Makkot — Blatt 24a

1[Das Wort] Tora beträgt nämlich sechshundertundelf, und [die Gebote]ich bin, und: du sollst nicht haben, hörten wir aus dem Munde der Allmacht.

2Hierauf kam David und brachte sie auf elf, denn es heißt:Ein Psalm Davids. Herr, wer darf in deinem Zelte wohnen, wer darf auf deinem heiligen Berge ruhen? Wer makellos wandelt und recht tut und vom Herzen Wahrheit redet, auf seiner Zunge nicht Verleumdung hegt, seinem Nächsten nichts Böses zufügt und nicht Schmach auf seinen Freund lädt; dem der Verworfene als verächtlich gilt, während er, die den Herrn fürchten, in Ehren hält; der, wenn er zu seinem Schaden geschworen hat, es doch nicht abändert; der sein Geld nicht um Zins gibt und nicht Bestechung gegen den Unschuldigen annimmt. Wer solches tut, wird nimmermehr wanken.

3Wer makellos wandelt, das ist Abraham, von dem es heißt:wandle vor mir und sei makellos.

4Und recht tut, wie beispielsweise Abba Ḥilqijahu.

5Und vom Herzen Wahrheit spricht, wie beispiels- weise R. Saphra.

6Auf seiner Zunge nicht Verleumdung hegt, das ist unser Vater Ja͑qob, von dem es heißt:vielleicht wird mich mein Vater betasten, so würde ich in seinen Augen wie ein Betrüger dastehen. ,

7Seinem Nächsten nichts Böses zufügt, der nicht ins Handwerk seines Nächsten greift.

8Und nicht Schmach auf seinen Freund lädt, der sich seiner Verwandten annimmt.

9Dem der Verworfene als verächtlich gilt, das ist der König Ḥizqijahu, der die Gebeine seines Vaters auf einer Strickbahre schleifte.

10Während er, die den Herrn fürchten, in Ehren hält, das ist Jehošaphat, König von Jehuda, der, wenn er einen Gelehrten sah, von seinem Throne aufstand und ihn umarmte und küßte und ihn Vater, Lehrer und Meister nannte.

11Der, wenn er zu seinem Schaden geschworen hat, es doch nicht abändert, wie beispielsweise R. Joḥanan; er sprach nämlich einst: Ich will im Fastenverweilen, bis ich nach Hause komme.

12Der sein Geld nicht um Zins gibt, nicht einmal an einen Nichtjuden.

13Und nicht Bestechung gegen einen Unschuldigen annimmt, wie beispielsweise R. Jišma͑èl b. R. Jose.

14Es heißt: Wer solches tut, wird nimmermehr wanken. Wenn R. Gamlièl an diesen Vers herankam, weinte er, indem er sprach: Nur, wer dies alles tut, wird nicht wanken, wer aber nur eines von diesen tut, wird wanken!

15Da entgegnete man ihm: Es heißt ja nicht: wer dies alles tut, sondern: wer solches tut, auch eines von diesen. Wie willst du, wenn du nicht so erklären wolltest, folgenden Schriftvers erklären:ihr sollt euch nicht mit all diesem verunreinigen; ist man etwa nur dann unrein, wenn man sie alle berührt hat, nicht aber, wenn eines von diesen!? Vielmehr heißt dies: mit einem von diesen, ebenso auch hierbei: eines von diesen.

16Hierauf kam Ješa͑ja und brachte sie auf sechs, denn es heißt:Wer in Rechtschaffenheit wandelt, und Redlichkeit redet, wer Gewinn durch Erpressung verschmäht, wer Bestechung mit den Händen abwehrt, wer sein Ohr verstopft, um nicht Mordpläne zu hören, und seine Augen verschließt, um nicht das Böse zu schauen.

17Wer in Rechtschaffenheit wandelt, das ist unser Vater Abraham, von dem es heißt:denn ich habe ihn erkoren, damit er seinen Kindern gebiete &c.

18Und Redlichkeit redet, der seinen Genossen nicht öffentlich kränkt.

19Wer den Gewinn durch Erpressung verschmäht, wie beispielsweise R. Jišma͑èl b. Eliša.

