Meïla — Blatt 16b

1R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Die Geißelung wegen Essens von Kriechtieren erfolgt bei Olivengröße, denn bei diesen wird [der Ausdruck] ‘essen’gebraucht. –

2R. Jose b. R. Ḥanina lehrte ja aber vor R. Joḥanan:Ihr sollt zwischen dem reinen Vieh und dem unreinen unterscheiden, zwischen dem unreinen Vogel und dem reinen, daß ihr eure Seelen nicht beekelt durch Vieh und Geflügel und alles, was auf dem Erdboden sich regt, das ich euch als unrein ausgesondert habe; die Schrift beginnt mit dem Essenund schließt mit der Unreinheit,

3[um zu lehren:] wie die Unreinheit bei Linsengröße, ebenso das Essen bei Linsengröße. Und R. Joḥanan lobte ihn. Dies ist ja ein Einwand gegen Rabh!? –

4Das ist kein Einwand; eines gilt von totenund eines gilt von lebenden.

5Abajje sprach zu ihm: Er bezieht sich ja auf unsere Mišna, und unsere Mišna spricht ja von allen Kriechtieren, auch von toten, (undnicht ein wenig von diesen und ein wenig von jenen)!? R. Joseph erwiderte ihm: Dasist deine Bezugnahme.

6Rabh trug eine unabhängige Lehre vor, und R. Joḥanan lobte ihn. Man wandte ein: Bei [ganzen] Gliederngibt es kein festgesetztes Quantum; auch weniger als eine Olive vom Aase und weniger als eine Linse vom Kriechtiere sind verunreinigend. Hierzu sagte R. Joḥanan, zu geißeln sei dieserhalb nur bei Olivengröße.

7Raba erwiderte: Die Schrift spricht von den ausgesonderten.

8R. Ada b. Ahaba sprach zu Raba: Demnach sollte auch beim Viehzwischen ausgesondert und nicht ausgesondertunterschieden werden!?

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.