Megilla — Blatt 8b

1Aber die Menstruationsverdächtige beweist [das Entgegengesetzte]: sie verunreinigt Lager und Sitz, dennoch benötigt sie nicht der Zählung von sieben [Reinheitstagen].

2Es darf dich daher nicht wundern, wenn auch dieser, obgleich er Lager und Sitz verunreinigt, der Zählung von sieben [Reinheitstagen] nicht benötigt. Daher heißt es: von seinem Flusse, so zähle er, er zähle, auch wenn er nur zum Teil flußbehaftet ist. Dies lehrt, daß der nach zwei Beobachtungen Flußbehaftete der Zählung von sieben [Reinheitstagen] benötigt.

3R. Papa sprach zu Abajje: Weshalb wird diesbezüglich durch [die Worte] von seinem Flusse der nach zwei Beobachtungen Flußbehaftete einbegriffen, und bezüglich [des Opfers] der nach zwei Beobachtungen Flußbehaftete durch [die Worte] von seinem Flusse ausgeschlossen?

4Dieser erwiderte: Wenn er diesbezüglich auszuschließen wäre, so brauchte ja die Schrift davon nur zu schweigen; und wolltest du sagen, man würde es durch einen Schluß folgern, so ist ja von der Menstruationsverdächtigen [das Entgegengesetzte] zu beweisen.

5Wolltest du aber sagen, es sei nötig wegen [der Deutung:] nicht aber von Fluß und Aussatz, so könnte es ja heißen: wenn der Flußbehaftete rein wird; wenn es aber von seinem Flusse heißt, so lehrt dies, daß der nach zwei Beobachtungen Flußbehaftete der Zählung von sieben [Reinheitstagen] benötigt.

6DER ABGESCHLOSSENE AUSSÄTZIGE UNTERSCHEIDETT SICH VOM ABSOLUT AUSSÄTZIGEN NUR HINSICHTLICH DES UNGEPFLEGTENHAARES UND DER ZERRISSENEN KLEIDUNG.

7DER NACH DER ABSCHLIESSUNG REINGEWORDENE UNTERSCHEIDET SICH VOM NACH ABSOLUTER UNREINHEIT REINGEWORDENEN NUR HINSICHTLICH DER HAARSCHUR UND DER OPFERVÖGEL.

8GEMARA. Hinsichtlich des Hinausschickens aber gleichen sie einander.

9Woher dies? – R. Šemuél b. Jiçḥaq lehrte vor R. Hona: So soll ihn der Priester für rein erklären, es ist bloß ein Ausschlag; er soll aber seine Kleider waschen und ist rein; er ist nämlich von vornhereinrein [und frei] vom ungepflegten Haare und der zerrissenen Kleidung.

10Raba sprach zu ihm: Auch vom Flußbehafteten heißt es ja: er wasche aber seine Kleider &c. und er ist rein; was heißt bei diesem rein von vornherein!?

11Vielmehr ist zu erklären, von jetzt ab rein, indem er kein Tongefäß durch das Schütteln verunreinigt, und auch wenn er darauf wiederum [Fluß] bemerkt, die Unreinheit nicht rückwirkend ist, ebenso hierbei: rein von jetzt ab, indem er rückwirkend nicht verunreinigt.

12Vielmehr, sagte Raba, hieraus: der Aussätzige, dem das Übel anhaftet, bei dem der Aussatz am Körper haftet, ausgenommen dieser, bei dem der Aussatz nicht am Körper haftet, sondern von den Tagen abhängig ist.

13Abajje sprach zu ihm: Es heißt ja: alle Tage, an denen er das Übel an sich hat, bleibt er unrein; etwa [auch hierbei:] an dessen Körper der Aussatz haftet, werde [aus dem Lager] geschickt, an dessen Körper der Aussatz nicht haftet, werde nicht hinausgeschickt!?

14Wolltest du sagen, dem sei auch so, so lehrt er ja, daß der abgeschlossene Aussätzige sich vom absoluten Aussätzigen nur hinsichtlich des Ungepflegten Haares und der zerrissenen Kleidung unterscheidet, wonach sie hinsichtlich des Hinausschickens und der Verunreinigung durch das Eintreteneinander gleichen!?

15Dieser erwiderte: [Die Worte] alle Tage schließen den abgeschlossenen Aussätzigen hinsichtlich des Hinausschickens ein. –

16Wieso benötigt er dennoch nicht der Haarschur und der Opfervögel!? Er lehrt nämlich, der nach der Abschließung Reingewordene unterscheide sich vom nach der absoluten Unreinheit Reingewordenen nur hinsichtlich der Haarschur und der Opfervögel!?

17Abajje erwiderte: Die Schrift sagt: der Priester gehe zu ihm außerhalb des Lagers hinaus, und wenn der Priester findet, daß die aussätzige Stelle heil geworden ist; nur bei dem der Aussatz von der Heilung abhängig ist, ausgenommen dieser, bei dem der Aussatz nicht von der Heilung, sondern von den Tagen abhängig ist.

18DIE BÜCHER UNTERSCHEIDEN SICH VON DEN TEPHILLIN UND DEN MEZUZOTH NUR DADURCH, DASS DIE BÜCHER IN JEDER SPRACHE, TEPHILLIN UND MEZUZOTH ABER NUR IN ASSYRISCHER [SCHRIFT] GESCHRIEBEN WERDEN DÜRFEN.

19R. ŠIMO͑N B. GAMLIÉL SAGT, AUCH DIE BÜCHER HABE MAN NUR GRIECHISCH ZU SCHREIBEN ERLAUBT.

20GEMARA. Darin aber, daß sie mit Sehnen zusammenzunähen sind und daß sie die Hände verunreinigen, gleichen sie einander.

21DASS DIE BÜCHER IN JEDER SPRACHE GESCHRIEBEN WERDEN DÜRFEN. Ich will auf einen Widerspruch hinweisen: Hebräisches in targumischer Sprache geschrieben, Targumisches in hebräischer Sprache geschrieben, und beides in [alt]hebräischer Schrift verunreinigen die Hände nicht; nur was in assyrischer Schrift, in Buchform und mit Tinte geschrieben ist!?

22Raba erwiderte: Das ist kein Einwand;

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.