Megilla — Blatt 2b
1und addiziert die Barajtha R. Jose b. Jehuda.
2Kann R. Jehuda denn gesagt haben, daß man sie in der Jetztzeit, wo man sich danach richtet, nur zur festgesetzten Zeit lese, dem widersprechend wird ja gelehrt: R. Jehuda sagte: Nur dann wenn mau im Orte am Montag und Donnerstag zusammenkommt, in einem Orte aber, wo man am Montag und Donnerstag nicht zusammenkommt, lese man sie nur zur festgesetzten Zeit.
3Wo man am Montag und Donnerstag zusammenkommt, lese man sie also wohl, auch in der Jetztzeit!? Daher addiziert er die Barajtha R. Jose b. Jehuda. –
4Ist denn, weil R, Jehuda sich in einem Widersprüche befindet, die Barajtha R. Jose b. Jehuda zu addizieren!? –
5R. Aši hörte, daß einer sie im Namen R. Jehudas und ein anderer sie im Namen des R. Jose b. Jehuda lehrte, und da R. Jehuda sich in einem Widerspruche befinden würde, so sagte er, wer sie im Namen R. Jehudas lehrt, habe nicht Recht, und wer sie im Namen des R. Jose b. Jehuda lehrt, habe Recht.
6BEFESTIGTE STÄDTE, DIE IN DEN TAGEN DES JEHOŠUA͑, DES SOHNES NUNS, MIT EINER MAUER UMGEBEN WAREN, LESEN SIE AM FÜNFZEHNTEN &C. Woher dies? Raba erwiderte: Die Schrift sagt: darum, machen die Juden auf offenem Lande, die in offenen Städten wohnen &c.; wenn die offenen Städte am vierzehnten, so tun es die mit einer Mauer umgebenen am fünfzehnten. –
7Vielleicht die offenen Städte am vierzehnten und die mit einer Mauer umgebenen überhaupt nicht!? – Sind diese denn keine Jisraéliten!? Und ferner [heißt es]: von Hodu bis Kuš. –
8Vielleicht die offenen Städte am vierzehnten und die mit einer Mauer umgebenen am vierzehnten und am fünfzehnten, wie es auch heißt: daß sie alljährlich den vierzehnten Tag und den fünfzehnten Tag des Monats Adar begehen sollen!? –
9Würde es ‘den vierzehnten und fünfzehnten Tag’ geheißen haben, so könntest du recht haben, wenn es aber ‘den vierzehnten Tag und den fünfzehnten Tag’ heißt, so sind sie getrennt: die einen am vierzehnten und die anderen am fünfzehnten. –
10Vielleicht aber die offenen Städte am vierzehnten und die mit einer Mauer umgebenen beliebig, am vierzehnten oder am fünfzehnten!? – Die Schrift sagt: zu ihren Zeiten, die Zeit der einen gleicht nicht der Zeit der anderen. –
11Vielleicht am dreizehnten!? – Wie in Šušan.
12Wir wissen dies vom Begehen [des Festes], woher dies von der Erinnerung? – Die Schrift sagt: diese Tage sollen in Erinnerung bleiben und begangen werden; die Erinnerung gleicht dem Begehen.
13Unsere Mišna vertritt also nicht die Ansicht des Autors der folgenden Lehre: R. Jehošua͑ b. Qorḥa sagte: Befestigte Städte, die in den Tagen Aḥašveroš’ mit einer Mauer umgeben waren, lesen sie am fünfzehnten. –
14Was ist der Grund des R. Jehošua͑ b. Qorḥa? – Wie in Šušan: wie Šušan in den Tagen Aḥašveroš‘ mit einer Mauer umgeben war, und man in ihr am fünfzehnten las, ebenso lese man sie in jeder [Stadt], die in den Tagen Aḥašveroš’ mit einer Mauer umgeben war, am fünfzehnten. – Was ist der Grund des Autors unserer [Mišna]? –
15Er folgert es durch [das Wort] offen; hier heißt es: darum machen die Juden auf offenem Lande, und dort heißt es: außerdem noch sehr viel offene Landstädte; wie dort mit einer Mauer umgeben in den Tagen Jehošua͑s, des Sohnes Nuns, ebenso auch hier mit einer Mauer umgeben in den Tagen Jehošua͑s, des Sohnes Nuns. –
16Erklärlich ist es, daß R. Jehošua͑ b. Qorḥa nicht der Ansicht des Autors unserer [Mišna] ist, weil er durch [das Wort] offen nichts folgert; weshalb aber ist der Autor unserer Mišna nicht der Ansicht des R. Jehošua͑ b. Qorḥa? –
17‘Weshalb’, weil er es durch [das Wort] offen folgert!? – Er meint es wie folgt: weshalb verfuhr man so in Šušan!?
18Raba, wie manche sagen, Kadi, erwiderte: Šušan bildet eine Ausnahme, weil das Wunder sich da ereignet hatte. –
19Erklärlich sind [die Worte]:in jeder Provinz und in jeder Stadt, nach dem Autor unserer [Mišna]: jede Provinz, zur Unterscheidung zwischen solchen, die in den Tagen Jehošua͑s, des Sohnes Nuns, mit einer Mauer umgeben waren, und solchen, die in den Tagen Aḥašveroš’ mit einer Mauer umgeben waren,
20jede Stadt, zur Unterscheidung zwischen Šušan und anderen Städten; nach R. Jehošua͑ b. Qorḥa aber heißt es allerdings: in jeder Provinz, zur Unterscheidung zwischen Šušan und anderen Städten, wozu aber heißt es: in jeder Stadt!? –
21R. Jehošua͑ b. Qorḥa kann dir erwidern: stimmt dies denn nach dem Autor unserer [Mišna]: wozu sind nach ihm die Worte in jeder Provinz nötig, wo er es doch aus [dem Worte] offen folgert!? Der Schriftvers ist vielmehr zur Forschung nötig, und zwar nach R. Jehošua͑ b. Levi, denn R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Jeder [Ort] nahe der befestigten Stadt, und was mit dieser zusammen zu sehen ist, ist als befestigte Stadt zu behandeln. –
22Wie weit? R. Jirmeja, nach anderen R. Ḥija b. Abba, erwiderte: Wie von Ḥamtan bis Tiberias, ein Mil. – Sollte er doch sagen: ein Mil!? – Er lehrt uns folgendes: ein Mil ist soviel, wie von Ḥamtan bis Tiberias.
23Ferner sagte R. Jirmeja, nach anderen R. Ḥija b. Abba: [Die Finalbuchstaben] Mem, Nun, Çade, Pe und Kaph haben die Schauer eingeführt. –
24Glaubst du, es heißt ja: dies sind die Gebote, der Prophet darf von nun ab nichts mehr neu einführen!? Ferner sagte ja R. Ḥisda das Mem und das Samekh
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.