Makkot — Blatt 10a
1denn es heißt:Gilea͑d ist eine Stadt von Übeltätern, voll von Blutspuren. – Was heißt: voll von Blutspuren? R. Elea͑zar erwiderte: Sie spürten, Menschen zu morden. –
2Weshalb waren an beiden Seitengroße Entfernungen und in der Mitte kleine?
3Abajje erwiderte: In Šekhem waren ebenfalls viele Mörder, denn es heißt:und gleich lauernden Räubern ist die Versammlung der Priester; am Wege morden sie bei Šekhem &c. – Was heißt: Versammlung der Priester? R. Elea͑zar erwiderte: Sie versammelten sich, Menschen zu morden, wie sich die Priester bei der Verteilung der Hebe um die Tennen versammeln. –
4Gab es denn keine anderen mehr, es heißt ja:dazu sollt ihr noch zweiundvierzig Städte hinzufügen!? Abajje erwiderte: Jene gewährten Zuflucht, einerlei ob [der Totschläger] dies gewußt hat oder nicht, diese aber gewährten Zuflucht nur dann, wenn er es gewußt hat, nicht aber, wenn er es nicht gewußt hat. –
5War Ḥebron denn eine Zufluchtsstadt, es heißt ja:und sie verliehen Kaleb Ḥebron, wie Moše geboten hatte!? Abbaje erwiderte: Die Vororte, denn es heißt:die zur Stadt gehörenden Felder und Dörfer übergaben sie Kaleb, dem Sohne Jephunnes. –
6War Qedeš denn eine Zufluchtsstadt, es heißt ja:und die festen Städte [waren]: Çiddim, Çer, Ḥammath, Raqqath, Kinnereth &c. Qedeš, Edrei͑ und E͑n Ḥaçor, und es wird gelehrt, daß [zu Zufluchtsstädten] weder kleine Städtchen noch Großstädte gewählt werden, sondern nur Mittelstädte!? R. Joseph erwiderte: Es gab zwei [Städte namens] Qedeš. R. Aši erklärte: Wie beispielsweise Seleukiaund Burg Seleukia.
7Der Text. Zu solchen Städten werden weder kleine Städtchen noch Großstädte gewählt, sondern nur Mittelstädte. Ferner verlegt man sie nur an Stellen, wo Gewässer sind; sind da keine Gewässer, so werden da solche hineingezogen. Ferner nur da, wo Marktplätze vorhanden sind; auch nur da, wo große Volksmengenverkehren; werden die Volksmengen vermindert, so füge man welche hinzu; haben die Einwohner sich vermindert, so bringe man da Priester, Leviten und Jisraéliten hin.
8Man darf da weder Waffen noch Fanggeräte verkaufen – so R. Neḥemja; die Weisen erlauben dies. Sie stimmen jedoch überein, daß man da weder Fangnetze legen, noch Wurfschlingen auswerfen darf, damit der Bluträcher da nicht festen Fuß fasse.
9R. Jiçḥaq sagte: Welcher Schriftvers deutet hierauf ?So flüchte er sich in eine dieser Städte und bleibe leben; man sorge für ihn, daß er leben bleibe.
10Es wird gelehrt: Wenn ein Schüler in die Verbannung muß, so muß sein Lehrer mit ihm in die Verbannung, denn es heißt: und bleibe leben, man sorge für ihn, daß er leben bleibe. R. Zee͑ra sagte: Hieraus, daß man keinen ungeratenenSchüler [das Gesetz] lehre.
11R. Joḥanan sagte: Wenn ein Lehrer in die Verbannung muß, so muß seine Schule mit ihm in die Verbannung. – Dem ist ja aber nicht so, R. Joḥanan sagte ja: Woher, daß Worte der Tora eine Zuflucht gewähren? Es heißt:Beçer in der Wüste &c. [und darauf:]dies ist das Gesetz!? –
12Das ist kein Einwand; dies, während er sich damit befaßt, jenes, während er sich nicht damit befaßt.
13Wenn du aber willst, sage ich: sie gewähren eine Zuflucht nur vor dem Todesengel. So saß einst R. Ḥisda im Lehrhause, und studierte, und der Bote [des Todes] vermochte nicht, sich ihm zu nähern, weil sein Mund vom Studium nicht abließ. Da setzte er sich auf die Zeder des Lehrhauses, und diese platzte, hielt jener an; alsdann bemächtigte er sich seiner.
