Megilla — Blatt 14b
1Er ist Hochverräter und er braucht nicht erst verurteilt zu werden. Diese erwiderte: Noch lebt Šaúl, und deine Autorität ist in der Welt nicht bekannt. Da sprach er zu ihr: Gepriesen sei deine Klugheit und gepriesen seist du selbst, die mich heute davon zurückhielt, in eine Blutschuld zu geraten.
2‘Blutschuld’ heißt zweierlei, dies lehrt, daß sie ihren Schenkel entblößte, bei dessen Glanz er drei Parasangen ging. Er sprach zu ihr: Sei mir erbötig. Diese erwiderte: Dies soll dir nicht zum Anstoße gereichen. Dies, demnach noch etwas anderes, das ist das Ereignis mit der Bath Šeba͑.
3Und später war es auch so.So möge das Leben meines Herrn eingebunden sein in das Bündel der Lebendigen. Als sie sich von ihm verabschiedete, sprach sie zu ihm: Und wenn der Herr meinem Herrn wohltun wird, so denke an deine Sklavin.
4R. Naḥman sagte: Das ist es, was die Leute sagen: Die Frau spinnt beim Sprechen. Manche sagen: Mit gesenktem [Kopfe] geht die Ente, doch schweifen ihre Augen umher.
5Von Ḥulda heißt es: da begab sich der Priester Ḥilqijahu mit Aḥiqam, A͑khbor &c. – Wieso durfte sie prophezeien, wo Jirmeja da war!? – In der Schule Rabhs erklärten sie im Namen Rabhs: Ḥulda war eine Verwandte Jirmejas und er nahm es ihr nicht übel. –
6Wieso aber überging Jošija den Jirmeja und sandte zu ihr!? – In der Schule R. Šilas erklärten sie: Weil die Frauen mitleidig sind.
7R. Joḥanan erklärte: Jirmeja war nicht anwesend, denn er ging die zehn Stämme holen. – Woher, daß er sie zurückbrachte? – Es heißt: denn der Verkäufer wird nicht wieder zu dem Verkauften gelangen; wieso könnte der Prophet das Aufhören des Jobeljahres prophezeit haben, wenn es nicht bestanden hätte!? Dies lehrt also, daß Jirmeja sie zurückbrachte,
8und Jošijahu, der Sohn Amons, regierte über sie, denn es heißt: da fragte er: Was ist das für ein Denkmal, das ich da sehe? Die Leute der Stadt aber antworteten ihm: Das ist das Grab des Gottesmannes, der aus Jehuda kam, und diese Dinge, die du getan hast, über den Altar von Beth El verkündigte. Wie kommt nun Jošija beim Altar von Beth El? Dies lehrt also, daß er über jene regierte. R. Naḥman entnimmt dies hieraus: auch dir, Jehuda, hat man eine Ernte bereitet, wenn ich die Gefangenschaft meines Volkes heimführte.
9Von Ester heißt es: am dritten Tage kleidete sich Ester königlich an; es sollte ja heißen: in königliche Gewänder!? Vielmehr bekleidete sie sich mit dem heiligen Geiste, denn hier heißt es kleidete und dort heißt es: und ein heiliger Geist bekleidete A͑masaj.
10R. Naḥman sagte: Hochmut ziemt den Frauen nicht. Zwei [Prophetinnen] waren hochmütig und hatten häßliche Namen; eine hieß Biene [Debora] und die andere hieß Wiesel [Ḥulda]. Von der Biene heißt es: Sie sandte hin und ließ Baraq rufen; sie ging aber nicht selbst zu ihm hin. Von der Wiesel heißt es: saget dem Manne; sie sagte aber nicht: dem Könige.
11R. Naḥiman sagte: Ḥulda gehört zu den Nachkommen Jehošua͑s; bei dieser heißt es: Sohn des Ḥarḥas, und bei jenem heißt es: in Timmath Ḥeres.
12R. E͑na der Greis wandte gegen R. Naḥman ein: Acht Propheten, die Priester waren, gingen aus der Speisewirtin Raḥab hervor, und zwar: Nerija, Barukh, Seraja, Maḥseja, Jirmeja, Ḥilqija, Ḥanamél und Šallum. R. Jehuda sagt, auch die Prophetin Ḥulda gehöre zu den Nachkommen der Speisewirtin Raḥab, denn bei jener heißt es: Sohn des Tiqva, und bei dieser heißt es: die rote Schnur [tiqva].
13Dieser erwiderte: Greiser E͑na, manche sagen: Schwarzer Topf, durch uns beide wird ja die Sache aufgeklärt; sie bekehrte sich, und Jehošua͑ heiratete sie. – Hatte denn Jehošua͑ Kinder. Es heißt ja: dessen Sohn Nun, dessen Sohn Jehošua͑!? – Er hatte keine Söhne, Töchter aber hatte er. –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.