Megilla — Blatt 24b

1Vielmehr als Ehrung für den Vater und als Ehrung für den Lehrer, ebenso Streitigkeiten mit dem Vater und Streitigkeiten mit dem Lehrer.

2EIN ZERLUMPTER DARF DAS ŠEMA͑ ZELEBRIEREN &C. U͑la b. Rabh fragte Abajje: Darf ein zerlumpter Minderjähriger aus der Tora vorlesen?

3Dieser entgegnete: Du könntest ebenso bezüglich des Nackten fragen! Der Nackte darf es nicht aus Achtung vor der Gemeinde, ebenso darf es dieser nicht aus Achtung vor der Gemeinde.

4EIN BLINDER DARF DAS ŠEMA͑ ZELEBRIEREN &C. Es wird gelehrt: Sie sprachen zu R. Jehuda: Viele trugen über die Sphärenkunde vor, ohne sie je im Leben gesehen zu haben. –

5Und R. Jehuda!? – Bei diesen kommt es auf das Verständnis an, sie vertiefen sich und verstehen es, hierbei aber kommt es auf den Nutzen an, und er hat ja [vom Lichte] keinen Nutzen. –

6Und die Rabbanan!? – Auch er hat davon einen Nutzen. Es wird nämlich gelehrt: R. Jose erzählte: Mein ganzes Leben hatte ich mich mit folgendem Verse abgequält: du wirst am Mittag herumtasten, wie der Blinde im Finstern; welchen Unterschied gibt es für einen Blinden zwischen Finsternis und Licht!?

7Einst aber ging ich in einer finsteren Nacht und Dunkelheit und sah einen Blinden mit einer Fackel in der Hand auf dem Wege gehen. Da sprach ich zu ihm: Mein Sohn, was soll dir diese Fackel!? Dieser erwiderte: Wenn ich eine Fackel in der Hand trage, so sehen mich die Leute und schützen mich vor Gruben, Gestrüpp und Dornen.

8EIN PRIESTER, DER GEBRECHEN AN DEN HÄNDEN HAT, ERHEBE NIGHT DIE HÄNDE [ZUM PRIESTERSEGEN]; R. JEHUDA SAGT, AUCH DESSEN HÄNDE MIT WAIDFARBE BESCHMUTZT SIND, ERHEBE DIE HÄNDE NIGHT [ZUM PRIESTERSEGEN], WEIL DAS PUBLIKUM IHN ANSCHAUEN WÜRDE.

9GEMARA. Es wird gelehrt: Die Gebrechen, von denen sie sprechen, wenn er sie am Gesichte, an den Händen oder an den Füßen hat. R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Sind seine Hände mit weißen Flecken behaftet, so erhebe er nicht die Hände [zum Priestersegen]. Ebenso wird auch gelehrt: Sind seine Hände mit weißen Flecken behaftet, so erhebe er nicht die Hände [zum Priestersegen]; sind sie gekrümmt oder gebogen, so erhebe er nicht die Hände [zum Priestersegen].

10R. Asi sagte: [Ein Priester] aus Ḥaifa oder Beth Šan erhebe nicht die Hände [zum Priestersegen]. Desgleichen wird gelehrt: Leute aus Ḥajpha. Beth Šan oder Tibo͑n darf man nicht vor die Lade treten lassen, weil diese das Aleph wie A͑jin und das A͑jin wie Aleph aussprechen.

11R. Ḥija sprach zu R. Šimo͑n b. Rabbi: Wärest du aus dem Stamme Levi, so würdest du für die Estrade untauglich sein, weil du eine grobe Stimme hast. Als er zu seinem Vater kam, und es ihm erzählte, sprach dieser zu ihm: Geh, sage ihm: Würdest du, wenn du [zum Verse]: ich will auf den Herrn hoffen, herankommst, nicht lästern und schmähen?

12R. Hona sagte: Der Triefäugige darf die Hände nicht [zum Priestersegen] erheben. – Einer war ja aber in der Nachbarschaft R. Honas, der die Hände [zum Priestersegen] wohl erhob!? – Dieser war in der Stadt bekannt. Ebenso wird auch gelehrt: Der Triefäugige darf nicht die Hände [zum Priestersegen] erheben; ist er in der Stadt bekannt, so darf er dies.

13R. Joḥanan sagte: Wer auf einem Auge blind ist, darf die Hände nicht [zum Priestersegen] erheben. – Einer war ja aber in der Nachbarschaft R. Joḥanans, der die Hände wohl [zum Priestersegen] erhob!? – Dieser war in der Stadt bekannt. Ebenso wird auch gelehrt: Wer auf einem Auge blind ist, darf nicht die Hände [zum Priestersegen] erheben: ist er in der Stadt bekannt, so darf er dies.

14R. JEHUDA SAGT: AUCH DESSEN HÄNDE MIT WAIDFARBE BESCHMUTZT SIND, ERHEBE DIE HÄNDE NIGHT [ZUM PRIESTERSEGEN]. Es wird gelehrt: Ist dies die Beschäftigung der meisten Einwohner der Stadt, so ist es erlaubt.

15SAGT JEMAND: ‘ICH TRETE NICHT VOR DIE LADE IN FARBIGEN [KLEIDERN]’, SO DARF ER ES AUCH NICHT IN WEISSEN. ‘IN SANDALEN’, SO DARF ER ES AUCH NICHT BARFUSS.

16MACHT MAN SEINE TEPHILLA RUND, SO IST DIES GEFÄHRLICH, AUCH ÜBT MAN DAMIT DAS GEBOT NICHT AUS. LEGT MAN SIE AN DIE STIRN BEZIEHUNGSWEISE AN DIE HANDFLÄCHE, SO IST DIES HERÄTISCHE ART. BEKLEIDET MAN SIE MIT GOLD ODER LEGT MAN SIE AUF DEM ÄRMEL AN, SO IST DIES KETZERISCHEART.

17GEMARA. Aus welchem Grunde? – Wir befürchten, er ist vielleicht von der Häresie befangen.

18MACHT JEMAND SEINE TEPHILLA RUND, SO IST DIES GEFÄHRLICH, AUCH ÜBT MAN DAMIT DAS GEBOT NICHT AUS. Wir lernen also das, was die Rabbanan gelehrt haben: Es ist eine dem Moše am Sinaj überlieferte Halakha, daß die Tephillin viereckig sein müssen.

19Hierzu sagte Raba, auch in ihrer Naht und ihrem Querschnitte. R. Papa entgegnete: Unsere Mišna spricht von dem Falle, wenn sie wie eine Nuß gefertigt sind.

20SAGT JEMAND:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.