Megilla — Blatt 31b

1Am Neumond des Ab, der auf einen Šabbath fällt, lese man als Haphṭara [das Kapitel] Eure Neumonde und eure Feste mag ich nicht, sie sind mir zur Last geworden. Was meint er [mit den Worten]: sie sind mir zur Last geworden? – Der Heilige, gepriesen sei er, sprach: Nicht genug, daß die Jisraéliten gegen mich sündigen, sie belästigen mich auch, indem sie erfahren wollen, welches Verhängnis ich über sie bringen werde. –

2Was liest man als Haphṭara am Neunten Ab selbst? Rabh erwiderte: Ach, wie ist zur Hure geworden. – Was liest man [aus der Tora]? – Es wird gelehrt: Manche sagen, [den Abschnitt] Wenn ihr mir aber nicht gehorcht; R. Nathan b. Joseph sagt, [den Abschnitt] Wie lange soll es währen, daß mich dieses Volk verhöhnt, manche sagen, [den Abschnitt] Wie lange soll es mit dieser bösen Gemeinde währen. Abajje sagte: Jetzt pflegt man zu lesen [den Abschnitt] Wenn dir Kinder geboren sind, und als Haphṭara [das Kapitel] Zusammenraffen will ich sie.

3VON DER SCHÖPFUNGSGESCHICHTE &C. Woher dies? R. Ami erwiderte: Wenn nicht die Standbezirke, würden Himmel und Erde nicht bestehen, denn es heißt: wenn nicht mein Bündnis, bei Tag und bei Nacht, würde ich nicht die Ordnung des Himmels und der Erde gemacht haben.

4Ferner heißt es: und er sprach: O Herr, mein Gott, woran soll ich erkennen, daß ich es besitzen werde. Abraham sprach vor dem Heiligen, gepriesen sei er: Herr der Welt, vielleicht sündigt Jisraél, behüte und bewahre, vor dir, und du verfährst mit ihm, wie du mit dem Zeitalter der Sintflut und dem der Sprachenteilung verfahren bist!? Er erwiderte: Nein. Jener sprach vor ihm: Herr der Welt, wodurch soll ich dies erkennen? Er erwiderte: Hole mir ein Drittlingskalb &c.

5Jener sprach wiederum vor ihm: Herr der Welt, allerdings zur Zeit, da der Tempel besteht, was aber wird aus ihnen zur Zeit, wo er nicht besteht!? Er erwiderte: Ich habe für sie bereits die Opferungsordnung vorgesehen; wenn sie diese lesen, so rechne ich es ihnen an, als hätten sie mir Opfer dargebracht, und vergebe ihnen all ihre Sünden.

6AN FASTTAGEN [DEN ABSCHNITT] VON DEN SEGEN UND FLÜCHEN; DIE FLÜCHE UNTERBRECHE MAN NICHT. Woher dies? R. Ḥija b. Gamda erwiderte im Namen R. Asis: Die Schrift sagt: verachte nicht, mein Sohn, die Zucht des Herrn.

7Reš Laqiš erwiderte: Weil man über Verhängnisse keinen Segen spricht. – Wie mache man es nun? – Es wird gelehrt, man beginne mit einem Verse vorher und schließe mit einem Verse nachher.

8Abajje sagte: Dies gilt nur von den Flüchen im Leviticus, die im Deuteronomium aber unterbreche man. – Aus welchem Grunde? – Die sind in der Mehrzahl abgefaßt, und Moše sprach sie im Namen des Allmächtigen, die anderen sind in der Einzahl abgefaßt, und Moše sprach sie selbständig.

9Levi b. Buṭi las die Flüche vor R. Hona stotternd, da sprach er zu ihm: Nach Belieben; sie lehrten es nur von den Flüchen im Leviticus, die im Deuteronomium aber unterbreche man.

10Es wird gelehrt: R. Šimo͑n b. Elea͑zar sagte: E͑zra ordnete für Jisraél an, die Flüche im Leviticus vor dem Wochenfeste und die im Deuteronomium vor dem Neujahrsfeste zu lesen. – Aus welchem Grunde? Abajje, nach anderen Reš Laqiš, erwiderte: Damit das Jahr mit seinen Flüchen zuende sei. –

11Allerdings ist mit denen des Deuteronomium das Jahr mit seinen Flüchen zuende, wieso aber mit denen des Leviticus, beginnt denn mit dem Wochenfeste ein neues Jahr!? – Freilich, auch das Wochenfest ist ein Neujahr, denn wir haben gelernt, am Wochenfeste werden die Baumfrüchte [gerichtet].

12Es wird gelehrt: R. Šimo͑n b. Elea͑zar sagte: Wenn Greise dich niederreißen heißen und Junge dich bauen heißen, so reiße nieder und baue nicht, denn das Niederreißen der Greise ist ein Bauen und das Bauen der Jungen ist ein Niederreißen. Als Vorbild diene Rehabea͑m, der Sohn Šelomos.

13Die Rabbanan lehrten: Mit der Stelle, da man am Šabbath beim Morgengebete abbricht, beginne man beim Vespergebete zu lesen, da man beim Vespergebete [abbricht], beginne man am Montag zu lesen, da man am Montag [abbricht], beginne man am Donnerstag zu lesen, und da man am Donnerstag [abbricht], beginne man am folgenden Šabbath zu lesen – so R. Meír. R. Jehuda sagt, da man am Šabbath beim Morgengebete abbricht, beginne man beim Vespergebete, am Montag, am Donnerstag und am folgenden Šabbath zu lesen.

14R. Zera sagte: Die Halakha ist, wo man am Šabbath beim Morgengebete abbricht, beginne man beim Vespergebete, am Montag, am Donnerstag und am folgenden Šabbath zu lesen. – Sollte er doch sagen, die Halakha sei wie R. Jehuda!? –

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.