Makkot — Blatt 12b

1R. Jehuda sagt, bei einer Höhle richte man sich nach dem Eingangund bei einem Baume richte man sich nach der Krone. –

2R. Jehuda ist zwar dieser Ansicht beim Zehnten, bei dem dies erschwerend ist; wenn der Stamm außerhalb und die Krone innerhalb sich befindet: wie auf dem Gebiete, auf dem die Krone sich befindet, die Auslösung nicht zulässigist, ebenso ist die Auslösung nicht zulässig auf dem Gebiete, auf dem der Stamm sich befindet; wenn der Stamm innerhalb und die Krone außerhalb sich befindet: wie auf dem Gebiete, auf dem die Krone sich befindet, das Essenunausgelöst nicht zulässig ist, ebenso ist das Essen unausgelöst nicht zulässig auf dem Gebiete, auf dem der Stamm sich befindet;

3wieso ist diesaber bei den Zufluchtsstädten der Fall? Allerdings in dem Falle, wenn der Stamm außerhalb und die Krone innerhalb sich befindet: wie man ihn nicht töten darf auf dem Gebiete, auf dem die Krone sich befindet, ebenso darf man ihn nicht töten auf dem Gebiete, auf welchem der Stamm sich befindet; wenn aber der Stamm innerhalb und die Krone außerhalb sich befindet, sollte man ihn, wie man ihn töten darf auf dem Gebiete, auf dem die Krone sich befindet, auch töten dürfen auf dem Gebiete, auf dem der Stamm sich befindet; er befindet sich ja innerhalb!?

4Raba erwiderte: Hinsichtlich des Stammes stimmen alle überein, daß man ihn auf dem Gebiete, auf dem dieser sich befindet, nicht töten dürfe; wenn er sich unter der Krone befindet und man ihn mit Pfeilen oder Geröll töten kann, so stimmen alle überein, daß man ihn töte,

5sie streiten nur, ob der Stamm als Treppe für die Krone dienen könne; einer ist der Ansicht, der Stamm diene als Treppefür die Krone, und einer ist der Ansicht, der Stamm diene nicht als Treppe für die Krone.

6R. Aši erklärte: Nach der Krone, dies heißt: auch nach der Krone.

7HAT ER IN DIESER STADTGETÖTET, SO GEHE ER IN DIE VERBANNUNG AUS EINEM REVIERNACH EINEM ANDEREN. EIN LEVITEGEHE IN DIE VERBANNUNG AUS EINER STADT NACH EINER ANDEREN.

8GEMARA. Die Rabbanan lehrten:So will ich dir eine Stätte bestimmen &c. Will ich dir bestimmen, bei deinenLebzeiten; eine Stätte, aus deinerStätte; wohin er flüchten kann, dies lehrt, daß die Jisraéliten auch in der Wüste die [Institution der] Verbannung hatten. Wohin verbannten sie? In das levitische Lager.

9Hieraus folgerten sie, daß ein Levite, wenn er [unvorsätzlich] getötet hat, aus einem Bezirkenach einem anderen in die Verbannung muß. Geht er in die Verbannung nach seinem eigenen Bezirke, so gewährt ihm auch dieser Zuflucht. R. Aḥa, Sohn des R. Iqa, sagte: Welcher Schriftvers deutet hierauf?In seiner Zufluchtsstadt soll er bleiben, in der Stadt, die ihm von früher her Zuflucht gewährt.

10DESGLEICHEN AUCH, WENN EIN TOTSCHLÄGER IN EINE ZUFLUCHTSSTADT IN DIE VERBANNUNG GEHT, UND DIE LEUTE DER STADT IHM EHRUNG ERWEISEN WOLLEN, SO SAGE ER ZU IHNEN: ICH BIN EIN TOTSCHLÄGER. WENN SIE IHM ABER ERWIDERN: DENNOCH, SO NEHME ER SIE VON IHNEN AN, DENN ES HEISST:dies ist das Wort des Totschlägers.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.