20Wer Bestechung mit den Händen abwehrt, wie beispielsweise R. Jišma͑èl b. Jose.

21Wer sein Ohr verstopft, um nicht Mordpläne zu hören, der nicht die Schmähung von Gelehrten schweigend anhört.

22Und seine Augen verschließt, um nicht das Böse zu schauen, wie R. Hija b. Abba erklärte, der keine Frauen betrachtet, wenn sie beim Waschen stehen.

23Und es heißt:der wird auf Höhen wohnen.

24Hierauf kam Mikha und brachte sie auf drei, denn es heißt:Er hat dir gesagt, o Mensch, was frommt! Und was fordert der Herr von dir außer Gerechtigkeit zu tun, sich der Liebe zu befleißigen und demütig zu wandeln vor deinem Gott.

25Gerechtigkeit zu tun, das ist die Rechtspflege. Sich der Liebe zu befleißigen, das ist die Wohltätigkeit. Und demütig, das ist das Hinausführen eines Toten und das Ausstatten einer Braut. Es sind Dinge, die man [durch einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere folgern kann: wenn die Tora von Dingen, die man nicht heimlichzu tun pflegt, sagt, daß man sie heimlich tue, um wieviel mehr gilt dies von Dingen, die man heimlich zu tun pflegt.

26Hierauf kam Ješa͑ja abermals und brachte sie auf zwei, denn es heißt:So spricht der Herr: Wahret das Recht und übt Gerechtigkeit. Alsdann kam A͑mos und brachte sie auf eines, denn es heißt:So spricht der Herr zum Hause Jisraél: Forscht nach mir, damit ihr am Leben bleibt. R. Naḥman b. Jiçḥaq wandte ein: Vielleicht ist unter forschen zu verstehen, nach der ganzen Tora!? – Vielmehr, hierauf kam Ḥabaquq und brachte sie auf eines, denn es heißt:der Fromme wird durch seinen Glauben leben.

27R. Jose b. Ḥanina sagte: Vier Verhängnisse sprach Moše aus, und hierauf kamen vier Propheten und hoben sie auf. Moše sagte:und so wohnte Jisraél in Sicherheit, gesondert der Quell Ja͑qobs; hierauf kam A͑mos und hob dies auf, [denn es heißt:]laß doch ab, wie wird Ja͑qob bestehen können &c.; ferner:da ließ es sich der Herr gereuen &c.

28Moše sagte: und unter jenen Völkern wirst du keine Ruhe finden; hierauf kam Jirmeja und sagte:gehe hin, daß du Jisraél Ruhe verschaffest.

29Moše sagte:er ahndet der Väter Schuld an den Kindern, hierauf kam Jeḥezqel und hob dies auf, denn es heißt:die Seele, die sich verfehlt, die soll sterben.

30Moše sagte:ihr sollt unter den Völkern verloren gehen, hierauf kam Ješa͑jahu und sagte:an jenem Tage wird die große Posaune geblasen werden &c.

31Rabh sagte: Ich fürchte den Schriftvers: ihr sollt unter den Völkern verloren gehen. R. Papa wandte ein: Vielleicht wie etwas Verlorenes, das gesucht wird, wie es heißt:ich irre umher wie ein verlorenes Schaf, suche deinen Knechtl? Vielmehr, den Schluß des Verses:und das Land eurer Feinde soll euch verzehren. Mar Zuṭra entgegnete: Vielleicht wie man Gurken verzehrt.

32Einst gingen R. Gamliél, R. Elea͑zar b. A͑zarja, R. Jehošua͑ und R. A͑qiba auf dem Wege und hörten das Geräusch der Stadt Rom, vom Kapitol aus in einer Entfernung von hundertundzwanzig Mil; da begannen sie zu weinen, während R. A͑qiba lächelte. Da sprachen sie zu ihm: Weshalb lächelst du? Er entgegnete ihnen: Weshalb weint ihr? Sie erwiderten ihm: Diese Heiden, die Götzen anbeten und vor Abgöttern räuchern, weilen in Sicherheit und Ruhe, wir aber: das Haus, das den Füßen unseres Gottes als Schemel diente, ist im Feuer verbrannt;

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.