Megilla — Blatt 16b
1in einer Sache straucheln sollte, durch die er bereits zu leiden hatte? Raba b. Maḥsija sagte nämlich im Namen des R. Ḥama b. Gorja im Namen Rabhs: Wegen eines Gewandes im Gewichte von zwei Selaím, das Ja͑qob dem Joseph mehr als seinen übrigen Brüdern gab, entwickelte es sich, daß unsere Vorfahren nach Miçrajim hinabzogen. R. Binjamin b. Jepheth erwiderte: Er gab ihm Andeutung, daß von ihm ein Mann hervorgehen werde, der von dem Könige in fünferlei königlichen Gewändern hinausgehen wird, wie es heißt:und Mordekhaj ging hinaus in königlichem Gewande purpurblau &c.
2Er fiel seinem Bruder Binjamin um den Hals. Wieviel Hälse hatte denn Binjamin? R. Elea͑zar erwiderte: Er weinte über die zwei Tempel, die im Gebiete Binjamins liegen werden und später zerstört werden sollen. Und Binjamin weinte an seinem Halse. Er weinte über die Stiftshütte zu Šilo, die im Gebiete Josephs liegen wird und zerstört werden soll.
3ihr seht es ja mit euren Augen, und mein Bruder Binjamin sieht es ja mit seinen Augen. R. Elea͑zar erklärte: Er sprach zu ihnen: Wie ich in meinem Herzen nichts gegen meinen Bruder Binjamin habe, der ja bei meinem Verkaufe nicht zugegen war, ebenso habe ich in meinem Herzen nichts gegen euch. Das mein Mund zu euch redet; wie mein Mund, so mein Herz:
4Seinem Vater aber sandte er gleichfalls zehn Esel, beladen mit dem Besten Miçrajims. Was war dieses Beste? R. Binjamin b. Jepheth erwiderte im Namen R. Elea͑zars: Er sandte ihm alten Wein, woran Greise Gefallen haben.
5Hierauf gingen seine Brüder selbst hin und warfen sich vor ihm nieder. R. Binjamin b. Jepheth sagte im Namen R. Elea͑zars: Das ist es, was die Leute sagen: Bücke dich vor dem Fuchse, wenn es seine Zeit ist. –
6‘Fuchs’, womit war er denn geringer als seine Brüder!? – Vielmehr, ist dies gelehrt worden, so wird es wie folgt lauten: Und Jisraél verneigte sich gegen das Kopfende des Bettes. R. Binjamin b. Jepheth sagte im Namen R. Elea͑zars: Bücke dich vor dem Fuchse, wenn es seine Zeit ist.
7Er tröstete sie und sprach ihnen Mut zu. R. Binjamin b. Jepheth sagte im Namen R. Elea͑zars: Dies lehrt, daß er ihnen für das Herz empfängliche Worte sagte: Wenn zehn Kerzen eine Kerze nicht auslöschen konnten, wie sollte eine Kerze zehn Kerzen auslöschen!?
8Den Judäern war Licht und Freude und Wonne und Ehre zuteil geworden. R. Jehuda erklärte: Licht, das ist die Tora, denn es heißt: denn eine Leuchte ist das Gebot und die Lehre [Tora] ein Licht. Freude, das ist das Fest, denn es heißt: Freue dich an deinem Feste. Wonne, das ist die Beschneidung, denn es heißt: ich bin voll Wonne über deine Worte.
9Ehre, das sind die Tephillin, denn es heißt: damit alle Völker der Erde sehen, daß du nach dem Namen des Herrn genannt bist, und sie werden vor dir fürchten, und hierzu wird gelehrt: R. Elie͑zer der Große sagte, das sind die Tephillin des Hauptes.
10Und Paršandatha &c.die zehn Söhne Hamans. R. Ada aus Japho sagte: Die Namen der zehn Söhne Hamans und auch das Wort ‘zehn’ muß manin einem Atemzuge lesen. – Aus welchem Grunde? – Alle hauchten sie ihre Seele zusammen aus. R. Joḥanan sagte: Das Vav im Namen Vajezatha muß man galgenartig ausdehnen, wie ein Steuerruder auf dem [Strome] Labruth. – Aus welchem Grunde? – Sie wurden alle an einem Galgen gehängt.
11R. Ḥanina b. Papa sagte: R. Šila aus Kephar Temarta trug vor: Alle Lieder sind [wie] Halbziegel über Ziegel zu schreiben,
12ausgenommen ist dieses Lied und das von den kenaa͑nitischen Königen, die [wie] Halbziegel über Halbziegel und Ziegel über Ziegel zu schreiben sind. Aus welchem Grunde? – Damit sie nach ihrem Falle nicht mehr aufstehen.
13Da sprach der König zur Königin Ester: In der Burg Šušan haben die Judäer getötet. R. Abahu sagte: Dies lehrt, daß ein Engel kam und ihm auf den Mund schlug.
14Als sie vor den König trat, befahl er schriftlich. Es sollte ja heißen: sprach sie!? R. Joḥanan erwiderte: Sie sprach zu ihm, daß er seine schriftliche Anordnung mündlich wiederhole.
15Worte der Freundschaft und Wahrheit. R. Tanḥum, manche sagen, R. Asi, sagte: Dies lehrt, daß [die Esterrolle] ebenso des Liniierens bedarf, wie die Wahrheitsworte der Tora.
16Und der Befehl Esters bestätigte es. Also nur der Befehl Esters und nicht die Wirkung der Fasten!? R. Joḥanan erwiderte: Die Wirkung der Fasten und der Befehl Esters bestätigten diese Purimtage.
17Denn der Judäer Mordekhaj hatte den zweiten Rang unmittelbar nach dem des Königs Aḥašveroš und stand in hohem Ansehen bei den Judäern und war beliebt beim größten Teile seiner Brüder. Nur beim größten Teile seiner Brüder, nicht aber bei all seinen Brüdern; dies lehrt, daß ein Teil des Synedriums sich von ihm zurückzog.
18R. Joseph sagte: Das Studium der Tora ist bedeutender als die Lebensrettung: vorher wurde Mordekhaj als fünfter, nachher aber als sechster aufgezählt. Zuerst heißt es: die mit Zerubabel kamen: Ješua͑, Neḥemja, Seraja, Rea͑lja, Mordekhaj, Bilšan. Später aber heißt es: die mit Zerubabel kamen: Ješua͑, Neḥemja, A͑zar ja, Rea͑lja, Naḥmani, Mordekhaj, Bilšan.
19Rabh, nach anderen R. Šemuél b. Martha sagte: Das Studium der Tora ist bedeutender als der Bau des Tempels; solange Barukh, der Sohn Nerijas, lebte, verließ ihn E͑zra nicht, und erst später zog er hinauf.
20Rabba sagte im Namen R. Jiçḥaqs, Sohnes des [R.] Šemuél b. Martha: Das Studium der Tora ist bedeutender als die Ehrung von Vater und Mutter, denn unser Vater Ja͑qob wurde wegen all der Jahre, die er im Hause E͑bers verbracht hatte, nicht bestraft. Der Meister sagte nämlich:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.