Meïla — Blatt 19a

1erfolgt dies ja nur dann, wenn es aus dem Heiligtume in Profanbesitzkommt,

2woher dies von dem Falle, wenn es aus dem Heiligtume in das Heiligtum kommt, wenn man beispielsweise für [Geld vom] Heiligen die Taubenpaare für männliche oder weibliche Flußbehafteteoder die Taubenpaare für Wöchnerinnengekauft,

3seinen Šeqelentrichtet oder sein Sündopfer oder sein Schuldopfer gebracht hat, wobei man eine Veruntreuung begeht, wie R. Šimo͑n sagt, sobald man [das Geld] ausgegeben hat, und wie R. Jehuda sagt, wenn man das Blut gesprengt hat? Es heißt: eine Veruntreuung begeht, auf jede Weise.

4Der Meister sagte: Eine Person, sowohl ein Gemeiner, als auch der Fürst, als auch der gesalbte Priester. Wieso könnte man diesglauben, es ist ja selbstverständlich, denn hierbei heißt es ja eine Person!? –

5Man könnte dies glauben, weil der Allbarmherzige sagt:und wer davon auf einen Gemeinen tut, und dieser ist kein Gemeiner, denn er ist ja damit gesalbt worden, so lehrt er uns.

6Der Allbarmherzige hat nämlich [die Veruntreuung] mit der Ehebruchsverdächtigten, mit dem Götzendienste und mit der Hebeverglichen. Bei der Ehebruchsverdächtigten gilt [das Gesetz] auch dann, wenn keine Minderung erfolgtist. Desgleichen beim Geheiligten, denn [eine Frau] begeht eine Veruntreuung, wenn sie nur einen Ring an ihre Hand gelegt hat.

7Ferner vergleicht sie der Allbarmherzige mit dem Götzendienste; wie dabei eine Änderungerfolgt, ebenso beim Geheiligten, wenn man [beispielsweise] mit einer Axt gespalten und sie gemindert hat.

8Und ferner vergleicht sie der Allbarmherzige mit der Hebe, wie es bei der Hebe heißt:wenn jemand ißt, nicht aber beschädigt, ebenso ist man beim Geheiligten frei, wenn man Eßbares beschädigt.

9ZUM BEISPIEL: LEGT [EINE FRAU] EINE HALSKETTE &C. R. Kahana sprach zu R. Zebid: Erfolgt denn beim Golde keine Minderung, wo ist denn das Gold der Schwiegertochter Nunshingekommen!?

10Dieser erwiderte: Vielleicht ist es das Gold, das deine Schwiegertöchter umherwerfen. Ferner: zugegeben, daß nicht Nutznießung und Minderung sofort erfolgen, aber erfolgt etwa nicht eine Minderung später!?

11VON EINEM SÜNDOPFER NIESSBRAUCHT &C. Merke, ist es ein fehlerfreies Vieh, so ist es ja der Fall vom goldenen Becher!? R. Papa erwiderte: Dies gilt von einem fehlerbehafteten.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.