Makkot — Blatt 19b

1Allerdings nach demjenigen, welcher sagt, man richte sich hierbei nach dem, was gefolgert wird, wie ist es aber zu erklären nach demjenigen, welcher sagt, man richte sich hierbei nach dem, wovon gefolgert wird!? –

2Das Blut und das Fleisch gehören zusammen.

3HOCHHEILIGES &C. Dieshaben wir ja bereits gelernt: zweiten Zehnten und Heiliges, die nicht ausgelöst worden sind!? R. Jose b. Hanina erwiderte: Die zweite Lehre handelt von dem Falle, wenn ein Reiner reinen zweiten Zehnten außerhalb der Stadtmauer gegessen hat, und die erste Lehre handelt von dem Falle, wenn ein Unreiner [reinen, oder ein Reiner] unreinen zweiten Zehnten in Jerušalem [unausgelöst] gegessen hat. –

4Woher, daß man dabei wegen [Essens in] Unreinheit strafbar ist? – Es wird gelehrt: R. Šimo͑n sagte:Ich habe nichts davon in Unreinheit fortgeschafft, einerlei ob ich unrein und dieser rein, oder ich rein und dieser unrein war. Wo das Verbot des Essens [in Unreinheit] sich befindet, weiß ich nicht. –

5Von der Unreinheit des Körpers heißt es ja ausdrücklich:wer solches berührt, ist unrein bis zum Abend und darf nichts Heiliges essen!? – Vielmehr, woher dies von der Unreinheit [des Zehnten] selber.

6Hierbeiheißt es: du darfst in deinen Ortschaften nicht essen, und dortheißt es: in deinen Ortschaften sollst du es essen, rein oder unrein.

7Ferner wurde in der Schule R. Jišma͑éls gelehrt: Ein Unreiner und ein Reiner dürfen davon ohne Rückhalt aus einer Schüsselessen. Und der Allbarmherzige sagt, das Essen in Unreinheit, das ich dir hierbeierlaubt habe, ist dort verboten. –

8Woher, daß solcher ausgelöst werden kann? –

9R. Elea͑zar sagte: Woher, daß man den zweiten Zehnten, wenn er unrein wird, auch in Jerušalem auslösen kann? Es heißt:wenn du es nicht tragen kannst, und unter ‘tragen’ ist ‘essen’ zu verstehen, denn es heißt:er ließ ihnen von ihm her Tischgaben auftragen.

10R. Bebaj sagte im Namen R. Asis: Woher, daß man den zweiten Zehnten auslösen kann, selbst wenn er sich nur einen Schritt außerhalb der Stadtmauerbefindet? Es heißt: wenn du es nicht tragen kannst. – Dieser [Schriftvers] ist ja für die Lehre R. Elea͑zars nötig!? –

11Es könnte ja heißen: nicht essen kannst, und es heißt: tragen. – Vielleicht deutet er nur auf diese Lehre!? – Es könnte ja heißen: nicht anfassen kannst, wenn es aber tragen heißt, so ist hieraus beides zu entnehmen.

12R. Ḥananja und R. Hoša͑ja saßen vor dem Tore von Jerušalem und warfen folgende Frage auf: Selbstverständlich hat, wenn er außerhalb und sein Gepäckinnerhalb sich befindet, die Mauer es aufgenommen; wie ist es aber, wenn er innerhalb und sein Gepäck außerhalbsich befindet!? –

13Da rezitierte ihnen ein Greis [eine Lehre] aus der Schule des R. Šimo͑n b. Joḥaj:Wenn die Stätte zu weit von dir entfernt ist, von deiner ganzen Ausdehnung.

14R. Papa fragte: Wie ist es, wenn man es an einem Stabeträgt? – Dies bleibt unentschieden.

15R. Asi sagte im Namen R. Joḥanans: Von wann ab ist man wegen des zweiten Zehntenstrafbar? Sobald er die Stadtmauer gesehenhat. – Aus welchem Grunde? – Die Schrift sagt:vor dem Herrn, deinem Gott, und ferner heißt es:du darfst es nicht in deinen Ortschaften essen; wo der Schriftvers: vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du es essen, Geltung hat, gilt auch der Schriftvers: du darfst es nicht in deinen Ortschaften essen, und wo der Schriftvers: vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du es essen, keine Geltunghat, gilt auch nicht der Schriftvers: du darfst es in deinen Ortschaften nicht essen.

16Man wandte ein: R. Jose sagte: Wenn einem Priester eine Feige von Unverzehntetem in die Hand gekommen ist und er bestimmthat: die Hebe dieser Feige befinde sich am Stengel, der erste Zehnt an der Nordseite und der zweite Zehnt an der Südseite, und diese, wenn es ein Jahr ist, in dem der zweite Zehnt abgesondert wird, in Jerušalem, oder in dem der Armenzehnt abgesondert wird, in der Provinz sich befindet, so ist er, wenn er sie gegessen hat,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.