Megilla — Blatt 17a
1Wozu wird die Anzahl der Jahre Jišma͑éls angegeben? Um aus dieser die Ereignisse im Leben Ja͑qobs zu entnehmen. Es heißt: und dies war die Lebensdauer Jišma͑éls: hundertsiebenunddreißig Jahre. Um vierzehn Jahre war Jišma͑él älter als Jiçḥaq, denn es heißt: Abraham war sechsundachtzig Jahre alt, als Hagar dem Abram den Jišma͑él gebar, und es heißt: Abraham war hundert Jahre alt, als ihm sein Sohn Jiçḥaq geboren wurde. Ferner heißt es: Jiçḥaq war sechzig Jahre alt, als sie geboren wurden, somit war Jišma͑él bei der Geburt Ja͑qobs vierundsiebzig Jahre alt, wonach dreiundsechzig Jahre zurückbleiben.
2Ferner wird gelehrt: unser Vater Ja͑qob war dreiundsechzig Jahre alt, als er von seinem Vater gesegnet wurde. Um diese Zeit starb Jišma͑él, denn es heißt: und E͑sav sah, daß gesegnet &c. da ging E͑sav zu Jišma͑él und heiratete Maḥlath, die Tochter Jišma͑éls, Schwester des Nebajoth, und da ich schon aus der Angabe ‘Tochter Jišma͑éls’ weiß, daß sie die Schwester des Nebajoth ist, so lehrt dies, daß Jišma͑él sie verlobt hatte, worauf er starb und ihr Bruder Nebajoth sie verheiratete.
3Dreiundsechzig und vierzehn, bis Joseph geboren wurde, sind siebenundsiebzig. Ferner heißt es: Joseph war dreißig Jahre alt, als er vor dem Pareo͑ stand, das sind hundertundsieben; und wenn man dazu die sieben Jahre der Sätte und zwei der Hungersjahre rechnet, so sind es hundertundsechzehn,
4dagegen aber heißt es: da fragte der Pareo͑ Ja͑qob: Wie viele Lebensjahre zählst du? Ja͑qob antwortete dem Pareo͑: Die Dauer meiner Wanderschaft beträgt hundertunddreißig Jahre. Es waren ja nur hundertundsechzehn!?
5Vielmehr ist hieraus zu schließen, daß die vierzehn Jahre, die er im Hause E͑bers verbracht hatte, nicht mitgerechnet werden. Es wird auch gelehrt: Vierzehn Jahre hielt sich Ja͑qob im Hause E͑bers verborgen, zwei Jahre nach der Ankunft Ja͑qobs in Aram Naharajim starb E͑ber. Von da ging er nach Aram Naharajim, und als er zum Brunnen kam, war er siebenundsiebzig Jahre alt. –
6Woher, daß er [wegen jener Jahre] nicht bestraft wurde? – Es wird gelehrt: Es ergibt sich also, daß Joseph zweiundzwanzig Jahre von seinem Vater getrennt war, wie unser Vater Ja͑qob sich von seinem Vater getrennt hatte. Bei Ja͑qob waren es ja sechsunddreißig Jahre!? Vielmehr wurden ihm die vierzehn im Hause E͑bers verbrachten Jahre nicht mitgerechnet. –
7Bei Laban war er ja nur zwanzig Jahre!? – Zwei Jahre verbrachte er auf der Reise. Es wird nämlich gelehrt: Ja͑qob verließ Aram Naharajim und kam nach Sukkoth, wo er achtzehn Monate verbrachte, denn es heißt: Ja͑qob zog weiter nach Sukkoth und er baute sich ein Haus, für sein Vieh aber errichtete er Laubhütten. In Bethel säumte er sechs Monate und brachte da Opfer dar.
8WER DIE ESTERROLLE RÜCKWÄRTS LIEST, HAT SEINER PFLICHT NIGHT GENÜGT. HAT MAN SIE AUSWENDIG, TARGUMISCH ODER IN IRGEND EINER ANDEREN SPRACHE GELESEN, SO HAT MAN SEINER PFLICHT NIGHT GENÜGT. DEN FREMDSPRACHIGEN LESE MAN SIE JEDOCH IN FREMDER SPRACHE VOR; HAT EIN FREMDSPRACHIGER SIE ASSYRISCH GEHÖRT, SO HAT ER SEINER PFLICHT GENÜGT.
9HAT MAN SIE UNTERBRECHEND ODER HALBSCHLUMMERND GELESEN, SO HAT MAN SEINER PFLICHT GENÜGT. WENN MAN SIE GESCHRIEBEN, AUSGELEGT ODER KORRIGIERT HAT, SO HAT MAN, FALLS MAN ES BEABSICHTIGT HAT, SEINER PFLICHT GENÜGT, SONST ABER NICHT.
10IST SIE MIT FARBE, RÖTEL, GUMMI ODER SCHWÄRZE GESCHRIEBEN, ODER AUF PAPIER ODER DIPHTHERA, SO HAT MAN SEINER PFLICHT NICHT GENÜGT. SIE MUSS IN ASSYRISCHER SCHRIFT AUF PERGAMENT UND MIT TINTE GESCHRIEBEN SEIN.
11GEMARA. Woher dies? Raba erwiderte: Die Schrift sagt: gemäß ihrer Schrift und ihrer Zeit; wie die festgesetzte Zeit nicht rückwärts [verschoben werden darf], ebenso darf das Lesen nicht rückwärts erfolgen. –
12Ist denn hier die Rede vom Lesen, hier ist ja die Rede von der Begehung, wie es heißt: diese beiden Tage zu begehen!? Vielmehr, aus folgendem Schriftverse: und diese Tage werden in Erinnerung gebracht und begangen; die Erinnerung gleicht der Begehung: wie die Begehung nicht rückwärts [verschoben werden darf], ebenso darf die Erinnerung nicht rückwärts erfolgen.
13Es wird gelehrt: Dasselbe gilt auch vom Lobliede, vom Šema͑ und vom Gebete. –
14Woher dies vom Lobliede? Rabba erwiderte: Die Schrift sagt: vom Aufgange der Sonne bis zu ihrem Niedergange. R. Joseph erwiderte: [Es heißt:] dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat.
15R. Ivja erwiderte: [Es heißt:] der Name des Herrn sei gepriesen. R. Naḥman b. Jiçḥaq, nach anderen R. Aḥa b. Ja͑qob, erwiderte: Hieraus: von nun an bis in Ewigkeit. –
16Woher dies vom Šema͑? – Es wird gelehrt: [Man lese] das Šema͑ in der Ursprache – so Rabbi; die Weisen sagen, in jeder Sprache. – Was ist der Grund Rabbis? – Die Schrift sagt:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.