Megilla — Blatt 24a
1DEN PROPHETEN AUCH DREI; WENN DIE DREI ABER DREI EINZELNE ABSÄTZE BILDEN, SO LESE MAN SIE EINZELN.
2MAN DARF [BEIM VORLESEN] AUS DEN PROPHETEN ÜBERSPRINGEN, NICHT ABER DARF MAN [BEIM VORLESEN] AUS DER TORA ÜBERSPRINGEN. WIEVIEL DARF MAN ÜBERSPRINGEN? DASS DER DOLMETSCH NICHT INNEZUHALTEN BRAUCHE.
3GEMARA. Wem entsprechen diese drei Verse? R. Asi erwiderte: Entsprechend Tora, Propheten und Hagiographen.
4MAN LESE DEM DOLMETSCH NICHT MEHR ALS EINEN VERS VOR, AUS DEN PROPHETEN AUCH DREI; WENN DIE DREI ABER DREI EINZELNE ABSÄTZE BILDEN, SO LESE MAN SIE EINZELN. Zum Beispiel: Denn so spricht der Herr: Umsonst wurdet ihr νerkauft. Denn so spricht Gott, der Herr: Nach Miçrajim zog mein Volk einst hinab. Und nun, was habe ich hier zu schaffen, Spruch des Herrn.
5[BEIM VORLESEN] AUS DEN PROPHETEN DARF MAN ÜBERSPRINGEN, NICHT ABER DARF MAN [BEIM VORLESEN] AUS DER TORA ÜBERSPRINGEN. Ich will auf einen Widerspruch hinweisen: Er liest [den Abschnitt]Nach dem Tode und [den Abschnitt]Am zehnten. Hierbei überspringt er ja!?
6Abajje erwiderte: Das ist kein Einwand; das eine, wenn der Dolmetsch innehalten muß, und das andere, wenn der Dolmetsch nicht innezuhalten braucht. –
7Er lehrt ja aber weiter, man dürfe [beim Vorlesen] aus den Propheten überspringen, nicht aber dürfe man [beim Vorlesen] aus der Tora überspringen, und man dürfe soviel überspringen, daß der Dolmetsch nicht innezuhalten brauche; demnach ist es ja [beim Vorlesen] aus der Tora in jedem Falle verboten!?
8Vielmehr, erwiderte Abajje, das eine gilt von einem Thema und das andere gilt von zwei Themen. Es wird auch gelehrt: Man darf [beim Vorlesen] aus der Tora bei einem Thema überspringen, [beim Vorlesen] aus den Propheten auch bei zwei Themen; in beiden Fällen jedoch nur so lange, daß der Dolmetsch nicht innezuhalten brauche.
9Ein Anderes lehrt: Man darf nicht von einem Propheten zum anderen überspringen; bei den zwölf [kleinen] Propheten darf man überspringen, jedoch darf man nicht vom Ende des Buches zum Beginne springen.
10WER DIE HAPHṬARA AUS DEN PROPHETEN VORLIEST, ZELEBRIERT AUCH DAS ŠEMA͑, TRITT AUCH VOR DIE LADE UND ERHEBT AUCH DIE HÄNDE [ZUM PRIESTERSEGEN]; IST ES EIN MINDERJÄHRIGER, SO TUE DIES SEIN VATER ODER SEIN LEHRER FÜR IHN.
11EIN MINDERJÄHRIGER DARF AUS DER TORA VORLESEN UND VERDOLMETSCHEN, JEDOCH NICHT DAS ŠEMA͑ ZELEBRIEREN, NOCH VOR DIE LADE TRETEN, NOCH DIE HÄNDE [ZUM PRIESTERSEGEN] ERHEBEN.
12EIN ZERLUMPTER DARF DAS ŠEMA͑ ZELEBRIEREN UND VERDOLMETSCHEN, JEDOCH NICHT AUS DER TORA VORLESEN, NOCH VOR DIE LADE TRETEN, NOCH DIE HÄNDE [ZUM PRIESTERSEGEN] ERHEBEN.
13EIN BLINDER DARF DAS ŠEMA͑ ZELEBRIEREN UND VERDOLMETSCHEN; R. JEHUDA SAGT, WER NIE IM LEBEN DIE LICHTKÖRPER GESEHEN HAT, DÜRFE DAS ŠEMA͑ NICHT ZELEBRIEREN.
14GEMARA. Aus welchem Grunde? R. Papa erklärte: Als Ehrung. Rabba b. Šimi erklärte: Um Streitigkeiten vorzubeugen. – Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? –
15Einen Unterschied gibt es zwischen ihnen, wenn man dies unentgeltlich tut. –
16Es wird gelehrt: Ist es ein Minderjähriger, so tue dies sein Vater oder sein Lehrer für ihn. Sind denn, wenn du wegen Streitigkeiten sagst, bei einem Minderjährigen Streitigkeiten zu berücksichtigen!? –
17Ist denn, wenn du als Ehrung sagst, bei einem Minderjährigen die Ehrung zu berücksichtigen!?
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.