Meïla — Blatt 2b
1Sie fragten: Sind sie, wenn sie hinaufgekommensind, herabzunehmen? – Rabba sagt, wenn sie hinaufgekommen sind, seien sie herabzunehmen, und R. Joseph sagt, wenn sie hinaufgekommen sind, seien sie nicht herabzunehmen.
2Nach R. Jehuda (ist dies nicht fraglich) streiten sie nicht, sondern stimmen überein, daß, wenn sie hinaufgekommen sind, sie herabzunehmen sind, sie streiten nur nach R. Šimo͑n.
3R.Joseph ist entschieden der Ansicht R. Šimo͑ns, aber auch Rabba kann dir erwidern: R. Šimo͑n sagt dies nur von dem Falle, wenn man das unterhalbzu sprengende [Blut] oberhalb oder das oberhalb zu sprengende unterhalb gesprengt hat,
4jedoch an der Nordseite [das Opfer] geschlachtet und das Blut aufgenommen hat; hierbei aber, wo man es an der Südseite geschlachtet hat, gilt es als erdrosselt. –
5Wir haben gelernt: Beim Hochheiligen, das man an der Südseite geschlachtet hat, gibt es eine Veruntreuung. Erklärlich ist dies allerdings nach R. Joseph, gegen Rabba aber ist dies ja ein Einwand!? – Unter Veruntreuung ist eine rabbanitische zu verstehen. –
6Welchen Unterschied gibt es zwischen einer der Tora und einer rabbanitischen? – Wegen einer der Tora ist das Fünftelzu zahlen, wegen einer rabbanitischen nicht –
7Gibt es denn eine rabbanitische Veruntreuung? – Freilich. U͑la sagte im Namen R. Joḥanans, Opfertiere, die verendet sind, unterliegen nach der Tora nicht mehr der Veruntreuung; bei diesen gibt es also keine nach der Tora, wohl aber rabbanitisch, ebenso auch hierbei rabbanitisch. –
8Demnach lehrt ja bereits unsere Mišna das, was U͑la im Namen R. Joḥanans gesagt hat? – Obgleich dies gelehrt wird, ist auch die Lehre U͑las nötig; man könnte glauben, nur an diesen, weil man solchenicht meidet,
9an Opfertieren aber, die verendet sind, die manmeidet, begehe man auch rabbanitisch keine Veruntreuung, so lehrt er uns. –
10Auch vom verendeten haben wir dies ja bereits gelernt: wer von einem Sündopfernießbraucht, begeht, wenn es ein lebendes ist, eine Veruntreuung, erst wenn er [dessen Wert] geminderthat, und wenn es ein totes ist, eine Veruntreuung, sobald er einen Nutzen hat!? –
11Man könnte glauben,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.