich bin Ḥirtha und bin heute heimgekehrt. Nachdem sie ihn aufgefordert hatte, sprach sie zu ihm: Hole mir jenen Granatapfel von der Wipfelspitze. Da kletterte er hinauf und holte ihn ihr.
4Als er nach Hause kam, heizte seine Frau den Ofen; da stieg er hinein und setzte sich hin. Sie sprach zu ihm: Was soll dies!? Er erwiderte: Das und das ist geschehen. Hierauf sprach sie: Ich war es. Er glaubte ihr aber nicht, bis sie ihm ein Zeichen gab. Alsdann sprach er zu ihr: Immerhin war meine Absicht eine sündhafte. Dieser Fromme fastete dann während seines ganzen Lebens, bis er daran starb.
5Es wird nämlich gelehrt: Ihr Mann hat sie aufgehoben, und der Herr wird ihr verzeihen. Die Schrift spricht von einer Frau, die ein Nazirat gelobt, und ihr Mann, als er davon erfuhr, es ihr aufgehoben hat, sie aber, ohne gewußt zu haben, daß ihr Mann es ihr aufgehoben hat, Wein getrunken und sich an Toten verunreinigt hat.
6Wenn R. A͑qiba an diesen Vers herankam, weinte er, indem er sprach: Wenn die Tora von einem, der Schweinefleisch essen wollte und Schaffleisch ihm in die Hand gekommen ist, sagt, er benötige der Sühne und der Vergebung, um wieviel mehr derjenige, der Schweinefleisch essen wollte und Schweinefleisch ihm in die Hand gekommen ist.
7Desgleichen heißt es: und er es nicht wußte und sich verschuldet, so trage er seine Sünde. Wenn R. A͑qiba an diesen Schriftvers herankam, weinte er: wenn die Tora von dem, der Fett essen wollte und Talg ihm in die Hand gekommen ist, sagt: und er es nicht wußte und sich verschuldet, so trage er seine Sünde, um wieviel mehr derjenige, der Talg essen wollte und Talg ihm in die Hand gekommen ist. Isi b. Jehuda sagte: Und er es nicht wußte und sich verschuldet, so trage er seine Sünde; hierüber sind die Betrübten betrübt.
8MAN DARF ALLEIN SEIN MIT SEINER MUTTER. R. Jehuda sagte im Namen R. Asis: Man darf mit seiner Schwester allein sein, und mit seiner Mutter und seiner Tochter [auch permanent] wohnen. Als er dies Šemuél vortrug, sprach dieser zu ihm: Man darf mit keiner der in der Tora genannten Inzestuösen allein sein, nicht einmal mit einem Vieh. –
9Wir haben gelernt: Man darf allein sein mit seiner Mutter und seiner Tochter, auch mit ihnen bei Berührung des Leibes schlafen. Dies ist eine Widerlegung Šemuéls!? – Šemuél kann dir erwidern: wie ist nach deiner Ansicht folgende Lehre zu erklären: Mit seiner Schwester, seiner Schwiegermutter und allen anderen in der Tora genannten Inzestuösen darf man nur vor Zeugen beisammen sein. Nur vor Zeugen, nicht aber ohne Zeugen!?
10Vielmehr [streiten hierüber] Tannaím, wie gelehrt wird: R. Meír sagte: Paßt auf mich auf, wegen meiner Tochter. R. Tryphon sagte: Paßt auf mich auf, wegen meiner Schwiegertochter. Da spottete ein Schüler über ihn. R. Abahu erzählte im Namen des R. Ḥanina b. Gamliél: Es vergingen nur wenige Tage, da strauchelte jener Schüler mit seiner Schwiegermutter.
11«Nicht einmal mit einem Vieh.» Abajje hielṭ sie von der ganzen Wiese zurück. R. Šešeth zog vor ihnen eine Abgrenzung. Einst kam R. Ḥanan aus Nehardea͑ zu R. Kahana nach Pum Nahara, und als er ihn studieren und vor ihm ein Vieh stehen sah, sprach er zu ihm: Hält denn der Meister nichts von [der Lehre:] nicht einmal mit einem Vieh? Dieser erwiderte: Ich bemerkte es nicht.
12Raba sagte: Man darf zusammen sein mit zwei Schwägerinnen, mit zwei Nebenbuhlerinnen, mit einer Frau und ihrer Schwiegermutter, mit einer Frau und der Tochter ihres Mannes und mit einer Frau und einem Kinde, das den Genuß des Beischlafes kennt, aber sich zum Beischlafe nicht hingibt.
13SIND SIE ERWACHSEN, SO SCHLAFE ER IN SEINEM GEWANDE &C. Mit wieviel? R. Ada b. R. A͑za erwiderte im Namen R. Asis: Ein Mädchen mit neun Jahren und einem Tage, ein Knabe mit zwölf Jahren und einem Tage. Manche sagen: Ein Mädchen mit zwölf [Jahren] und einem Tage, ein Knabe mit dreizehn [Jahren] und einem Tage. Beide, sobald die Brüste gerundet sind und das Haar gewachsen.
14Raphram b. Papa sagte im Namen R. Ḥisdas: Dies gilt nur von dem Falle, wenn sie sich nicht schämt, vor ihm nackt zu stehen, sobald sie sich aber schämt, vor ihm nackt zu stehen, ist es verboten, weil sie bereits vom Triebe ergriffen ist.
15R. Aḥa b. Abba besuchte seinen Schwiegersohn R. Ḥisda und nahm die Tochter seiner Tochter in den Rockschoß. Da sprach dieser: Weiß der Meister nicht, daß sie bereits angetraut ist? Jener erwiderte: Du hast [eine Lehre] Rabhs übertreten, denn R. Jehuda sagte im Namen Rabhs, nach anderen R. Elea͑zar, es sei verboten, seine Tochter minderjährig anzutrauen, sondern erst wenn sie erwachsen ist und sagt, jenen wolle sie haben. – Auch der Meister hat ja [eine Lehre] Šemuéls übertreten, denn Šemuél sagte, man dürfe sich von einer Frau nicht bedienen lassen!? Jener erwiderte: Ich richte mich nach einer anderen Lehre Šemuéls,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.