Megilla — Blatt 15a
1Allerdings ist dies von ihnen bekannt, wieso aber von ihren Vätern!?
2Nach einer Lehre U͑las, denn U͑la sagte: Wird der Name des Propheten und der Name seines Vaters genannt, so ist er Prophet und Sohn eines Propheten; wenn nur sein Name und nicht der seines Vaters, so ist er Prophet aber nicht Sohn eines Propheten. Wird sein Name und der Name seiner Vaterstadt genannt, so ist er aus dieser Stadt; wenn nur sein Name und nicht der Name seiner Vaterstadt, so ist er aus Jerušalem.
3In einer Barajtha wird gelehrt: Wenn seine eigenen Taten und auch die Taten seiner Vorfahren verschwiegen werden, und die Schrift einen von ihnen nennt, der rühmlich bekannt ist, beispielsweise: das Wort des Herrn, das an Çephanja, den Sohn Kušis, des Sohnes Gedaljas, erging, so ist es ein Frommer und Sohn eines Frommen; und wenn die Schrift einen von ihnen nennt, der als berüchtigt bekannt ist, beispielsweise: im siebenten Monate aber kam Jišma͑él, der Sohn Netanjas, des Sohnes Elišama͑s, so ist es ein Frevler und Sohn eines Frevlers.
4R. Naḥman sagte: Maleakhi ist Mordekhaj, und er wird deshalb Maleakhi genannt, weil er Vizekönig war. Man wandte ein: Barukh, der Sohn Nerijas, Saraja, der Sohn Maa͑sijas, Daniél, Mordekhaj, Bilšan, Ḥaggaj, Zekharja und Maleakhi prophezeiten sämtlich im zweiten Regierungsjahre Darjaveš’. Dies ist eine Widerlegung.
5Es wird gelehrt: R. Jehošua͑ b. Qorḥa sagte: Maleakhi ist E͑zra; die Weisen sagen, er hieß Maleakhi. R. Naḥman sagte: Die Ansicht dessen, welcher sagt, Maleakhi sei E͑zra, ist einleuchtend, denn in der Prophétie Maleakhis heißt es: Treubruch hat Jehuda begangen, und Greuel sind in Jisraél und zu Jerušalem verübt worden; denn Jehuda hat entweiht, was dem, Herrn heilig war, indem er Töchter eines fremden Gottes liebgewonnen und begattet hat,
6und E͑zra ist es ja, der die fremden Frauen ausgeschieden hatte, denn es heißt: da hob Šekhanja, der Sohn Jeḥiels, von den Nachkommen E͑lams, an und sprach zu E͑zra: Wir haben uns gegen unseren Gott vergangen, daß wir fremde Weiber heimgeführt haben.
7Die Rabbanan lehrten: Vier schöne Frauen hat es auf der Welt gegeben, und zwar: Sara, Abigajil, Raḥab und Ester. Derjenige aber, welcher sagt, Ester war grünlich, läßt Ester fort und zählt Vašti mit.
8Die Rabbanan lehrten: Raḥab war verführerisch schon durch ihren Namen, Jaél durch ihre Stimme, Abigajil durch ihre Nennung und Mikhal, die Tochter Šaúls, durch ihren Blick. R. Jiçḥaq sagte: Wer den Namen Raḥab ausspricht, bekommt sofort Pollution. R. Naḥman sprach zu ihm: Ich spreche den Namen Raḥab aus, ohne daß ich etwas empfinde. Jener erwiderte: Ich meine es nur, wenn man von ihr weiß und sie kennt.
9Und Mordekhaj hatte alles erfahren, was geschehen war. Was sagte er? Rabh erwiderte: Haman spielte sich größer auf als Aḥašveroš. Šemúel erwiderte: Der König droben besiegte den König hienieden.
10Und die Königin wurde von heftigem Schmerze ergriffen. Was für ein Schmerz? Rabh erwiderte: Sie bekam Monatsblutung. R. Jirmeja erwiderte: Sie bekam Notdurft.
