Megilla — Blatt 21a

1wie die Urteilsfällung nur am Tage, ebenso auch dies nur am Tage.

2DAS GENICKBRECHEN DES KALBES. In der Schule R. Jannajs erklärten sie: Hierbei heißt es Sühne, wie bei den heiligen Opfern. UND DIE REINIGUNG DES AUSSÄTZIGEN. Denn es heißt: dies ist die Weisung in Betreff des Aussätzigen am Tage seiner Reinigung.

3DIE GANZE NACHT IST ZULÄSSIG FÜR DAS MÄHEN DER SCHWINGEGARBE. Denn der Meister sagte, das Mähen und das Zählen erfolgen nachts und die Darbringung am Tage. DIE AUFRÄUCHERUNG DES FETTES UND DER OPFERGLIEDER. Denn es heißt: die ganze Nacht bis zum Morgen.

4DIE REGEL IST: FÜR DAS GEBOT, DAS AM TAGE ZU ERFOLGEN HAT, IST DER GANZE TAG ZULÄSSIG. Was schließt die Regel ein? – Sie schließt die Aufstellung und die Fortnahme der Schalen ein,

5und zwar nach R. Jose, denn es wird gelehrt: R. Jose sagte: Hat man morgens die alten [Schaubrote] fortgenommen und erst abends die frischen aufgestellt, so ist nichts dabei,

6wie aber halte ich aufrecht den Schriftvers: beständig vor dem Herrn? Daß [über Nacht] der Tisch nicht ohne Schaubrote bleibe.

7UND FÜR DAS GEBOT, DAS NACHTS ZU ERFOLGEN HAT, IST DIE GANZE NACHT ZULÄSSIG. Was schließt dies ein? –

8Dies schließt das Essen des Pesaḥopfers ein, gegen die Ansicht des R. Elea͑zar b. A͑zarja. Es wird nämlich gelehrt: Sie sollen in dieser Nacht das Fleisch essen; R. Elea͑zar b. A͑zarja sagte: Hierbei heißt es: in dieser Nacht, und dort heißt es: ich werde in dieser Nacht durch Miçrajim ziehen, wie dort vor Mitternacht, ebenso auch hierbei vor Mitternacht.

9WER DIE ESTERROLLE LIEST, DARF DABEI STEHEN ODER SITZEN: OB EINER ODER ZWEI SIE VORGELESEN HABEN, HAT MAN SEINER PFLICHT GENÜGT. IN ORTEN, WO ES BRAUCH IST, DEN SEGEN ZU SPRECHEN, SPRECHE MAN IHN, IHN NICHT ZU SPRECHEN, SPRECHE MAN IHN NICHT.

10AM MONTAG, AM DONNERSTAG UND BEIM VESPERGEBETE DES ŠABBATHS LESEN [DREI PERSONEN AUS DER TORA], WEDER WENIGER NOCH MEHR, AUCH LIEST MAN DANN NICHT AUS DEN PROPHETEN. DER MIT [DEM LESEN] AUS DER TORA BEGINNT, UND DER ES BEENDET, SPRICHT EINEN SEGEN VORHER UND EINEN NACHHER.

11AN NEUMONDEN UND AN DEN HALBFESTEN LESEN VIER, WEDER WENIGER NOCH MEHR; AUCH LESE MAN DANN NICHT AUS DEN PROPHETEN. DER MIT [DEM LESEN] AUS DER TORA BEGINNT, UND DER ES BEENDET, SPRICHT EINEN SEGEN VORHER UND EINEN NACHHER.

12DIE REGEL IST: [AN EINEM TAGE], AN DEM ES EIN ZUSATZGEBET GIBT, DER ABER KEIN FESTTAG IST, LESEN VIER. AN EINEM FESTTAGE [LESEN] FÜNF, AM VERSÖHNUNGSTAGE SECHS UND AM ŠABBATH SIEBEN; NICHT WENIGER, WOHL ABER MEHR, AUCH LIEST MAN DANN AUS DEN PROPHETEN. DER MIT [DEM LESEN] AUS DER TORA BEGINNT, UND DER ES BEENDET, SPRICHT EINEN SEGEN VORHER UND EINEN NACHHER.

13GEMARA. Es wird gelehrt: Was aber bei der Tora nicht der Fall ist. – Woher dies? R. Abahu erwiderte: Die Schrift sagt: du aber steh da mit mir. R. Abahu sagte: Wäre dies nicht ein geschriebener Schriftvers, so dürfte man es nicht sagen: auch der Heilige, gepriesen sei er, – als wäre es möglich, – im Stehen.

14Ferner sagte R. Abahu: Woher, daß ein Lehrer nicht auf einem Polster sitzen und seinen auf dem Boden sitzenden Schüler unterrichten darf? Es heißt: du aber steh da mit mir.

15Die Rabbanan lehrten: Seit Moše bis H. Gamliél studierte man die Tora nur stehend; nach dem Tode R. Gamliél kam eine Schwäche über die Welt, und man begann die Tora sitzend zu studieren. Das ist es, was wir gelernt haben: Mit dem Tode R. Gamliéls hörte die Ehrung der Tora auf. –

16Ein Schriftvers lautet: ich saß auf dem Berge, und ein anderer lautet: ich stand auf dem Berge!? Rabh erklärte: Beim Lernen stand er, beim Wiederholen saß er. R. Ḥanina erklärte: Weder saß er noch stand er, vielmehr hockte er. R. Joḥanan erklärte: ‘Sitzen’ heißt überhaupt nur verweilen, wie es heißt: ihr mußtet in Qadeš lange Zeit sitzen. Raba erklärte: Leichtes stehend, Schweres sitzend.

17OB EINER ODER ZWEI SIE VORGELESEN HABEN, HAT MAN SEINER PFLICHT GENÜGT &C.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.