Megilla — Blatt 20b
1da nur die Tage gezählt werden.
2WENN DIES ALLES, NACHDEM DIE MORGENRÖTE AUFGEGANGEN, ERFOLGT IST, SO IST ES GILTIG. Woher dies? Raba erwiderte: Die Schrift sagt: und Gott nannte das Licht Tag, schon das Hellwerden nannte er Tag. –
3Es heißt ja aber auch: und die Finsternis nannte er Nacht, [sollte auch dies heißen, er nannte das Finsterwerden Nacht,] wo wir doch wissen, daß die Nacht erst mit dem Hervortreten der Sterne beginnt!?
4Vielmehr, erklärte R. Zera, hieraus: So arbeiteten wir an dem Bau, während die Hälfte von ihnen die Lanzen hielt, vom Aufgehen der Morgenröte bis zum Hervortreten der Sterne. Ferner heißt es: die Nacht war uns zur Wache.
5Wozu das ‘ferner’? – Man könnte glauben, der Tag beginne tatsächlich nicht mit dem Aufgehen der Morgenröte, auch beginne die Nacht schon mit dem Untergange der Sonne, nur hatten jene früh und spät gearbeitet, so komm und höre: die Nacht diente uns zur Wache und der Tag zur Arbeit.
6DER GANZE TAG IST ZULÄSSIG FÜR DAS LESEN DER ESTERROLLE, DAS LESEN DES LOBLIEDES, DAS POSAUNENBLASEN, DAS NEHMEN DES FESTSTRAUSSES, DAS ZUSATZGEBET, DAS ZUSATZOPFER,
7DAS BEKENNTNIS [BEI DER DARBRINGUNG] DER FARREN, DAS BEKENNTNIS [BEI DER FORTSCHAFFUNG] DES ZEHNTEN, DAS BEKENNTNIS AM VERSÖHNUNGSTAGE,
8DAS STÜTZEN, DAS SCHLACHTEN, DAS SCHWINGEN, DAS DARREICHEN, DAS ABHEBEN DES HAUFENS, DAS AUFRÄUCHERN, DAS ABKNEIFEN, DAS AUFNEHMEN [DES OPFERBLUTES],
9DAS TRINKENLASSEN DER EHEBRUCHSVERDÄCHTIGTEN, DAS GENICKBRECHEN DES KALBES UND DIE REINIGUNG DES AUSSÄTZIGEN.
10DIE GANZE NACHT IST ZULÄSSIG FÜR DAS MÄHEN DER SCHWINGEGARBE UND DIE AUFRÄUCHERUNG DES FETTES UND DER OPFERGLIEDER. DIE REGEL IST: FÜR DAS GEBOT, DAS AM TAGE ZU ERFOLGEN HAT, IST DER GANZE TAG ZULÄSSIG, UND FÜR DAS GEBOT, DAS NACHTS ZU ERFOLGEN HAT, IST DIE GANZE NACHT ZULÄSSIG.
11GEMARA. Woher dies? - Die Schrift sagt: daß diese Tage im Gedächtnisse behalten und begangen werden. DAS LESEN DES LOBLIEDES. Denn es heißt: von Sonnenaufgang bis zu ihrem Untergange. R. Jose erklärte:Dies ist der Tag, den der Herr gemacht hat.
12DAS NEHMEN DER FESTPALME. Denn es heißt: ihr sollt am ersten Tage nehmen. DAS POSAUNENBLASEN. Denn es heißt: ein Tag des Lärmblasens sei er für euch. DAS ZUSATZOPFER. Denn es heißt: Tag für Tag.DAS ZUSATZGEBET. Denn die Rabbanan haben es dem Zusatzopfer gleichgestellt.
13DAS BEKENNTNIS [BEI DER DARBRINGUNG] DER FARREN. Es ist durch [das Wort] Sühne zu folgern, das auch beim Versöhnungstage gebraucht wird. Vom Versöhnungstage wird gelehrt: Und Sühne schaffen sich und seinem Hause, der Schriftvers spricht von der Sühne durch Worte. Die Sühne erfolgt nur am Tage, denn es heißt: an diesem Tage wird er euch Sühne schaffen.
14DAS BEKENNTNIS BEI DER FORTSCHAFFUNG DES ZEHNTEN &C. Denn es heißt: und du sollst vor dem Herrn, deinem Gotte, also sprechen: Ich habe das Heilige aus dem Hause geschafft, und darauf folgt: am heutigen Tage befiehlt dir der Herr.
15DAS STÜTZEN, DAS SCHLACHTEN. Denn es heißt: er soll stützen &c. und schlachten, und vom Schlachten heißt es: am Tage, an dem ihr opfert.
16DAS SCHWINGEN. Denn es heißt: am Tage, an dem ihr die Garbe schwinget. DAS DARREICHEN. Dies gleicht dem Schwingen, denn es heißt: sodann nehme der Priester dem Weibe das Eifersuchts-Speisopfer aus der Hand, schwinge es und bringe es dar. DAS ABKNEIFEN, DAS ABHEBEN DES HAUFENS, DAS AUFRÄUCHERN, DAS SPRENGEN. Denn es heißt: Am Tage, an dem er den Kindern Jisraél befahl.
17DAS TRINKENLASSEN DER EHEBRUCHSVERDÄCHTIGTEN. Dies ist durch [das Wort] Weisung zu folgern; hierbei heißt es: der Priester verfahre mit ihr ganz nach dieser Weisung, und dort heißt es: gemäß der Weisung, die sie dir erteilen und dem Urteile;
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.