Megilla — Blatt 25b
1was oben und was unten, was vorn und was hinten sich befindet, so lehrt er uns.
2Die Erzählung von Loṭ und seinen zwei Töchtern wird vorgelesen und verdolmetscht. – Selbstverständlich!? – Man könnte glauben, man berücksichtige die Ehre Abrahams, so lehrt er uns.
3Die Erzählung von Tamar und Jehuda wird vorgelesen und verdolmetscht. – Selbstverständlich!? – Man könnte glauben, man berücksichtige die Ehre Jehudas, so lehrt er uns, daß sein Geständnis ihm zum Lobe gereicht.
4Die erste Erzählung vom [goldenen] Kalbe wird vorgelesen und verdolmetscht. – Selbstverständlich!? – Man könnte glauben, man berücksichtige die Ehre Jisraéls, so lehrt er uns, daß dies ihnen erst recht lieb ist, damit dies eine Sühne für sie sei.
5Die Flüche und die Segen werden vorgelesen und verdolmetscht. – Selbstverständlich!? – Man könnte glauben, es sei zu befürchten, die Gemeinde könnte entmutigt werden, so lehrt er uns.
6Verwarnungen und Strafandrohungen werden vorgelesen und verdolmetscht. – Selbstverständlich!? – Man könnte glauben, es sei zu berücksichtigen, man könnte [die Gebote] nur aus Furcht ausüben, so lehrt er uns.
7Die Erzählung von Amnon und Tamar wird vorgelesen und verdolmetscht. – Selbstverständlich!? – Man könnte glauben, man berücksichtige die Ehre Davids, so lehrt er uns.
8Die Erzählung vom Kebsweibe in Gibea͑ wird vorgelesen und verdolmetscht. – Selbstverständlich!? – Man könnte glauben, man berücksichtige die Ehre Binjamins, so lehrt er uns.
9[Das Kapitel:] Teile Jerušalem seine Schandtaten mit, wird vorgelesen und verdolmetscht. – Selbstverständlich!? – Dies schließt die Ansicht R. Elie͑zers aus. Es wird nämlich gelehrt: Einst las jemand in Gegenwart R. Elie͑zers [das Kapitel:] Teile Jerušalem seine Schandtaten mit; da sprach er zu ihm: Während du die Schandtaten Jerušalems untersuchst, untersuche lieber die Schandtaten deiner Mutter. Als man hinter ihm her untersuchte, fand man an ihm den Makel der Illegitimität.
10Folgende werden vorgelesen und nicht verdolmetscht: Die Erzählung von Reúben wird vorgelesen und nicht verdolmetscht. Einst kam R. Ḥanina b. Gamliél nach Kebul, und als der Gemeindebeorderte [zum Verse]: während Jisraél in dieser Gegend wohnte, herankam, sprach er zum Dolmetsch: Halte inne, verdolmetsche nur die zweite Hälfte. Die Weisen lobten ihn dieserhalb.
11Die zweite Erzählung vom [goldenen] Kalbe wird vorgelesen und nicht verdolmetscht. – Wie weit reicht die zweite Erzählung? – Von: da sprach Moše bis: und Moše sah.
12Es wird gelehrt: R. Šimo͑n b. Elea͑zar sagte: Stets sei man vorsichtig mit seiner Antwort, denn die Antwort, die Ahron Moše gab, gab den Minäern Anlaß zur Ausartung, denn es heißt: ich warf es ins Feuer, da kam dieses Kalb heraus.
13DER PRIESTERSEGEN WIRD VORGELESEN UND NICHT VERDOLMETSCHT. Aus welchem Grunde? – Weil es in diesem heißt: er erhebe.
14DIE ERZÄHLUNGEN VON DAVID UND AMNON WERDEN (NICHT) VORGELESEN UND NICHT VERDOLMETSCHT. Du sagtest ja aber, die Erzählungen von Amnon und Tamar werden vorgelesen und verdolmetscht!? – Das ist kein Einwand; das eine, wo es ‘Amnon, der Sohn Davids’ heißt, das andere, wo es nur ‘Amnon’ heißt.
15Die Rabhanan lehrten: Alle häßlichen Verse in der Tora werden euphemistisch gelesen; zum Beispiel: beschlafen statt begatten, Muskelgeschwüre statt Aftergeschwüre, Taubenfluß statt Taubenmist, ihre Exkremente zu essen und ihr Fußwasser zu trinken
16statt ihren Dreck zu essen und ihren Urin zu trinken, Abtritt statt Kloake. R. Jehošua͑ b. Qorḥa sagt, [das Wort] Kloake spreche man richtig aus, weil es [an dieser Stelle] eine Beschimpfung der Götzen ist.
17R. Naḥman sagte: Jeder Spott ist verboten, ausgenommen der Spott über die Götzen, der erlaubt ist, wie es heißt: gestürzt ist Bel, es krümmt sich Nebo; ferner heißt es: sie krümmten sich, stürzten insgesamt; sie vermochten nicht, die Last zu retten &c. R. Jennaj entnimmt dies hieraus: Um den Stier von Beth Aven werden die Bewohner von Šomron sorgen; seine Anhänger werden um ihn trauern und seine Pfaffen für ihn zittern, daß seine Herrlichkeit von ihm fortgewandert ist; lies nicht kebodo [Herrlichkeit] sondern: kebedo [Last].
18R. Hona b. Manoaḥ sagte im Namen R. Aḥas, des Sohnes R. Iqas: Ein Jisraélit darf zu einem Nichtjuden sagen: Nimm den Götzen und lege ihn in ST. R. Aši sagte: Den Übelberüchtigten darf man GS. schimpfen; wer einen guten Ruf hat, den lobe man, und auf dem Haupte des ihn Lobenden möge Segen ruhen.
19WENN DIE EINWOHNER DER STADT DEN STADTPLATZ VERKAUFT HABEN, SO DÜRFEN SIE FÜR DEN ERLÖS EIN BETHAUS KAUFEN; WENN EIN BETHAUS, SO DÜRFEN SIE [FÜR DEN ERLÖS] EINE LADE KAUFEN; WENN EINE LADE, SO DÜRFEN SIE [FÜR DEN ERLÖS] HÜLLEN KAUFEN; WENN HÜLLEN, SO DÜRFEN SIE [FÜR DEN ERLÖS] BÜCHER KAUFEN;
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.