Makkot — Blatt 11a
1in einer strengen Sprache gehalten? Es heißt nämlich:und der Herr redetemit Jehošua͑ also: Rede zu den Kindern Jisraéls also: Bestimmt die Zufluchtsstädte, von denen ich euch gesagt habe &c. Weil dieser eine Vorschrift der Tora behandelt. –
2Demnach bezeichnet [der Ausdruck] ‘reden’ überall die strenge Sprache, wie es auch heißt:der Herr des Landes redete mit uns eine strenge Sprache, und dem widersprechend wird gelehrt: Unterredeten, unter ‘unterredeten’ ist die milde [Sprache] zu verstehen, denn es heißt:er drückteVölker unter uns!? – ‘Reden’ist was anderes und ‘unterreden’ist was anderes.
3Hierüberstreiten R. Jehuda und die Rabbanan; einer erklärt, weil sie es verabsäumt hatten, und einer erklärt, weil es eine Vorschrift der Tora ist.
4Und Jehošua͑ schrieb diesen Vorgang in das Gesetzbuch Gottes. R. Jehuda und R. Neḥemja [streiten hierüber]; einer sagt, die achtSchriftverse, und einer sagt, die von den Zufluchtsstädten. –
5Einleuchtend sind die Worte in das Gesetzbuch Gottes nach demjenigen, welcher sagt, die acht Schriftverse; wieso aber heißt es in das Gesetzbuch Gottes nach demjenigen, welcher sagt, die von den Zufluchtsstädten!? – Er meint es wie folgt: und Jehošua͑ schrieb in sein Buch diesen Vorgang, von dem im Gesetzbuche Gottes geschrieben steht.
6Über eine Torarolle, die mit Flachsgarn zusammengenäht ist, [streiten] R. Jehuda und R. Meír; einer sagt, sie sei tauglich, und einer sagt, sie sei untauglich.
7Einer sagt, sie sei untauglich, denn es heißt:damit die Lehre des Herrn stets in deinem Munde sei, und die Tora ist mit den Tephillinzu vergleichen: wie es hinsichtlich der Tephillin eine von Moše am Sinaj überlieferte Vorschrift ist, sie mit Adern zusammenzunähen, ebenso ist auch diese mit Adern zusammenzunähen. Und einer ist der Ansicht, sie sei nur insofern mit diesen zu vergleichen, als sie ebenfalls [auf eine Sache geschrieben werden muß], die in den Mund kommendarf, nicht aber hinsichtlich der [übrigen] Vorschriften.
8Rabh sagte: Ich sah die Tephillin meines Oheims, und sie waren mit Flachsgarn zusammengenäht. Die Halakha ist aber nicht wie er.
9SOWOHL DER MIT SALBÖL GESALBTE [HOCHPRIESTER], ALS AUCH DER DURCH DIE AMTSKLEIDUNGGEWEIHTE, ALS AUCH DER PROVISORISCHE [HOCHPRIESTER], WIE R. JEHUDA SAGT, AUCH DER FELDPRIESTER, VERANLASSEN DIE RÜCKKEHR DES TOTSCHLÄGERS.
10DAHER PFLEGEN DIE MÜTTER DER [HOCH]PRIESTER [DIE TOTSCHLÄGER] MIT NAHRUNG UND KLEIDUNG ZU VERSORGEN, DAMIT SIE NICHT BETEN, DASS IHRE SÖHNE STERBEN MÖGEN.
11GEMARA. Woher dies? R. Kahana erwiderte: Die Schrift sagt:und er soll daselbst bleiben bis zum Tode des Hochpriesters &c. Ferner: denn jener hat bis zum Tode des Hochpriesters in seiner Zufluchtsstadt zu bleiben. Ferner:und nach dem Tode des Hochpriesters. –
12Und R. Jehuda!? – Es gibt noch einen Schriftvers:daß er heimkehre und im Lande wohne noch vor dem Tode des Priesters. – Und jene!? – Da es hier nicht Hoch[priester] heißt, so ist einer von jenen [dreien] gemeint.
13DAHER PFLEGEN DIE MÜTTER DER [HOCH]PRIESTER &C. Also nur weil sie nicht beten, würden sie aber beten, so würden jene sterben; es heißt ja aber:wie ein Vogel fortflattert, wie eine Schwalbe wegfliegt, so ist unverdienter Fluch, er trifft nicht ein!? Ein Greis erwiderte: In einem Vortrag Rabas hörte ich es: sie sollten für ihr Zeitalter um Erbarmen flehen, und haben esunterlassen.
14Manche lesen: Damit sie für ihre Söhne beten, daß sie nicht sterben mögen. Also nur weil sie beten, sonst aber würden sie sterben; was können sie denn dafür!? – Hiersagte man dazu: Ṭobija sündigteund Zigud wird geprügelt;
15dortsagt man dazu: Šekhem heiratet und der Bauer muß sich beschneiden!?
16Ein Greis erwiderte: Ich hörte es in einem Vortrag Rabas: sie sollten für ihr Zeitalter um Erbarmen flehen und haben dies unterlassen. So ereignete es sich einst, daß jemand drei Parasangen weit von R. Jehošua͑ b. Levi von einem Löwen gefressen wurde, und Elijahu sprach drei Tage nicht mit ihm.
17R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Der Fluch eines Gelehrten trifft sogar unverdient ein. – Woher dies? – Von Aḥitophel. Als David die Abflußkanälegrub, quoll das Meer hervor und wollte die Welt überschwemmen; da fragte er, ob man den [Gottes]namen auf einen Fetzen schreiben und ihn ins Meer werfen dürfe, damit es zurück in seine Stätte sinke? Niemand aber sagte ihm etwas darüber. Da sprach er: Wer dies weiß und nicht sagt, mag (am Halse) ersticken.
18Da folgerte Aḥitophel selbständig [einen Schluß vom] Leichteren auf das Schwerere: wenn die Tora gesagt hat, daß sein in Heiligkeit geschriebener Name verwischt werde, um zwischen Mann und Frau Frieden zu stiften, um wieviel mehr wegen [des Friedens] der ganzen Welt. Alsdann sprach er zu ihm: Es ist erlaubt. Hierauf schrieb er den [Gottes]namen auf einen Fetzen und warf ihn ins Meer; da senkte es sich zurück in seine Stätte.
19Dennoch heißt es:als aber Aḥitophel sah, daß sein Rat nicht zur Ausführung kam, sattelte er den Esel und machte sich auf den Weg nach Hause in seine Vaterstadt; da bestellte er sein Haus und erdrosselte sich &c.
20R. Abahu sagte: Der Fluch eines Gelehrten trifft ein, selbst wenn er bedingungsweise [ausgestoßen wurde]. – Woher dies? – Von E͑li; er sprach nämlich zu Šemuél:Gott tue dir dies und das, wenn du mir was verhehlst, und obgleich es heißt:da teilte ihm Šemuél die ganze Sache mit und verschwieg ihm nichts, so heißt es dennoch:aber seine Söhne wandelten nicht in seinen Wegen &c.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.