Megilla — Blatt 32a

1Weil manche [diesen Streit] entgegengesetzt lehren.

2Die Rabbanan lehrten: Man öffne [die Torarolle], schaue hinein, rolle sie zusammen, spreche den Segen, öffne sie wiederum und lese – so R. Meír. R. Jehuda sagt, man öffne sie, schaue hinein, spreche den Segen und lese. –

3Was ist der Grund R. Meírs? – Dies nach U͑la, denn U͑la sagte: Sie sagten deshalb, der Vorlesende dürfe dem Dolmetsch nicht nachhelfen, damit man nicht glaube, die Übersetzung stehe in der Tora. Ebenso auch hierbei: damit man nicht glaube, die Segenssprüche stehen in der Tora. –

4Und R. Jehuda!? – Bezüglich der Übersetzung könnte man im Irrtum sein, bezüglich der Segenssprüche kann man nicht im Irrtum sein.

5R. Zera sagte im Namen R. Mathnas: Die Halakha ist: man öffne sie, schaue hinein, spreche den Segen und lese. – Sollte er doch sagen, die Halakha sei wie R. Jehuda!? – Weil manche [diesen Streit] entgegengesetzt lehren.

6R. Zera sagte [ferner] im Namen R. Mathnas: Den Tafelnund den Tribünen haftet keine Heiligkeit an.

7R. Šephaṭja sagte im Namen R. Joḥanans: Wenn man die Torarolle zusammenrollt, stelle man sie auf die Naht.

8Ferner sagte R. Šephaṭja im Namen R. Joḥanans: Wenn man die Torarolle rollt, rolle man sie von außen und nicht von innen.

9Beim Umbinden binde man sie von innen und nicht von außen.

10Ferner sagte R. Šephaṭja im Namen R. Joḥanans: Wenn zehn aus der Torarolle vorlesen, so rolle sie der bedeutendste zusammen, denn der sie zusammenrollt, erhält den Lohn für alle. R. Jehošua͑ sagte nämlich: Wenn zehn aus der Torarolle lesen, so erhält derjenige, der sie zusammenrollt, den Lohn für alle. – ‘Den Lohn für alle’, wie kommst du darauf!? – Sage vielmehr: er erhält einen Lohn, wie alle zusammen.

11Ferner sagte R. Šephaṭja im Namen R. Joḥanans: Woher, daß man sich der Hallstimme bedienen darf? Es heißt: und deine Ohren werden hinter dir einen Ruf vernehmen. Jedoch nur dann, wenn man eine männliche Stimme in der Stadt oder eine weibliche auf dem Felde gehört hat. Auch nur dann, wenn sie zweimal ja oder zweimal nein gesagt hat.

12Ferner sagte R. Šephaṭja im Namen R. Joḥanans: Wer die Schrift ohne Melodie liest und ohne Sang studiert, über den spricht die Schrift: so gab ich ihnen Satzungen, die nicht ersprießlich waren &c.

13Abajje wandte ein: Weil er seine Stimme nicht melodisch einstellen kann, sollte es über ihn heißen: Rechte, durch die sie nicht leben können!? Vielmehr ist dies auf das zu beziehen, was R. Mešaršeja gesagt hat; Wenn zwei Schriftgelehrte in einer Stadt wohnen und nicht verträglich mit einander in der Halakha sind, so spricht die Schrift über sie: so gab ich ihnen Satzungen, die nicht ersprießlich waren, und Rechte, durch die sie nicht leben können.

14R. Parnakh sagte im Namen R. Joḥanans: Wer eine Tora entblößt anfaßt, wird entblößt begraben. – ‘Entblößt begraben’, wie kommst du darauf!? – Sage vielmehr: wird der Gebote entblößt begraben. –

15‘Der Gebote entblößt’, wie kommst du darauf!? Vielmehr, erklärte Abajje, er wird dieses Gebotes entblößt begraben.

16R. Jannaj, Sohn R. Jannajs des Greisen, sagte im Namen R. Jannajs des Großen: Man drehe die Hülle [um die Torarolle], nicht aber die Torarolle.

17Moše sagte den Kindern Jisraél die Festzeiten des Herrn; ES IST GEBOT, JEDES ZUR ENTSPRECHENDEN ZEIT ZU LESEN. Die Rabbanan lehrten: Moše ordnete für Jisraél an, über die Bedeutung des Tages vorzutragen: über die Vorschriften des Pesaḥfestes am Pesaḥfeste, über die Vorschriften des Wochenfestes am Wochenfeste und über die Vorschriften des Hüttenfestes am Hüttenfeste.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.