11Da rief Ester den Hathakh. Rabh sagte, Hathakh sei Daniél, nur werde er deshalb Hathakh genannt, weil man ihn seiner Größe entrissen hatte; Šemuél sagte, weil alle Angelegenheiten der Regierung durch ihn erledigt wurden.
12Zu erkunden, was dies bedeute und warum es geschehe. R. Jiçḥaq sagte: Sie ließ ihn fragen, ob nicht Jisraél die fünf Bücher der Tora übertreten habe, von denen es heißt: auf der einen und auf der anderen Seite waren sie beschrieben.
13Und man berichtete Mordekhaj die Worte Esters. Er selbst ging aber nicht zu ihm; hieraus, daß man keine schlechte Nachricht übermittle.
14Gehe hin, versammle alle Judäer &c. bis: dem Gesetze zuwider. R. Abba sagte: Dem Gesetze zuwider: bis jetzt geschah es gezwungen, von jetzt ab aber willig. Ich bin auf jeden Fall verloren. Wie ich für mein väterliches Haus verloren bin, so bin ich auch für dich verloren.
15Und Mordekhaj ging vorüber. Rabh erklärte: Er ließ den ersten Pesaḥtag im Fasten vorübergehen. Šemuél erklärte: Er überschritt einen Fluß.
16Am dritten Tage kleidete sich Ester königlich an. Es sollte doch heißen: in königliche Gewänder!? R. Elea͑zar erwiderte im Namen R. Ḥaninas: Dies lehrt, daß sie sich mit dem heiligen Geiste kleidete, denn hier heißt es kleidete und dort heißt es: und ein Geist bekleidete A͑masaj.
17Ferner sagte R. Elea͑zar im Namen R. Ḥaninas: Nie sei der Segen eines Gemeinen gering in deinen Augen, denn zwei Große des Zeitalters, das sind David und Daniél, wurden von zwei Gemeinen gesegnet und es ging in Erfüllung. David wurde von Aravna gesegnet, wie es heißt: da sprach Aravna zum Könige &c. Daniél wurde von Darjaveš gesegnet, wie es heißt: dein Gott, den da stets anbetest, möge dich retten.
18Ferner sagte R. Elea͑zar im Namen R. Ḥaninas: Nie sei der Fluch eines Gemeinen gering in deinen Augen. Abimelekh sprach zu Sara: dies soll dir eine Augendecke sein, und es ging an ihren Kindern in Erfüllung, wie es heißt: und als Jiçḥaq alt geworden war und seine Augen stumpf waren.
19Ferner sagte R. Elea͑zar im Namen R. Ḥaninas: Komm und sieh, wie die Art des Menschen anders ist als die Art des Heiligen, gepriesen sei er. Der Mensch setzt zuerst den Topf auf und gießt das Wasser nachher hinein; der Heilige, gepriesen sei er, aber gießt zuerst das Wasser hinein, und setzt den Topf nachher auf, denn es heißt: wenn er donnert, so ist das Wasser am Himmel.
20Ferner sagte R. Elea͑zar im Namen R. Ḥaninas: Wer etwas im Namen des Urhebers sagt, bringt Erlösung über die Welt, denn es heißt: und Ester erzählte es dem Könige im Namen Mordekhajs.
21Ferner sagte R. Elea͑zar im Namen R. Ḥaninas: Der Fromme geht nur seinem Zeitalter verloren. Dies ist ebenso, als wenn jemand eine Perle verliert; die Perle ist überall Perle, verloren ist sie nur ihrem Eigentümer.
22Aber dies alles genügt mir nicht. R. Elea͑zar sagte im Namen R. Ḥaninas: Sobald Haman Mordekhaj am königlichen Tore sitzen sah, sprach er: dies alles genügt mir nicht. Dies nach R. Ḥisda, denn R. Ḥisda sagte: Der eine kam mit seiner Würde, der andere kam mit seiner Unterwürfigkeit.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.