Megilla — Blatt 3b

1dies lehre, daß er jene Nacht bei der Vertiefung in der Halakha verbrachte. Auch sagte R, Šemuél b. Inja, das Studium der Tora sei bedeutender als die Darbringung des beständigen Opfers, denn es heißt: jetzt bin ich gekommen!? –

2Das ist kein Einwand; eines gilt von einer Gesamtheit und eines gilt von einem einzelnen. –

3Ist denn [das Studium] eines einzelnen geringer, vor haben ja gelernt: Frauen dürfen am Halbfeste einen Trauergesang anstimmen, nicht aber sich an die Brust schlagen; R. Jišma͑él sagt, die sich nahe der Bahre befinden, dürfen sich an die Brust schlagen. An Neumonds tagen, am Ḥanukafeste und am Purimfeste dürfen sie einen Trauergesang anstimmen und sich an die Brust schlagen, eine Rundklage aber dürfen sie an diesem und an jenem nicht anstimmen.

4Hierzu sagte Rabba b. Ḥona, bei einem Schriftgelehrten gebe es kein Fest, und um so weniger ein Ḥanukafest oder ein Purimfest!? –

5Du sprichst von der Ehrung der Tora: die Ehrung der Tora ist auch bei einem einzelnen strenger, beim Studium eines einzelnen ist es jedoch leichter.

6Raba sagte: Es ist mir entschieden, daß von Tempeldienst und Lesen der Esterrolle das Lesen der Esterrolle wichtiger sei, wie dies aus der Lehre des R. Jose b. Ḥanina hervorgeht. Daß ferner von Studium der Tora und Lesen der Esterrolle das Lesen der Esterrolle wichtiger sei, wie sie sich darauf im Hause Rabbis stützten.

7Daß ferner von Studium der Tora und [Bestattung eines] Pflichttoten [die Bestattung] des Pflichttoten wichtiger sei, denn es wird gelehrt, man unterbreche das Studium der Tora, um einen Toten hinauszubringen und um eine Braut unter den Baldachin zu führen. Daß ferner von Tempeldienst und [Bestattung eines] Pflichttoten [die Bestattung] des Pflichttoten wichtiger sei, was aus [dem Worte] seiner Schwester zu entnehmen ist.

8Es wird gelehrt: Und wegen seiner Schwester. Was lehrt dies? Man könnte glauben, daß, wenn jemand sein Pesaḥopfer schlachten oder seinen Sohn beschneiden geht, und hört, daß ihm jemand gestorben sei, er sich verunreinigensolle, so heißt es: er darf sich nicht verunreinigen.

9Man könnte nun glauben, daß, wie er sich an seiner Schwester nicht verunreinigen darf, ebenso dürfe er sich auch wegen eines Pflichttoten nicht verunreinigen, so heißt es: und wegen seiner Schwester; an seiner Schwester verunreinige er sich nicht, wohl aber verunreinige er sich an einem Pflichttoten.

10Folgendes aber fragte Raba: Was ist von Lesen der Esterrolle und [Bestattung eines] Pflichttoten wichtiger: ist das Lesen der Esterrolle wichtiger, wegen der Bekanntmachung des Wunders, oder ist [die Bestattung] eines Pflichttoten wichtiger, wegen der Ehre des Menschen? Nachdem er es fragte, entschied er es: [die Bestattung] eines Pflichttoten ist wichtiger, denn der Meister sagte: Groß ist die Ehre des Menschen, daß sie ein Verbot der Tora verdrängt.

11Der Text. R. Jehošua͑ b. Levi sagte: Jeder Ort nahe der befestigten Stadt, und was mit dieser zusammen zu sehen ist, ist als befestigte Stadt zu behandeln. Es wird gelehrt: Nahe, auch wenn er nicht mit dieser zu sehen ist; zu sehen ist, auch wenn nicht nahe. –

12Allerdings kann es vorkommen, daß [ein Ort] zu sehen und nicht nahe ist, beispielsweise auf der Spitze eines Berges, wieso aber kann es vorkommen, daß [ein Ort] nahe und nicht zu sehen ist!? R. Jirmeja erwiderte: Wenn er sich in einem Tale befindet.

13Ferner sagte R. Jehošua͑ b. Levi: Eine befestigte Stadt, die zuerst besiedelt und nachher mit einer Mauer umgeben worden ist, ist als Dorf zu behandeln. Aus welchem Grunde? – Es heißt: wenn jemand ein Wohnhaus in einer ummauerten Stadt verkauft; nur zuerst ummauert und nachher bewohnt, nicht aber zuerst bewohnt und nachher ummauert.

14Ferner sagte R. Jehošua͑ b. Levi: Eine befestigte Stadt, in der keine zehn Müßiggänger vorhanden sind, ist als Dorf zu behandeln. – Was lehrt er uns damit, wir haben ja gelernt, als große Stadt gelte diejenige, in der zehn Müßiggänger sich befinden, wenn aber weniger, werde sie als Dorf behandelt!? – Er lehrt uns dies von einer befestigten Stadt, obgleich manche von auswärts kommen.

15Ferner sagte R. Jehošua͑ b. Levi: Eine befestigte Stadt, die zerstört worden war und wieder besiedelt worden ist, ist als befestigte Stadt zu behandeln. – Was heißt ‘zerstört’: wollte man sagen, wenn ihre Mauer zerstört worden war, wieso nur dann, wenn sie wieder errichtet worden ist, sonst aber nicht, es wird ja gelehrt: R. Elea͑zar b. Jose sagte:die eine Mauer hatte, auch wenn sie jetzt keine hat, einst aber eine hatte!? –

16Vielmehr, ‘zerstört’ heißt, wenn sie keine zehn Müßiggänger mehr hat.

17Ferner sagte R. Jehošua͑ b. Levi:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.