Megilla — Blatt 7a
1dieses zweite als auch [die Worte] von Jahr zu Jahr sind nötig. Hieße es nur von Jahr zu Jahr, so könnte der ebengenannte Einwand erhoben werden, daher heißt es auch dieses zweite; und hieße es nur dieses zweite, so könnte man glauben, man lese von vornherein im ersten und im zweiten, daher heißt es von Jahr zu Jahr. –
2Welche Bedeutung haben [die Worte] dieses zweite nach R. Elea͑zar b. R. Jose? – Diese verwendet er für eine Lehre des R. Šemuél b. Jehuda, denn R. Šemuél b. Jehuda sagte: Zuerst hatte man [das Purimfest] für Šušan festgesetzt, später aber für die ganze Welt.
3R. Šemuél b. Jehuda sagte: Ester ließ die Weisen bitten, man möge ihr Fest für die Dauer festsetzen. Diese antworteten ihr: Willst du Haß über uns unter den Völkern erwecken!? Jene erwiderte: Ich bin bereits in die Chroniken der Könige von Medien und Persien eingetragen.
4Rabh, R. Ḥanina, R. Joḥanan und R. Habiba – manche setzen in der ganzen Sektion von den Feiertagen, überall, wo diese Gelehrtengesellschaft vorkommt, R. Jonathan statt R. Joḥanan – lehrten: Ester ließ die Weisen bitten, man möge sie in die [heilige] Schrift eintragen. Diese erwiderten: Fürwahr, ich habe dirs dreifach geschrieben; dreifach und nicht vierfach.
5Bis sie dafür einen Vers in der Tora fanden: Schreibe dies zum Andenken in das Buch; schreibe dies, was hier und im Deuteronomium geschrieben steht; zum Andenken, was in den Propheten geschrieben steht; in das Buch, was in der Esterrolle geschrieben steht.
6[Hierüber streiten] Tannaím: Schreibe dies, was hier geschrieben steht; zum Andenken, was im Deuteronomium geschrieben steht; in das Buch, was in den Propheten geschrieben steht – so R. Jehošua͑. R. Elea͑zar aus Modai͑m erklärte: Schreibe dies, was hier und im Deuteronomium geschrieben steht; zum Andenken, was in den Propheten geschrieben steht; in das Buch, was in der Esterrolle geschrieben steht.
7R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Die Esterrolle verunreinigt die Hände nicht. –
8Demnach wäre Šemuél der Ansicht, [das Buch] Ester sei nicht durch den heiligen Geistabgefaßt worden, während doch Šemuél sagte, [das Buch] Ester sei durch den heiligen Geist abgefaßt worden!? – Es sollte nur gelesen, aber nicht niedergeschrieben werden.
9Man wandte ein: R. Meír sagt, das Buch Qoheleth verunreinige nicht die Hände, und über das Lied der Lieder bestehe ein Streit; R. Jose sagt, das Lied der Lieder verunreinige die Hände, und der Streit bestehe über das Buch Qoheleth. R. Šimo͑n sagt, das Buch Qoheleth gehöre zu den Erleichterungen der Schule Šammajs und Erschwerungen der Schule Hillels, während die Bücher Ruth, das Lied der Lieder und Ester die Hände verunreinigen!? – Er ist der Ansicht R. Jehošua͑s.
10Es wird gelehrt: R. Šimo͑n b. Menasja sagte: Das Buch Qoheleth verunreinige nicht die Hände, weil es nur die Weisheit Šelomos ist. Man entgegnete ihm: Hat er denn nur dies verfaßt, es heißt ja: und er redete dreitausend Sprüche!? Ferner heißt es: tu nichts hinzu zu seinen Worten. –
11Wozu das ‘ferner’!? – Man könnte glauben, er habe noch mehr gedichtet, nur habe er manches niedergeschrieben und manches nicht, so komm und höre: tu nichts hinzu zu seinen Worten.
12Es wird gelehrt: R. Elie͑zer sagte: Das Buch Ester wurde durch den heiligen Geist niedergeschrieben, denn es heißt: und Haman dachte in seinem Herzen. R. A͑qiba sagte: Das Buch Ester wurde durch den heiligen Geist niedergeschrieben, denn es heißt: und Ester erwarb sich Gunst, bei allen, die sie sahen.
13R. Meír sagte: Das Buch Ester wurde durch den heiligen Geist niedergeschrieben, denn es heißt: die Sache wurde Mordekhaj kund. R. Jose b. Durmasqith sagte: Das Buch Ester wurde durch den heiligen Geist niedergeschrieben, denn es heißt: aber nach der Beute streckten sie nicht ihre Hand aus.
14Šemuél sagte: Wenn ich da wäre, würde ich eine Begründung gesagt haben, die besser ist, als jene alle. Es heißt: sie bestätigten es und nahmen es auf sich; sie bestätigten es droben, was sie hienieden auf sich genommen hatten.
15Raba sprach: Jene alle sind zu widerlegen, ausgenommen die des Šemuél, die nicht zu widerlegen ist. Bei der von R. Elie͑zer [angezogenen Stelle] ist es nur ein Schluß. Da niemand beim Könige so angesehen wie [Haman] war und er soviel [Ehrung] verhieß, so ist anzunehmen, daß er es auf sich bezog.
16Desgleichen ist [die Schriftstelle] R. A͑qibas nach R. Elea͑zar zu erklären, welcher sagte, dieslehre, [Ester] sei jedem vorgekommen, als gehöre sie zu seiner Nationalität.
17Ebenso ist die des R. Meír nach R. Ḥija b. Abba zu erklären, welcher sagte, Bigtan und Tereš waren [zwei] Tarser.
18Und auch die des R. Jose b. Durmasqith ist zu erklären, es sind vielleicht Boten ausgesandt worden. Die Begründung Šemuéls aber ist entschieden nicht zu widerlegen. Rabina sprach: Das ist es, was die Leute sagen: Besser ein scharfes Pfefferkorn als ein Korb voll Kürbisse.
19R. Joseph entnimmt dies hieraus: so daß diese Purimtage unter den Juden nicht vergehen werden. R. Naḥman b. Jiçḥaq entnimmt dies hieraus: und ihr Gedächtnis bei ihren Nachkommen niemals aufhören wird.
20UND DIE ARMENGESCHENKE. R. Joseph lehrte: Wobei jeder an seinen Nächsten Gaben sendet, zwei Gaben an eine Person; und Geschenke an die Armen, zwei Geschenke an zwei Personen.
21R. Jehuda der Fürst schickte R. O͑ša͑ja eine Keule von einem Drittlingskalbe und einen Krug Wein; da ließ dieser ihm sagen:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.