Menachot — Blatt 99b
1ist die Störung der Tora ihre Erhaltung, denn es heißt: die du zerbrochen hast; der Heilige, gepriesen sei er, sprach nämlich zu Moše: Dankdir, daß du sie zerbrochen hast.
2Ferner sagte Reš Laqiš: Wenn ein Schriftgelehrter ausartet, so ächte man ihn nicht öffentlich, denn es heißt:und strauchelst du am Tage, so strauchelt nachts auch der Prophet mit dir; bedecke ihn wie die Nacht.
3Ferner sagte Reš Laqiš: Wer auch nur ein Wort von seinem Studium vergißt, übertritt ein Verbot, denn es heißt:achte darauf und achte auf deine Seele sehr, daß du nicht die Worte vergißt. Dies nach R. Abin im Namen R. Ilea͑s, denn R. Abin sagte im Namen R. Ilea͑s, überall, wo es achte, daß nicht und nicht heißt, werde ein Verbot ausgedrückt.
4Rabina sagte: [Es heißt] achte und daß nicht, das sind zwei Verbote. R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Drei Verbote, denn es heißt: achte darauf und achte auf deine Seele sehr, daß du nicht die Worte vergißt.
5Man könnte glauben, auch wenn es durch Mißgeschick erfolgt ist, so heißt es: daß sie nicht aus deinem Herzen weichen, die Schrift spricht nur von dem Falle, wenn man sie aus seinem Herzen entweichen läßt. R. Dostaj b. R. Jannaj sagte: Man könnte glauben, auch wenn sein Studium ihm zu schwer geworden ist, so heißt es nur.
6R. Joḥanan und R. Elea͑zar sagten beide: Die Tora wurde in vierzig [Tagen] verliehen und die Seele wird in vierzig [Tagen] gebildet; wer die Tora wahrt, dessen Seele wird gewahrt, und wer die Tora nicht wahrt, dessen Seele wird nicht gewahrt.
7In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Dies ist ebenso als wenn jemand seinem Knechte einen Singvogel anvertraut und zu ihm spricht: Du glaubst vielleicht, wenn du ihn abhanden kommen läßt, nehme ich von dir einen Assar als Ersatz, deine Seele nehme ich dir.
8ZWEI TISCHE WAREN IN DER VORHALLE, INNEN AN DER TÜR DES HAUSES, EINER AUS MARMORUND EINER AUS GOLD: AUF DEN MARMORNEN SETZTE MAN DAS SCHAUBROT AB BEIM HINEINGEHEN UND AUF DEN GOLDENEN BEIM HERAUSKOMMEN,
9WEIL MAN BEIM HEILIGEN STEIGERT UND NICHT HERABSETZT; INNERHALB WAR EINER AUS GOLD, AUF DEM DAS SCHAUBROT SICH DAUERND BEFAND.
10VIER PRIESTER TRATEN EIN; ZWEI HIELTEN IN DEN HÄNDEN DIE ZWEI SCHICHTEN [SCHAUBROTE] UND ZWEI HIELTEN IN DEN HÄNDEN DIE ZWEI SCHALEN [WEIHRAUCH]; IHNEN GINGEN VIER PRIESTER VORAN, ZWEI, UM DIE ZWEI SCHICHTEN FORTZUNEHMEN, UND ZWEI, UM DIE ZWEI SCHALENFORTZUNEHMEN.
11DIE HINEINBRINGENDEN STANDEN IN DER NORDSEITE MIT DEM GESICHTE NACH DER SÜDSEITE, UND DIE HERAUSBRINGENDEN STANDEN IN DER SÜDSEITE MIT DEM GESICHTE NACH DER NORDSEITE; DIE EINEN ZOGENHERVOR UND DIE ANDEREN SETZTENNIEDER; DER HANDRÜCKEN DES EINEN GEGENÜBER DEM HANDRÜCKEN DES ANDEREN, DENN ES HEISST:vor mir beständig.
