Megilla — Blatt 20a
1Tatsächlich R. Jehuda, auch von vornherein, dennoch besteht hier kein Widerspruch, denn eines ist seine Ansicht und eines ist die Ansicht seines Lehrers.
2Es wird nämlich gelehrt: R. Jehuda sagte im Namen des R. Elea͑zar b. A͑zarja: Wer das Šema͑ liest, muß es sein Ohr hören lassen, denn es heißt: höre Jisraél, der Herr ist unser Gott, der Herr ist einzig; laß dein Ohr hören, was dein Mund spricht. R. Meír sagte: Was ich dir heute befehle, sei in deinem Herzen; alles hängt von der Intensität des Herzens ab. –
3Jetzt nun, wo du darauf gekommen bist, kannst du auch sagen, R. Jehuda sei der Ansicht seines Meisters, nur vertritt die Lehre [R.] Jehudas, Sohnes des R. Šimo͑n b. Pazi, die Ansicht R. Meírs.
4NACH R. JEHUDA IST EIN MINDERJÄHRIGER ZULÄSSIG. Es wird gelehrt: R. Jehuda erzählte: Als ich noch minderjährig war, las ich sie vor R. Tryphon und den Ältesten in Lud.
5Jene entgegneten: Von einem Minderjährigen ist kein Beweis zu erbringen. Es wird gelehrt: Rabbi erzählte: Als ich noch minderjährig war, las ich sie vor R. Jehuda. Jene entgegneten: Vom Erlaubenden ist kein Beweis zu erbringen. –
6Sollten sie ihm entgegnet haben, man bringe keinen Beweis von einem Minderjährigen!? – Sie entgegneten ihm erstens und zweitens: erstens warst du minderjährig, zweitens ist vom Erlaubenden kein Beweis zu erbringen.
7MAN LESE NICHT DIE ESTERROLLE, BESCHNEIDE NICHT, NEHME KEIN REINIGUNGSBAD, BESPRENGE NICHT, EBENSOWENIG NEHME DIE FLUSSVERDÄCHTIGEEIN REINIGUNGSBAD, BEVOR DIE SONNE AUFGEHT. WENN DIES ALLES, NACHDEM DIE MORGENRÖTE AUFGEGANGEN, ERFOLGT IST, SO IST ES GILTIG.
8GEMARA. Woher dies? – Die Schrift sagt:und daß diese Tage im Gedächtnisse behalten und begangen werden; nur am Tage und nicht nachts. – Dies wäre somit eine Widerlegung des R. Jehošua͑ b. Levi, denn R. Jehošua͑ b. Levi sagte, man müsse die Esterrolle nachts lesen und am Tage wiederholen! – Er lehrt es von der [Wiederholung] am Tage.
9BESCHNEIDE NICHT &C. Denn es heißt: und am achten Tage ist zu beschneiden.
10NEHME KEIN REINIGUNGSBAD, BESPRENGE NICHT &C. Denn es heißt: und der Reine soll den Unreinen besprengen, am siebenten Tage; das Reinigungsbad gleicht dem Besprengen.
11EBENSOWENIG NEHME DIE FLUSSVERDÄCHTIGE EIN REINIGUNGSBAD, BEVOR DIE SONNE AUFGEHT &C. Selbstverständlich, womit ist denn die Flußverdächtige anders als alle anderen, die ein Reinigungsbad zu nehmen haben!? –
12Dies [zu lehren] ist nötig; man könnte glauben, bei dieser gleiche es der ersten Beobachtung des Flußbehafteten, der dem Samenergußbehafteten gleicht, wie es heißt: das sind die Bestimmungen inbetreff des Flußbehafteten und dessen, dem der Same entgeht, wie dieser das Reinigungsbad am selben Tage nehmen muß,
13ebenso auch jener, und da diese das Reinigungsbad am selben Tage nicht nehmen kann, da es ja heißt:so lange sie am Flusse leidet, hat ihr zu gelten, wie das Lager zur Zeit ihres Menstruums, so warte sie die Nacht ab und tauche unter, so lehrt er uns, daß dies am Tage geschehen muß,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.