Megilla — Blatt 6b
1das ist das edomitische Germanien, das, wenn es ausziehen würde, die ganze Welt zerstören würde.
2Auch sagte R. Ḥama b. Ḥanina: Dreihundert Kronenträger gibt es im edomitischen Germanien und dreihundertfünfundsechzig Präfekte gibt es in Rom; an jedem Tage ziehen die einen gegen die anderen aus, wobei je einer von ihnen erschlagen wird, bis sie endlich Mühe haben, einen König einzusetzen.
3Ferner sagte R. Jiçḥaq: Sagt dir jemand: ich habe mich abgemüht und nicht gefunden, so glaube es nicht, ich habe mich nicht bemüht und gefunden, so glaube es nicht; ich habe mich abgemüht und gefunden, so glaube es.
4Dies gilt nur von Dingen der Tora, bei geschäftlichen Angelegenheiten aber kann es eine Hilfe des Himmels sein. Auch bei Dingen der Tora gilt dies nur von der Erfassung, die Erhaltung aber ist eine Hilfe des Himmels.
5Ferner sagte R. Jiçḥaq: Siehst du einen Frevler, dem die Stunde lächelt, so reize ihn nicht, denn es heißt: streite nicht mit den Bösen. Und noch mehr, seine Unternehmungen glücken ihm auch, denn es heißt: seine Wege gedeihen allezeit. Und noch mehr, er wird auch bei Gericht begünstigt, denn es heißt: hoch, fern von ihm, sind deine Strafgerichte. Und noch mehr, er sieht auch Rache an seinen Feinden, denn es heißt: all seine Feinde bläst er weg. –
6Dem ist aber nicht so, R. Joḥanan sagte ja im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj, es sei erlaubt, auf dieser Welt die Frevler zu reizen, denn es heißt: die die Lehre verlassen, rühmen die Frevler, die die Lehre beobachten, befehden sie!? Ferner wird gelehrt: R. Dostaj b. Mathon sagte: Es ist erlaubt, auf dieser Welt die Frevler zu reizen. Sollte dir jedoch jemand zuflüstern, [es heißt ja:] streite nicht mit den Bösen, ereifere dich nicht über die Übeltäter, so deutet [diesen Vers] der nur, dem das Herz klopft;
7vielmehr: wetteifere nicht mit den Bösen, um wie die Bösen zu sein; ereifere dich nicht über die Übeltäter, um wie die Übeltäter zu sein. Ferner heißt es: dein Herz beneide die Sünder nicht &c. –
8Das ist kein Einwand; jenes gilt von eigenen Angelegenheiten, dies gilt von göttlichen Angelegenheiten.
9Wenn du willst, sage ich: beides gilt von eigenen Angelegenheiten, dennoch ist dies kein Widerspruch, denn das eine gilt von einem vollkommen Gerechten und das andere gilt von einem unvollkommen Gerechten. R. Hona sagte nämlich: Es heißt: warum siehst du die Treulosen an, schweigest, wenn der Frevler einen gerechteren als er verschlingt; einen gerechteren als er verschlingt er, einen vollkommen Gerechten verschlingt er nicht.
10Wenn du aber willst, sage ich: anders ist es, wenn die Stunde ihm lächelt.
11U͑la sagte: Das jonische Italien, das ist die große Stadt Rom, ist dreihundert zu dreihundert Parasangen groß; sie hat dreihundertfünfundsechzig Marktplätze, entsprechend den Tagen des Sonnenjahres; der kleinste ist der der Geflügelhändler, der sechzehn zu sechzehn Mil hat. Jeden Tag speist der König auf einem von diesen.
12Und jeder, der da wohnt, wenn er auch da nicht geboren ist, und jeder, der da geboren ist, wenn er auch da nicht wohnt, bezieht Gehalt aus dem königlichen Hause. Sie hat dreitausend Badehäuser, von denen jedes fünfhundert Rauchfange hat, die den Rauch oberhalb der Mauer abziehen lassen. An einer Seite das Meer, an einer Seite Berge und Hügel, an einer Seite eine eiserne Wand und an einer Seite Kies und Sumpf.
13WENN MAN DIE ESTERROLLE IM ERSTEN ADAR GELESEN HAT UND DARAUF DAS JAHR INTERKALIERT WURDE, SO LESE MAN SIE IM ZWEITEN ADAR WIEDERUM. DER ERSTE ADAR UNTERSCHEIDET SICH VOM ZWEITEN ADAR NUR DURCH DAS LESEN DER ESTERROLLE UND DIE ARMENGESCHENKE.
