Kidduschin — Blatt 9a

1bunte Perlenschnüre, und eine Frau kam heran und sprach zu ihm: Gib mir ein Schnürchen. Da fragte er sie: Willst du, wenn ich es dir gebe, mir angetraut sein? Diese erwiderte: Gib mir, gib. Hierauf entschied R. Ḥama: ‘Gib mir, gib’ ist nichts.

2Einst trank jemand Wein in einem Laden, und eine Frau kam heran und sprach zu ihm: Gib mir einen Becher. Da fragte er sie: Willst du, wenn ich dir gebe, mir angetraut sein? Diese erwiderte: Trinken laß mich, trinken. Hierauf entschied R. Ḥama: ‘Trinken laß mich, trinken’ ist nichts.

3Einst schüttelte jemand Datteln von einer Palme, und eine Frau kam heran und sprach zu ihm: Wirf mir zwei herunter. Da fragte er sie: Willst du, wenn ich sie dir herunterwerfe, mir angetraut sein? Diese erwiderte: Wirf nur, wirf. Hierauf entschied R. Zebid: ‘Wirf nur, wirf’ ist nichts.

4Sie fragten: Wie ist es, wenn sie nur gesagt hat: gib, laß mich trinken, oder: wirf? Rabina erwiderte: So ist sie ihm angetraut. R. Sama b. Raqta sprach: Bei der Krone des Königs, sie ist ihm nicht angetraut. Die Halakha ist, sie ist ihm nicht angetraut.

5Die Halakha ist, Seidenzeug benötigt nicht der Schätzung. Die Halakha ist wie R. Elea͑zar. Die Halakha ist wie Raba im Namen R. Naḥmans lehrte.

6Die Rabbanan lehrten: Wieso durch Urkunde? Wenn er auf Papier oder auf einen Fetzen, auch wenn sie keine Peruṭa wert sind, geschrieben hat: deine Tochter sei mir angetraut, deine Tochter sei mir angelobt, deine Tochter sei meine Frau, so ist sie ihm angetraut.

7R. Zera b. Mamal wandte ein: Diese Urkunde gleicht ja nicht der Verkaufsurkunde; bei einer solchen schreibt der Verkäufer: mein Feld sei dir verkauft, bei dieser aber schreibt der Ehemann: deine Tochter sei mir angetraut!?

8Raba erwiderte: Bei jener nach dem Wortlaute der Schrift und bei dieser nach dem Wortlaute der Schrift. Bei jener heißt es: und er von seinem Erbbesitze verkauft, wonach der Allbarmherzige es vom Verkäufer abhängig gemacht hat; bei dieser aber heißt es: wenn jemand nimmt, wonach der Allbarmherzige es vom Ehemanne abhängig gemacht hat.

9Auch von jener heißt es ja: Felder werden sie um Geld kaufen!? – Lies: kaufen machen. – Du liest kaufen machen, weil es verkauft heißt, demnach ist ja auch hierbei nehmen machen zu lesen, denn es heißt: meine Tochter habe ich diesem Manne gegeben!?

10Vielmehr, erwiderte Raba, es sind überlieferte Lehren und die Rabbanan haben sie an die Schriftverse nur angelehnt. Wenn du aber willst, sage ich: auch von jener heißt es: und ich nahm den Kaufbrief.

11Raba sagte ferner im Namen R. Naḥmans: Wenn er auf Papier oder auf einen Fetzen, auch wenn sie keine Peruṭa wert sind, geschrieben hat: deine Tochter sei mir angetraut, deine Tochter sei mir angelobt, deine Tochter sei meine Frau, so ist sie, einerlei ob es durch ihren Vater oder durch sie selbst erfolgt ist, ihm angetraut; mit seinem Einvernehmen, falls sie noch nicht mannbar ist.

12Wenn er ihr auf Papier oder auf einen Fetzen, auch wenn sie keine Peruṭa wert sind, geschrieben hat: sei mir angetraut, sei meine Frau, sei mir angelobt, so ist sie, einerlei ob es durch ihren Vater oder durch sie selbst erfolgt ist, ihm angetraut; mit ihrem Einvernehmen, falls sie mannbar ist.

13R. Šimo͑n b. Laqiš fragte: Wie ist es, wenn er die Antrauungsurkunde nicht auf ihren Namen geschrieben hat: vergleichen wir die Antrauung mit der Scheidung,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.