Menachot — Blatt 100a
1Aus der Mündung der Enge; aus dem Fegefeuer, dessen Mündung eng ist, damit der Rauch sich darin ansammle.
2Vielleicht glaubst du, wie seine Mündung eng ist, sei auch sein Inneres eng, so heißt es: tief und weit. Vielleicht glaubst du, für einen König sei es nicht da, so heißt es: auch für den König ist es bereitet. Vielleicht glaubst du, da sei kein Holz da, so heißt es:sein Scheiterhaufe hat Feuer und Holz in Fülle. Vielleicht glaubst du, [nur] diessei ihrLohn, so heißt es:die Besetzung deines Tisches ist reich an Fett.
3FIEL DER VERSÖHNUNGSTAG AUF EINEN ŠABBATH &C. Rabba b. Bar Ḥana sagte im Namen R. Joḥanans: Es waren nicht Babylonier, sondern Alexandriner, und nur weil siedie Babylonier hassen, belegen sie jene mit dem Namen Babylonier.
4Ebenso wird auch gelehrt: R. Jose sagte: Es waren nicht Babylonier, sondern Alexandriner, und nur weil sie die Babylonier hassen, belegen sie jene mit dem Namen Babylonier. R. Jehuda sprach zu ihm: Finde Befriedigung, wie du mich befriedigt hast.
5HAT MAN DAS BROT AM ŠABBATH AUFGESCHICHTET, DIE SCHALEN [WEIHRAUCH] NACH DEM ŠABBATH, UND AM [FOLGENDEN] ŠABBATH DIE SCHALEN AUFGERÄUCHERT, SO IST ESUNTAUGLICH, UND MAN IST WEGEN DIESES NICHT SCHULDIGWEGEN VERWERFLICHEM, ÜBRIGGEBLIEBENEM UND UNREINHEIT.
6HAT MAN DAS BROT UND DIE SCHALEN AM ŠABBATH AUFGESCHICHTET UND DIE SCHALEN NACH DEM ŠABBATHAUFGERÄUCHERT, SO IST ES UNTAUGLICH, UND MAN IST WEGEN DIESES NICHT SCHULDIG WEGEN VERWERFLICHEM, ÜBRIGGEBLIEBENEM UND UNREINHEIT.
7WAS MACHE MAN, WENN MAN DAS BROT UND DIE SCHALEN NACH DEM ŠABBATH AUFGESCHICHTET UND DIE SCHALEN AM ŠABBATH AUFGERÄUCHERT HAT? MAN LASSEES FÜR DEN FOLGENDEN ŠABBATH, DENN AUCH WENN ES SICH VIELE TAGE AUF DEM TISCHE BEFINDET, IST NICHTS DABEI.
8GEMARA. Dort haben wir gelernt: Der Beamte sprach zu ihnen: Geht und schauet, ob die Zeit zum Schlachtenherangereicht ist. Sobald sie herangereicht war, so sprach der Beobachtende: Ein Lichtschein! Hierauf fragte Mathjab. Šemuél: Ist die ganze Ostseite hell? Bis Ḥebron? Und dieser erwiderte: Jawohl.
9Wozu war dies alles nötig? Weil sie einmal, als das Mondlicht aufgegangen war, glaubten, das [Morgen]licht sei im Osten aufgegangen, und sie schlachteten das beständige Opfer, das sie [nachher]in den Verbrennungsraum brachten.
10Hierauf führte man den Hochpriester zum Tauchbade hinunter. Folgende Bestimmung war im Tempel eingeführt: wer seine Notdurft verrichtet, muß ein Tauchbad nehmen, wer Wasser läßt, muß Hände und Füße waschen.
11Der Vater R. Abins lehrte: Nicht nur dieses, auch ein Geflügel-Brandopfer, dem nachts [der Kopf] abgekniffen, und ein Speisopfer, von dem nachts der Haufe abgehoben wurde, kommt in den Verbrennungsraum. –
12Einleuchtend ist dies vom Geflügel-Brandopfer, weil man es nicht mehr rückgängig machen kann, beim Speisopfer aber kann man ja den Haufen zurücklegen und ihn am Tage abheben!?
13Er lehrte dies und er selbst erklärte es auch: Die Dienstgefäße heiligenauch außerhalb der Zeit.
14Man wandte ein: Was am Tage dargebracht wird, wird am Tage heilig, was nachts, wird nachts heilig, was sowohl am Tage als auch nachts, wird sowohl am Tage als auch nachts heilig.
15‘Was am Tage dargebracht wird, wird am Tage heilig’, also nur am Tage, nachts aber nicht!? – Nicht heilig, um dargebracht zu werden, wohl aber heilig, um untauglich zu werden.
16R. Zera wandte ein: Was mache man, wenn man das Brot und die Schalen nach dem Šabbath aufgeschichtet und die Schalen am Šabbath aufgeräuchert hat? Man lasse es für den folgenden Šabbath, denn auch wenn es sich viele Tage auf dem Tische befindet, ist nichts dabei.
17Wenn man nun sagen wollte, Dienstgefäße heiligen auch außerhalb der Zeit, so sollte es ja heilig und untauglich werden!?
18Rabba erwiderte: Wer diesen Einwand erhob, hat Recht, aber der Vater R. Abins lehrt eine Barajtha. Er ist der Ansicht, nachts gebe es kein Fehlender Frist, wohl aber gibt es am Tage ein Fehlen der Frist. –
19Sobald
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.