12R. JOSE SAGTE: AUCH WENN DIE EINEN [ZUERST] FORTNEHMEN UND DIE ANDEREN [NACHHER] NIEDERSETZEN, HEISST DIES BESTÄNDIG.
13SIE KAMEN HERAUS UND LEGTEN SIE AUF DEN GOLDENEN TISCH IN DER VORHALLE, SODANN RÄUCHERTEN SIE DIE SCHALEN [WEIHRAUCH] AUF, UND DIE BROTE WURDEN AN DIE PRIESTER VERTEILT.
14FIEL DER VERSÖHNUNGSTAGAUF EINEN ŠABBATH, SO WURDEN DIE BROTE AM ABEND VERTEILT. FIEL ER AUF DEN VORABEND EINES ŠABBATHS, SO WURDE DER BOCK, DES VERSÖHNUNGSTAGES AM ABENDGEGESSEN. DIE BABYLONIER ASSEN IHN DANN ROH, WEIL SIE SICH NICHT EKELTEN.
15GEMARA. Es wird gelehrt: R. Jose sagte: Selbst wenn man morgens das alte fortgenommen und abends das neue niedergelegt hat, ist nichts dabei, und [die Worte] vor mir beständig sind zu verstehen, der Tisch dürfe über Nacht nicht ohne Brot sein.
16R. Ami sagte: Aus den Worten R. Joses lernen wir, daß, wenn jemand auch nur einen Abschnitt morgens und einen Abschnitt abends lernt, er ausübt das Gebot:nicht soll dieses Bach der Lehre aus deinem Munde weichen.
17R. Joḥanan sagte im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj: Auch wer nur morgens und abends das Šema͑ liest, übt aus [das Gebet:] nicht soll weichen. Dies darf man aber nicht vor Leuten aus dem gemeinen Volke sagen. Raba sagte: Es ist sogar Pflicht, dies vor Leuten aus dem gemeinen Volke zu sagen.
18Ben Dama, ein Schwesterssohn R. Jišma͑éls, fragte R. Jišma͑él: Darf einer wie ich, der ich die ganze Tora gelernt habe, die griechische Weisheitlernen? Da las er ihm folgenden Schriftvers vor: Nicht soll dieses Buch der Lehre aus deinem Munde weichen, und sinne darüber Tag und Nacht. Suche dir eine Stunde, die weder zum Tage noch zur Nacht gehört, und lerne dann die griechische Weisheit.
19Er streitet somit gegen R. Šemuél b. Naḥmani, denn R. Šemuél b. Naḥmani sagte im Namen R. Jonathans: Dieser Schriftvers ist weder Pflicht noch Gebot, sondern ein Segen. Der Heilige, gepriesen sei er, sah nämlich, daß die Worte der Tora ihm besonders lieb waren, wie es heißt:und sein Diener Jehošua͑, der Sohn Nuns, wich nicht aus dem Zelte, da sprach er zu ihm: Jehošua͑, dieweil die Worte der Tora dir so lieb sind, so soll dieses Buch der Lehre nicht aus deinem Munde weichen.
20In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Die Worte der Tora sollen dir nicht als Pflicht erscheinen, auch darfst du dich ihrer nicht befreien.
21Ḥizqija sagte: Es heißt:wenn er dich auch verleitet hat aus der Mündung der Enge in Wohlstand ohne Beengung. Komm und sieh, wie die Handlungsweise des Heiligen, gepriesen sei er, anders ist als die Handlungsweise eines [Menschen aus] Fleisch und Blut. Ein Mensch aus Fleisch und Blut verleitetden anderen von den Wegen des Lebens auf die Wege des Todes, der Heilige, gepriesen sei er, aber verleitet den Menschen von den Wegen des Todes auf die Wege des Lebens, denn es heißt: wenn er dich auch verleitet hat.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.