Megilla — Blatt 3a
1standen auf den Gesetzestafeln durch ein Wunder!? –
2Sie waren beidevorhanden, nur wußte man nicht, welche Medial- und welche Finalbuchstaben sind, da kamen die Schauer und führten die offenen als Medial- und die geschlossenen als Finalbuchstaben ein. –
3Aber immerhin heißt es ja dies sind die Gebote, der Prophet darf von nun ab nichts mehr neu einführen!? – Vielmehr, man hatte es vergessen, und diese stellten es wieder her.
4Ferner sagte R. Jirmeja, nach anderen R. Ḥija b. Abba: Die [aramäische] Übersetzung der Tora verfaßte Onkelos der Proselyt nach der Unterweisung R. Elie͑zers und Jehošua͑s; die [aramäische] Übersetzung der Propheten verfaßte Jonathan, der Sohn U͑ziéls nach der Unterweisung Ḥaggajs, Zekharjas und Maleakhis. Das Jisraélland erbebte dann vierhundert zu vierhundert Parasangen, und eine Hallstimme ertönte und sprach: Wer ist es, der meine Geheimnisse den Menschenkindern verraten hat?
5Da stellte sich Jonathan, der Sohn U͑ziéls (auf seine Füße) hin und sprach: Ich bin es, der deine Geheimnisse den Menschenkindern verraten hat; offen und bewußt ist es dir, daß ich es nicht mir zu Ehren, noch zu Ehren meines väterlichen Hauses getan habe, vielmehr habe ich es dir zu Ehren getan, damit keine Streitigkeiten in Jisraél sich mehren.
6Er wollte auch die Übersetzung der Hagiographen veröffentlichen, da ertönte eine Hallstimme und sprach: Begnüge dich. – Weshalb? – Weil in diesen das messianische Ende enthalten ist. –
7Ist es denn Onkelos der Proselyt, der die Übersetzung der Tora verfaßt hat, R. Iqa b. Abin sagte ja im Namen R. Ḥananéls im Namen Rabhs: Es heißt: und sie lasen in dem Buche der Lehre Gottes, deutlich mit Angabe des Sinnes, sodaß sie das Gelesene verstanden. Sie lasen in dem Buche der Lehre Gottes, das ist die Schrift; deutlich, das ist die Übersetzung;
8mit Angabe des Sinnes, das sind die Verstrennungen; das Gelesene verstanden, das sind die Akzente, und wie manche sagen, die Überlieferung!? – Man hatte sie vergessen und er stellte sie wieder her. –
9Weshalb erbebte es nicht wegen der Übersetzung der Tora, wohl aber wegen der Propheten? – In der Tora ist alles klar, in den Propheten ist manches klar und manches dunkel. So heißt es: An jenem Tage wird sich in Jerušalem Totenklage erheben, wie die Totenklage Hadadrimmons in der Ebene von Megiddon.
10Hierzu sagte R. Joseph: Wenn nicht die Übersetzung dieses Verses würde ich ihn nicht verstanden haben. [Diese lautet:] An jenem Tage wird in Jerušalem die Klage so groß sein, wie die Totenklage über Aḥáb, den Sohn O͑mris, den Hadadrimmon, Sohn des Ṭabrimon, in Ramoth Gilea͑d erschlug, und wie die Totenklage über Jošija, Sohn des Amon, den der lahme Pareo͑ in der Ebene von Megiddon erschlug.
11Ich, Daniél, allein sah diese Erscheinung, während die Männer, die bei mir waren, nichts von der Erscheinung sahen; aber ein großer Schrecken hatte sie befallen, daß sie flohen, um sich zu verbergen. Wer waren diese Männer? R. Jirmeja, nach anderen R. Ḥija b. Abba, erwiderte: Das waren Ḥaggaj, Zekharja und Maleakhi;
12diese waren bedeutender als er und er war bedeutender als diese. Diese waren bedeutender als er, da sie Propheten waren, er aber nicht; er war bedeutender als diese, da er [die Erscheinung] sah, sie aber nicht. –
13Weshalb erschraken sie, wenn sie nichts sahen? – Obgleich sie selbst sie nicht sahen, so sah sie ihr Geist.
14Rabina sagte: Hieraus ist zu entnehmen, daß, wenn jemand in Angst ist, sein Geist etwas sieht, obgleich er selbst nichts sieht. – Welches Mittel gibt es dagegen? – Man lese das Šema͑. Wenn man sich aber auf einer schmutzigen Stelle befindet, so hüpfe man vier Ellen von seinem Platze. Wenn nicht das, so spreche man wie folgt: Die Ziege beim Schlächter ist fetter als ich.
15Jetzt nun, wo du erklärt hast, [die Worte:] in jeder Provinz und in jeder Stadt. werden zur Forschung verwendet, wozu sind [die Worte:] in jeder Familie, nötig? R. Jose b. Ḥanina erwiderte: Diese deuten darauf, daß die priesterlichen und levitischen Familien den Tempeldienst unterbrechen und das Lesen der Esterrolle hören gehen.
16R. Jehuda sagte nämlich im Namen Rabhs: Wenn Priester beim Tempeldienste, Leviten auf der Estrade und Jisraéliten beim Beistande sich befinden, so verlassen sie alle ihren Dienst und gehen das Lesen der Esterrolle hören.
17Ebenso wird gelehrt: Wenn Priester beim Tempeldienste, Leviten auf der Estrade und Jisraéliten beim Beistande sich befinden, so verlassen sie alle ihren Dienst und gehen das Lesen der Esterrolle hören. Darauf stützten sie sich im Hause Rabbis, das Studium der Tora zu unterbrechen, um das Lesen der Esterrolle hören zu gehen. Dies ist [durch einen Schluß] vom Schwereren auf das Leichtere, vom Tempeldienste, zu folgern: wenn man den strengeren Tempeldienst unterbreche, um wieviel mehr das Studium der Tora. –
18Ist denn der Tempeldienst strenger als das Studium der Tora, es heißt ja: während sich aber Jehošua͑ in Jeriḥo befand, schaute er einst auf und sah, wie ihm ein Mann gegenüberstand &c., da warf er sich nieder. –
19Wieso tat er dies, R. Jehošua͑ b. Levi sagte ja, man dürfe nachts seinen Nächsten nicht begrüßen, weil zu befürchten ist, es sei vielleicht ein Dämon!? – Anders war es da, wo er gesagt hatte: ich bin ein Heeresfürst des Herrn. –
20Vielleicht hatte er gelogen!? – Es ist überliefert, daß sie nicht den Namen Gottes vergeblich aussprechen.
21Er sprach nämlich zu ihm: Gestern habt ihr das beständige Abendopfer unterlassen und jetzt habt ihr das Studium der Tora unterlassen. Hierauf fragte er: Wegen welcher [Unterlassung] bist du gekommen? Dieser erwiderte: Jetzt bin ich gekommen. Sodann: Da verbrachte Jehošua͑ jene Nacht in der Vertiefung, worüber R. Joḥanan sagte,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.