Megilla — Blatt 9a

1eines gilt von unserer Schrift und eines gilt von ihrer Schrift.

2Abajje sprach zu ihm: Wieso heißt es, wenn du diese Lehre auf den Fall beziehst, wenn in ihrer Schrift [geschrieben]: Hebräisches in targumischer Sprache geschrieben oder Targumisches in hebräischer Sprache geschrieben, dies gilt ja auch von Hebräischem in hebräischer Sprache geschrieben und Targumischem in targumischer Sprache geschrieben, denn er lehrt: nur was in assyrischer Schrift, in Buchform und mit Tinte geschrieben ist!? –

3Vielmehr, dies ist kein Widerspruch; eines nach den Rabbanan und eines nach R. Šimo͑n b. Gamliel. –

4Nach R. Šimo͑n b, Gamliél gehört ja dazu auch das Griechische!? – Vielmehr, das ist kein Widerspruch; eines gilt von Büchern und eines gilt von Tephillin und Mezuzoth. –

5Weshalb [nicht] Tephillin und Mezuzoth? – Weil es von ihnen heißt: sie sollen sein, sie müssen bei ihrem ‘sein’ verbleiben. – Was heißt bei diesen ‘Targumisches in hebräischer Sprache geschrieben’: allerdings kommt Targumisches in der Tora vor, beispielsweise [die Worte] jegar sahadutha, wieso aber kommt in jenen Targumisches vor!? –

6Vielmehr, das ist kein Widerspruch; eines gilt von der Esterrolle und eines gilt von Büchern. – Weshalb [nicht] die Esterrolle? – Weil es darin heißt: gemäß ihrer Schrift und ihrer Sprache. – Was heißt bei dieser Targumisches in hebräischer Sprache geschrieben!?

7R. Papa erwiderte: Wird dann die Verordnung des Königs vernommen. R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: So werden alle Frauen ihren Männern Ehre geben.

8R. Aši erklärte: Jene Lehre spricht von den übrigen Büchern, und zwar nach R. Jehuda. Es wird nämlich gelehrt: Tephillin und Mezuzoth dürfen nur assyrisch geschrieben werden; unsere Meister erlaubten auch griechisch.

9Es heißt ja aber: sie sollen sein!? – Lies vielmehr: die Bücher dürfen in jeder Sprache geschrieben werden; unsere Meister erlaubten griechisch. – ‘Erlaubten’, ist es denn nach dem ersten Tanna verboten!? –

10Lies vielmehr: erlaubten nur griechisch zu schreiben. Hierzu wird gelehrt: R. Jehuda sagte: Wenn unsere Meister auch griechisch erlaubt haben, so haben sie es nur beim Buche der Tora erlaubt, wegen des Ereignisses mit dem Könige Ptolemäus.

11Es wird nämlich gelehrt: Einst berief der König Ptolemäus zweiundsiebzig Greise und setzte sie in zweiundsiebzig Häuser, ohne ihnen zu sagen, zu welchem Behufe er sie berufen habe. Alsdann ging er zu jedem besonders und sprach zu ihm: Schreibe mir die Tora eures Meisters Moše. Da gab der Heilige, gepriesen sei er, ein und denselben Gedanken in ihr Herz, daß sie alle in der gleichen Beschlußfassung übereinstimmten.

12Sie schrieben: Der Herr schuf anfangs. Ich will einen Menschen machen in Bild und Form.

13Und er vollendete am sechsten Tage &c. und ruhte am siebenten Tage. Als Mann und Weib erschuf er ihn; sie schrieben aber nicht: erschuf er sie.

14Wohlan! ich fahre hinab und verwirre ihre Sprache. Da lachte Sara in sich hinein.

15Denn in ihrem Zorne haben sie einen Ochsen erschlagen und in ihrem Übermute ein Mastvieh verstümmelt. Da ließ Moše sein Weib und seine Söhne auf einen Menschenträger sitzen.

16Die Zeit aber, die die Kinder Jisraél in Miçrajim und in den übrigen Ländern zugebracht hatten, betrug vierhundert [und dreißig] Jahre. Da sandte er die Zaṭuṭe der Kinder Jisraél. Wider die Zaṭuṭe der Kinder Jisraél aber reckte er seine Hand nicht aus.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.