Megilla — Blatt 10a

1DER HEILIGKEIT VON JERUŠALEM FOLGTE KEINE ERLAUBNIS.

2GEMARA. R. Jiçḥaq sagte: Ich hörte, daß man im Ḥonjotempel auch in der Jetztzeit Opfer darbringt. Er ist also der Ansicht, der Ḥonjotempel galt nicht als Götzentempel. Ferner ist er der Ansicht, daß die erste Heiligkeit [Jerušalems] nur eine zeitliche war und aber keine dauernde.

3Es heißt nämlich: denn bis jetzt seid ihr noch nicht zur Ruhe und zum Besitze gelangt; ‘Ruhe’, das ist Šilo, ‘Besitz’, das ist Jerušalem. Er vergleicht ‘Besitz’ mit ‘Ruhe’: wie der ‘Ruhe’ eine Erlaubnis folgte, ebenso folgt dem ‘Besitze’ eine Erlaubnis.

4Als man ihn fragte, ob er dies gesagt habe, erwiderte er: Nein. Raba sprach: Bei Gott, er sagte dies und ich lernte es von ihm. –

5Weshalb ist er davon abgekommen? – Wegen des Einwandes R. Maris. R. Mari wandte nämlich ein: [Es heißt ja]: Der Heiligkeit von Šilo folgte eine Erlaubnis, der Heiligkeit von Jerušalem folgte keine Erlaubnis. Ferner haben wir gelernt: Als sie nach Jerušalem kamen, wurden die Opferhöhen verboten, darauf folgte keine Erlaubnis mehr. Es blieb ihnen zum Besitze. –

6Hierüber streiten Tannaím, denn es wird gelehrt: R. Elie͑zer sagte: Ich hörte, daß sie, als sie den Tempel bauten, Vorhänge um den Tempel und Vorhänge um den Vorhof zogen, nur wurden [die Wände] des Tempels außerhalb und die des Vorhofes innerhalb gebaut.

7R. Jehošua͑ sagte: Ich hörte, daß man Opfer darbringe, auch wenn kein Tempel vorhanden ist, daß man hochheilige [Opfer] esse, auch wenn keine Vorhänge und minderheilige [Opfer] und zweiten Zehnten esse, auch wenn keine [Stadt]mauer vorhanden ist, weil die erste Heiligkeit sowohl für die damalige Zeit als auch für die Zukunft galt. Demnach ist R. Elie͑zer der Ansicht, die Heiligkeit gelte nicht für die Zukunft.

8Rabina sprach zu R. Aši: Wieso, vielleicht sind alle der Ansicht, die erste Heiligkeit galt sowohl für die damalige Zeit als auch für die Zukunft, nur erzählt der eine, was er gehört hat und der andere erzählte, was er gehört hat!? Wenn du aber einwendest, welche Bedeutung hätten nach R. Elie͑zer demnach die Vorhänge? Nur zur Aufbewahrung. –

9Hierüber streiten vielmehr folgende Tannaím, denn es wird gelehrt: R. Jišma͑él b. R. Jose sagte: Wozu zählten die Weisen dieseauf? Als die Exulanten heimkehrten, fanden sie diese vor und heiligten sie, die erste Heiligkeit aber hörte mit der Zerstörung des Landes auf. Demnach ist er der Ansicht, die erste Heiligkeit galt nur für die damalige Zeit, nicht aber für die Zukunft,

10und dem widersprechend wird gelehrt: R. Jišma͑él b. R. Jose sagte: Waren es denn nur diese, es heißt ja: sechzig Städte, alles, was zum Bezirke Arqob gehörte, und ferner heißt es: lauter befestigte Städte, mit hoher Mauer; weshalb zählten nun die Weisen diese auf? Als die Exulanten heimkehrten, fanden sie diese vor und heiligten sie. –

11Heiligten sie sie denn

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.