Megilla — Blatt 22a

1Dieser erwiderte: Diesbezüglich habe ich nichts gehört, wohl aber bezüglich eines ähnlichen Falles. Wir haben nämlich gelernt: Am Sonntag [lasen sieden Absatz]Am Anfang und Es werde eine Veste.

2Hierzu wurde gelehrt, der Absatz Am Anfang werde von zweien und Es werde eine Veste von einem gelesen.

3Dagegen wandten wir ein: Allerdings Es werde eine Veste von einem, da er nur drei Verse hat, wieso aber Am Anfang von zweien, er hat ja nur fünf Verse, während gelehrt wird, wer aus der Tora vorliest, lese mindestens drei Verse vor!?

4Und hierzu wurde gelehrt: Rabh sagte, [der dritte Vers] wurde wiederholt, und Šemuél sagte, er wurde geteilt. –

5Weshalb wurde er nach Rabh wiederholt und nicht geteilt? – Er ist der Ansicht, einen Vers, den Moše nicht teilte, dürfen auch wir nicht teilen. –

6Wieso sagt Šemuél, man teile ihn, R. Ḥanina der Bibelleser erzählte ja, er habe sich viel mit R. Ḥanina dem Großen abgequält, dennoch erlaubte er ihm einen Schriftvers nur für Schulkinder zu teilen, weil es zum Unterrichte erfolgt!? –

7[Beim Unterrichte] ist es deshalb erlaubt, weil es nicht anders möglich ist, und auch hierbei ist es nicht anders möglich. –

8Weshalb wurde er nach Šemuél geteilt und nicht wiederholt? – Wegen der Kommenden und Fortgehenden.

9Man wandte ein: Ein Absatz von sechs Versen ist von zweien und einer von fünf Versen von einem zu lesen; hat einer drei Verse gelesen, so lese der folgende die zwei Verse dieses Absatzes und einen aus dem folgenden; manche sagen, drei, weil man einen Absatz nicht mit weniger als drei Versen beginnen darf.

10Man sollte doch [den dritten Vers] entweder nach der einen Ansicht wiederholen oder nach der anderen Ansicht teilen!? –

11Anders ist es da, wo man [aus dem folgenden Absatz lesen] kann.

12R. Tanḥum sagte im Namen des R. Jehošua͑ b. Levi: Die Halakha ist wie die manchen. Ferner sagte R. Tanḥum im Namen des R. Jehošua͑ b. Levi: Wie man einen Absatz nicht mit weniger als drei Versen beginnen darf, ebenso darf man von einem Absatze nicht weniger als drei Verse zurücklassen. –

13Selbstverständlich, wenn beim Anfangen, bezüglich dessen der erste Tanna erleichternd ist, die manchen erschwerend sind, um wieviel mehr sind die manchen erschwerend beim Beenden, bezüglich dessen auch der erste Tanna erschwerend ist!? –

14Man könnte glauben, wohl komme es oft vor, daß manche [spät] kommen, nicht aber, daß manche die Tora geöffnet lassen und fortgehen, so lehrt er uns. –

15Nach dem ersten Tanna darf man wohl nicht [weniger als drei Verse] zurücklassen wegen der Fortgehenden, ebenso sollten auch beim Beginnen [drei Verse erforderlich sein], wegen der Kommenden!? – Ich will dir sagen: wer kommt, fragt.

16Rabba, der Sohn Rabas, ließ R. Joseph fragen: Wie ist die Halakha? Dieser ließ ihm erwidern: Die Halakha ist, man wiederhole ihn, und zwar wiederhole ihn der mittelste.

17DIE REGEL IST: AN EINEM TAGE, AN DEM ES EIN ZUSATZGEBET GIBT &C. Sie fragten: Wieviel an einem Gemeindefasttage? Lesen nur an Neumonden und Halbfesttagen vier, weil es an diesen ein Zusatzgebet gibt, nicht aber an jenem, an dem es kein Zusatzgebet gibt, oder auch an jenem, an dem ein Gebet hinzugefügt wird? –

18Komm und höre: An Neumonden und Halbfesten lesen vier. Demnach lesen an einem Gemeindefasttage nur drei. – Wie nun der Anfangssatz: am Montag, am Donnerstag und beim Vespergebete des Šabbaths lesen drei. Demnach lesen an einem Gemeindefasttage vier!? – Hieraus ist vielmehr nichts zu entnehmen. –

19Komm und höre: Rabh befand sich einst an einem Gemeindefasttage in Babylonien und sprach beim Vorlesen aus der Tora nur den Segen vorher und nicht nachher. Die ganze Gemeinde fiel aufs Gesicht. Rabh aber fiel nicht aufs Gesicht.

20Merke, Rabh las ja den Abschnitt für Jisraéliten, und wenn er nachher keinen Segen sprach, so geschah dies wohl deshalb, weil nach ihm noch jemand lesen sollte!? –

21Nein, Rabh las den Abschnitt für Priester, denn auch R. Hona tat dies. –

22Allerdings las R. Hona den Abschnitt für Priester, da sogar R. Ami und R. Asi, die die angesehensten Priester im Jisraéllande waren, sich vor ihm beugten, wieso aber tat dies Rabh, wo Šemuél da war, der Priester war und höher war!? –

23Auch Šemuél beugte sich vor Rabh, nur erwies ihm Rabh Hochschätzung, jedoch nur in seiner Anwesenheit und nicht in seiner Abwesenheit. –

24Es ist auch einleuchtend, daß Rabh den Abschnitt für Priester las, denn wenn du sagen wolltest, er habe den Abschnitt für Jisraéliten gelesen, so sprach er ja den Segen vorher nur wegen der Verordnung, somit sollte er ihn auch nachher gesprochen haben!? –

25Anders war es da, wo Rabh anwesend war; wohl kamen manche [später],

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.