14GEMARA. Hinsichtlich der Wochenabschnitte gleichen sie also einander;
15demnach lehrt unsere Mišna weder nach dem ersten Tanna noch nach R. Elea͑zar b. R. Jose noch nach R. Šimo͑n b. Gamliél!? Es wird nämlich gelehrt: Wenn man die Esterrolle im ersten Adar gelesen hat und darauf das Jahr interkaliert wurde, so lese man sie im zweiten Adar wiederum, denn alle Gebote, die im zweiten stattfinden, finden auch im ersten statt, ausgenommen das Lesen der Esterrolle.
16R. Elea͑zar b. R. Jose sagt, man lese sie im zweiten Adar nicht, denn alle Gebote, die im zweiten stattfinden, finden auch im ersten statt.
17R. Šimo͑n b. Gamliél sagt im Namen R. Joses, man lese sie auch im zweiten Adar, denn alle Gebote, die im zweiten Adar stattfinden, finden im ersten nicht statt. Sie stimmen überein, daß Trauer und Fasten in dem einen und dem anderen verboten seien.
18Nun ist ja R. Šimo͑n b. Gamliél derselben Ansicht wie der erste Tanna!? Und R. Papa erwiderte: Sie streiten über die Wochenabschnitte: der erste Tanna ist der Ansicht, von vornherein [lese] man sie im zweiten [Adar], hat man es aber im ersten getan, so bleibe es dabei, ausgenommen ist das Lesen der Esterrolle, die man, obgleich man sie im ersten gelesen hat, im zweiten lesen muß.
19R. Elea͑zar b. R. Jose ist der Ansicht, auch die Esterrolle lese man von vornherein im ersten [Adar], und R. Šimo͑n b. Gamliél ist der Ansicht, auch die Wochenabschnitte lese man, wenn man sie im ersten gelesen hat, auch im zweiten.
20Nach wem nun: wenn nach dem ersten Tanna, so ist ja von den [Armen]geschenken einzuwenden, wenn nach R. Elea͑zar b. R. Jose, so ist ja vom Lesen der Esterrolle einzuwenden, und wenn nach R. Šimo͑n b. Gamliél, so ist ja von den Wochenabschnitten einzuwenden!? –
21Tatsächlich nach dem ersten Tanna, denn dieser lehrt es von der Esterrolle, und dies gilt auch von den Armengeschenken, da diese von jener abhängig sind.
22Wenn du aber willst, sage ich: tatsächlich nach R. Šimo͑n b. Gamliél, nur ist unsere Mišna lückenhaft und muß wie folgt lauten: der vierzehnte des ersten Adar unterscheidet sich vom vierzehnten des zweiten Adar nur durch das Lesen der Esterrolle und die [Armen]geschenke, hinsichtlich der Trauer und des Fastens aber gleichen sie einander, und von den Wochenabschnitten spricht er überhaupt nicht.
23R. Ḥija b. Abin sagte im Namen R. Joḥanans: Die Halakha ist wie R. Šimo͑n b. Gamliél, der sie im Namen R. Joses lehrte.
24R. Joḥanan sagte: Beide folgerten sie aus einem Schriftverse: Von Jahr zu Jahr. R. Elea͑zar b. R. Jose erklärt dies wie folgt: von Jahr zu Jahr, wie es in jedem anderen Jahre im Adar nächst dem Šebaṭ, ebenso in diesem im Adar nächst dem Šebaṭ;
25R. Šimo͑n b. Gamliél aber erklärt: von Jahr zu Jahr, wie es in jedem anderen Jahre im Adar nächst dem Nisan, ebenso in diesem im Adar nächst dem Nisan. –
26Einleuchtend ist die Ansicht des R. Elea͑zar b. R. Jose, weil man nämlich an Geboten nicht vorübergehe, was ist aber der Grund des R. Šimo͑n b. Gamliél?
27R. Ṭabi erwiderte: Der Grund des R. Šimo͑n b. Gamliél ist, man verbinde lieber die Erlösung mit der Erlösung.
28R. Elea͑zar erwiderte: R. Šimo͑n b. Gamliél entnimmt seine Ansicht aus folgendem: um dieses zweite Purimschreiben zu bestätigen.
29Und sowohl [die Worte]
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.