Megilla — Blatt 13a
1David tötete nicht den Šimi͑, dem Mordekhaj entstammte, gegen den Haman eiferte; Was ein Binjaminite mir vergolten hat. Šaúl tötete nicht den Agag, dem Haman entstammte, der Jisraél quälte.
2R. Joḥanan erwiderte: Tatsächlich stammte er von Binjamin und nur deshalb heißt er Judäer, weil er den Götzendienst verleugnete, denn wer den Götzendienst verleugnet, heißt Judäer, wie es heißt: es sind Judäer da &c.
3R. Šimo͑n b. Pazi pflegte, wenn er mit [dem Buche] der Chronik begann, folgendes zu sagen: All deine Worte sind die gleichen, wir aber wissen sie auszulegen. Und seine judäische Frau gebar Jered, den Vater des Gedor, und Ḥeber, den Vater des Sokho, und Jequthiél, den Vater des Zenoaḥ. Und dies sind die Söhne Bithjas, der Tochter des Pareo͑, die Mered heiratete.
4Weshalb nennt er sie judäische? Weil sie den Götzendienst verleugnete, denn es heißt: da kam die Tochter des Pareo͑ an den Fluß, um zu baden, und R. Joḥanan erklärte, sie wollte sich von den Götzen ihres väterlichen Hauses rein waschen.
5‘Gebar’, sie hat ihm ja nur erzogen!? Dies besagt, daß, wenn jemand einen Waisenknaben oder ein Waisenmädchen in seinem Hause großzieht, die Schrift es ihm anrechnet, als hätte er sie geboren.
6Jered ist Moše, und er heißt deshalb Jered, weil in seinen Tagen den Jisraéliten das Manna herabkam [jarad]. Gedor [hieß er], weil er die Risse Jisraéls zäunte [gadar]. Ḥeber [hieß er], weil er Jisraél mit seinem Vater im Himmel verband [ḥiber]; Sokho [hieß er], weil er Jisraél wie eine Hütte [sukka] schützte. Jequthiél [hieß er], weil in seinen Tagen Jisraél zu Gott hoffte. Zenoaḥ hieß er, weil er die Sünden Jisraéls verstieß [zanaḥ].
7Dreimal wird [das Wort] ‘Vater’ genannt: ein Vater in der Tora, ein Vater in der Weisheit und ein Vater in der Prophetie.
8Und dies sind die Söhne Bithjas, der Tochter des Pareo͑, die Mered heiratete. Hieß er denn Mered, er hieß ja Kaleb!? – Der Heilige, gepriesen sei er, sprach: Möge Kaleb kommen, der sich dem Ratschlage der Kundschafter widersetzte [marad], und die Tochter des Pareo͑ heiraten, die sich den Götzen ihres väterlichen Hauses widersetzte.
9Der aus Jerušalem weggeführt worden war. Raba sagte: Der freiwillig in die Gefangenschaft ging.
10Und er war Pflegevater der Hadasa. Er nennt sie Hadasa und er nennt sie Ester!? – Es wird gelehrt: R. Meír sagte: Ihr wirklicher Name war Ester, und er nennt sie deshalb Hadasa, weil die Frommen Myrte [hadasa] genannt werden, wie es heißt: er stand zwischen den Myrten.
11R. Jehuda sagte: Ihr wirklicher Name war Hadasa, und er nennt sie deshalb Ester, weil sie ihre Worte verheimlichte [mastereth], wie es heißt: Ester hatte ihr Volk nicht verraten &c.
12R. Neḥemja sagte: Ihr wirklicher Name war Hadasa, und er nennt sie deshalb Ester, weil die weltlichen Völker sie Istahar nannten. Ben A͑zaj sagte: Ester war weder groß noch klein, sondern mittelmäßig, gleich einer Myrte [hadasa]. R. Jehošua͑ b. Qorḥa sagte: Ester war [wie eine Myrte] grünlich, nur war sie anmutig.
13Sie hatte weder Vater noch Mutter. Wozu heißt es weiter: und als ihr Vater und ihre Mutter starben!? R. Aḥa erwiderte: Sobald ihre Mutter schwanger ward, starb ihr Vater, und nach ihrer Geburt starb auch ihre Mutter.
14Und als ihr Vater und ihre Mutter starben, hatte sie Mordekhaj als Tochter angenommen. Im Namen R. Meírs wird gelehrt: Lies nicht bath [Tochter] sondern bajith [Haus]. Desgleichen heißt es: Der Arme aber besaß garnichts, außer einem einzigen Lämmchen, das er sich gekauft und aufgezogen hatte, und das bei ihm und mit seinen Kindern zugleich groß wurde, von seinem Bissen aß es, von seinem Becher trank es, an seinem Busen schlief es und galt ihm wie eine Tochter [bath]. Galt es ihm denn deshalb wie eine Tochter, weil es an seinem Busen schlief!? Vielmehr lese man bajith, ebenso lese man auch hier bajith.
15Und die sieben Dienerinnen &c. Raba sagte: Durch diese zählte sie die Wochentage. Und er zeichnete sie und ihre Dienerinnen aus &c. Rabh sagte, er habe ihr jüdische Speisen verabreicht,
16und Šemuél sagte, er habe ihr Schweineschinken verabreicht.
17R. Joḥanan sagte, Pflanzenkost, denn es heißt: fortan ließ der Obermundschenk, was ihnen an Speise &c. bestimmt war, hinwegtragen und gab ihnen Pflanzenkost.
18Sechs Monate mit Myrrhenöl. Was ist Myrrhenöl? R. Ḥija b. Abba erwiderte: Stakte. R. Hona erwiderte: Öl aus Oliven, die noch kein Drittel [der Reife] erlangt haben. Es wird gelehrt: R. Jehuda sagte: Omphakinon ist ein Öl aus Oliven, die noch kein Drittel [der Reife] erlangt haben. – Weshalb schmiert man sich damit? – Weil es das Haar entfernt und die Haut geschmeidig macht.
19Am Abend kam sie und am Morgen ging sie fort, R, Joḥanan sagte: Aus der Schändlichkeit dieses Frevlers ist auch seine Keuschheit zu ersehen: er übte den Beischlaf nicht am Tage aus.
20Und Ester erwarb sich Gunst. R. Elea͑zar sagte: Dies lehrt, daß sie jedem erschien, als wäre sie von seiner Nationalität. Und so ward Ester zum Könige Aḥašveroš in seinen königlichen Palast geholt, im zehnten Monate, das ist der Monat Ṭebeth; ein Monat, in dem der Körper vom Körper genießt.
21Und der König gewann Ester lieb, mehr als alle anderen Frauen, und sie erwarb sich Gunst und Gnade vor ihm, mehr als alle anderen Jungfrauen. Rabh sagte: Wollte er den Genuß einer Jungfrau kosten, so hatte er es, wollte er den Genuß einer Deflorierten kosten, so hatte er es.
22Sodann veranstaltete der König ein großes Gastmahl. Er veranstaltete ein großes Gastmahl, sie verriet ihm aber [ihre Herkunft] nicht; er erließ die Steuer, sie verriet es ihm aber nicht, er schickte Geschenke, sie verriet es ihm aber nicht.
23Und als man ein zweites Mal Jungfrauen zusammenbrachte &c. Er ging und holte sich Rat von Mordekhaj, und dieser sprach zu ihm: Nichts macht eine Frau so eifersüchtig, wie die Hüfte ihrer Genossin, dennoch verriet sie es ihm nicht, denn es heißt: Ester verriet ihre Herkunft nicht &c.
24R. Elea͑zar sagte: Es heißt:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.