14R. Tanḥum b. Ḥanilaj sagte: Weshalb war es Reúben beschieden, bei der Rettungzuerst genannt zu werden? Weil er mit der Rettung zuerst begonnen hatte, denn es heißt:und als Reúben es hörte, rettete er ihn aus ihren Händen.
15R. Šimlaj trug vor: Es heißt:damals sonderte Moše drei Städte aus, jenseits des Jarden gegen Sonnenaufgang. Der Heilige, gepriesen sei er, sprach zu Moše: Laß die Sonne für die [unvorsätzlichen] Totschläger scheinen. Manche sagen: Er sprach zu ihm: Du hast die Sonne für die Totschläger scheinen lassen.
16R. Simaj trug vor: Es heißt:wer Geld lieht, wird des Geldes nicht satt, und wer die Menge lieht, hat denErtrag. Wer Geld lieht, wird des Geldes nicht satt, das ist unser Meister Moše, der, obgleich er wußte, daß die drei Zufluchtsstädte jenseits des Jarden nicht eher eine Zuflucht gewähren, als bis die drei im Lande Kenaa͑n gewählt sind, dennoch sagte: ich will ein sich mir bietendes Gebot ausüben.
17Wer die Menge lieht, hat den Ertrag; wem ziemt es, die Menge zu lehren? Dem der ganze Ertrag [der Gesetzeskunde] gehört. Das ist es, was R. Elea͑zar sagte: Es heißt:wer kann die Machttaten des Herrn ausreden, all seinen Ruhm verkünden; wem ziemt es, die Machttaten des Herrn auszureden? Dem, der all seinen Ruhm verkünden kann.
18Die Rabbanan, nach anderen Rabba b. Mari, erklärten: Wer die Menge liebt, hat den Ertrag; wer [den Lehrer der] Menge liebt, hat Ertrag. Da richteten die Weisen ihre Augen auf Raba, den Sohn Rabbas. R.
19Aši erklärte: Wer in der Menge zu lernen liebt, hat Ertrag. Das ist es, was R. Jose b. Ḥanina sagte: Es heißt: ein Schwert über die einzelnen, sie werden töricht; ein Schwert über den Hals der Feinde Jisraéls, die sich mit der Tora einzeln befassen; und nicht nur das, vielmehr werden sie auch töricht, denn hier heißt es: sie werden töricht, und dort heißt es:daß wir uns betören ließen und gesündigt haben. Wenn du aber willst, entnehme ich dies hieraus: betört wurden die Fürsten von Çoa͑n.
20Rabina erklärte: Wer in der Menge zu lehren liebt, hat Ertrag. Das ist es, was Rabbi sagte: Viel Tora habe ich von meinen Lehrern gelernt, mehr als von diesen lernte ich von meinen Kollegen, und am allermeisten von meinen Schülern.
21R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Es heißt:unsere Füße stehen an deinen Toren, Jerušalem; wer veranlaßte, daß unsere Füße im Kampfestehen? Die Tore Jerušalems, [an welchen] sie sich mit der Tora befaßten.
22Ferner sagte R. Jehošua͑ b. Levi: Es heißt:Wallfahrtslied von David. Ich freute mich, als man zu mir sprach: Laßt uns ins Haus Gottes gehen. David sprach vor dem Heiligen, gepriesen sei er: Herr der Welt, ich hörte, wie die Leute sagten: wann wird endlich dieser Alte sterben und sein Sohn Šelomo [an seine Stelle] kommen, damit er den Tempel baue und wir zur Wallfahrt ziehen können; da freute ich mich. Hierauf sprach der Heilige, gepriesen sei er, zu ihm:Ein Tag in deinen Vorhöfen ist mir lieber als tausend; lieber ist mir ein Tag, den du dasitzest und dich mit der Tora befassest, als die tausend Brandopfer, die dein Sohn Šelomo mir dereinst auf dem Altar darbringen wird.
23VON EINER NACH DER ANDEREN WAREN STRASSEN ERRICHTET &C. Es wird gelehrt: R. Elie͑zer b. Ja͑qob sagte:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.