Megilla — Blatt 28b

1putze sich da nicht und spaziere da nicht; ferner kehre man da nicht ein bei Sonnenschein wegen der Sonne und bei Regen wegen des Regens, auch veranstalte man da keine private Totenklage. Wohl aber darf man da [die Tora] lesen und studieren, auch eine öffentliche Totenklage veranstalten.

2R. Jehuda sagte: Dies nur, wenn sie bewohnt sind, sind sie aber zerstört, so unterlasse man es, vielmehr lasse man da Gräser emporwachsen und reiße sie nicht aus, um Wehmut zu erregen. –

3Wer spricht da von Gräsern!? – [Die Lehre] ist lückenhaft und muß wie folgt lauten: man fege und sprenge sie, damit keine Gräser emporwachsen. R. Jehuda sagte: Dies nur, wenn sie bewohnt sind, sind sie aber zerstört, so unterlasse man dies; wachsen da Gräser empor, so reiße man sie nicht aus, um Wehmut zu erregen.

4R. Aši sagte: Die Bethäuser in Babylonien sind zwar unter Vorbehalt errichtet, dennoch benehme man sich da nicht leichtfertig. – Was ist dies? – Abrechnungen.

5R. Asi sagte: In einem Bethause, in dem Rechnungen kalkuliert werden, lasse man einen Toten übernachten. – ‘Lasse man übernachten,’ wie kommst du darauf, muß man dies!? – Vielmehr: endlich [kommt es dazu], daß man da Pflichttote übernachten läßt.

6«Putze sich da nicht.» Raba sagte: Die Weisen und ihre Schüler dürfen es, denn R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Es heißt deshalb ‘Be-Rabbanan’, weil es das Haus der Rabbanan ist.

7«Ferner kehre man da nicht ein bei Sonnenschein wegen der Sonne und bei Regen wegen des Regens.» So standen einst Rabina und R. Ada b. Mathna vor Raba und richteten an ihn eine Frage. Als währenddessen ein Regenstrom sich ergoß und sie in das Bethaus traten, sprachen sie: Nicht wegen des Regens traten wir ins Bethaus ein, sondern weil eine Lehre der Klarheit gleich der des Nordwindtages bedarf.

8R. Aḥa b. Raba fragte R. Aši: Wie ist es, wenn jemand einen aus dem Bethause zu holen hat? Dieser erwiderte: Ist er ein Gelehrter, so trage er da eine Lehre vor, ist er ein Jünger, so trage er eine Mišna vor, und ist er bibelkundig, so lese er einen Bibelvers; wenn aber auch das nicht, so sage er zu einem Kinde, daß es ihm seinen Vers vortrage, oder er verweile da ein wenig und stehe dann auf.

9«Auch eine öffentliche Totenklage veranstalten.» ‘Was heißt eine öffentliche Totenklage? – R. Ḥisda zeigte auf R. Šešeth: eine Totenklage, bei der dieser anwesend ist. R. Šešeth zeigte auf R. Ḥisda: eine Totenklage, bei der dieser anwesend ist.

10Einst veranstaltete Raphram eine Totenklage über seine Schwiegertochter im Bethause, indem er sprach: Mir und der Verstorbenen zu Ehren kommt alle Welt. R. Zera veranstaltete eine Totenklage über einen Gelehrten im Bethause, indem er sprach: Entweder mir zu Ehren oder zu Ehren des Verstorbenen kommt alle Welt.

11Reš Laqiš veranstaltete eine Trauerfeier über einen Gelehrten, der häufig im Jisraéllande war und Lehren vor vierundzwanzig Bänken vorgetragen hatte. Da sprach er: Wehe, das Jisraélland hat einen großen Mann verloren!

12Einst starb jemand, der Halakha, Siphra, Siphre und Tosephta studiert hatte, und als man zu R. Naḥman kam und ihn bat, über diesen eine Trauerrede zu halten, sprach er: Was soll ich über ihn sagen, etwa: wehe, ein Korb voll Bücher ist hin!?

13Komm und sieh den Unterschied zwischen den Mächtigen im Jisraéllande und den Frommen in Babylonien.

14Dort haben wir gelernt: Wer sich der Krone bedient, schwindet hin. Reš Laqiš erklärte: Wer sich desjenigen bedient, der Halakha, die Krone der Tora, studiert.

15Ferner sagte U͑la: Man bediene sich desjenigen, der die vier [Sektionen] studiert hat, nicht aber desjenigen, der die vier [Sektionen] gelehrt hat. So ging einst Reš Laqiš auf dem Wege, und als er an einen Strom herankam, kam ein Mann, nahm ihn auf die Schulter und wollte ihn hinübertragen. Da fragte er ihn: Hast du die Schrift gelesen? Dieser erwiderte: Ich habe sie gelesen. – Hast du Mišna studiert? – Ich habe die vier Sektionen der Mišna studiert. Da sprach er zu ihm: Du hast dir vier Felsen gehauen, und du trägst den Sohn Laqiš’ auf der Schulter; wirf den Sohn Laqiš’ ins Wasser!

16Jener erwiderte: Es ist mir lieb, den Meister bedienen zu können. – Wenn dem so ist, so lerne folgendes von ihm: R. Zera sagte: Die Töchter Jisraéls haben sich eine Erschwerung auferlegt, sieben Reinheitstage abzuwarten, auch wenn sie nur einen Bluttropfen in der Größe eines Senfkornes bemerken.

17In der Schule des Elijahu wurde gelehrt: Wer Halakha studiert, ist dessen sicher, daß er ein Kind der zukünftigen Welt ist, denn es heißt: Pfade [Halikoth] der Welt, und man lese nicht Halikoth, sondern Halakhoth.

18Die Rabbanan lehrten:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.