Menachot — Blatt 101b
1das zu steinigendeRind, das genickbrocheneKalb, die Vögel des Aussätzigen, das Erstgeborene eines Eselsund Fleisch in Milch sind sämtlichals Speisen verunreinigungsfähig.
2R. Šimo͑n sagt, sie alle seien als Speise nicht verunreinigungsfähig; jedoch pflichtet R. Šimo͑n bei, daß Fleisch in Milch als Speise verunreinigungsfähig sei, da es eine Zeit der Tauglichkeithatte.
3Hierzu sagte R. Asi im Namen R. Joḥanans: Folgendes ist der Grund R. Šimo͑ns:von jeder Speise, die gegessen wird; eine Speise, die man anderenzu essen geben darf, heißt Speise, und eine Speise, die man anderen nicht zu essen gebendarf, heißt nicht Speise.
4Das verwerfliche Speisopfer ist ebenfalls eine Speise, die man anderen nicht zu essen gebendarf. –
5Demnachsollte auch beim Fleische in Milch der Umstand berücksichtigt werden, daß es eine Speise ist, die man anderen zu essen gebendarf!?
6Es wird nämlich gelehrt: R. Šimo͑n b. Jehuda sagte im Namen R. Šimo͑ns: Fleisch in Milch ist zum Essen verboten und zur Nutznießung erlaubt, denn es heißt:du bist ein heiliges Volk dem Herrn, deinem Gott, du sollst kein Zicklein in der Milch seiner Mutter kochen, und dortheißt es: heilige Leute sollt ihr mir sein, Fleisch von Zerrissenem auf dem Felde sollt ihr nicht essen; wie dieses zum Essen verboten und zur Nutznießung erlaubtist, ebenso ist auch jenes zum Essen verboten und zur Nutznießung erlaubt. –
7Zu diesem Grunde führt er noch einen anderen an; erstens ist es eine Speise, die man anderen zu essen geben darf, und zweitens hatte es auch für ihn selbst eine Zeit der Tauglichkeit.
8Man wandte ein: R. Šimo͑n sagte: Es gibt Übriggebliebenes, das als Speise verunreinigungsfähig ist, und es gibt Übriggebliebenes, das nicht als Speise verunreinigungsfähig ist,
9und zwar: hat es vor dem [Blut]sprengen übernachtet, so ist esnicht als Speise verunreinigungsfähig, wenn nach dem Sprengen, so ist es als Speise verunreinigungsfähig.
10Verwerfliches, sowohl von Hochheiligem als auch von Minderheiligem, ist nicht als Speise verunreinigungsfähig; hat man ein Speisopfer verwerflich gemacht, so ist es als Speise verunreinigungsfähig!? –
11Das ist kein Einwand; eines, wenn es eine Zeit der Tauglichkeit hatte, und eines, wenn es keine Zeit der Tauglichkeit hatte. –
12In welchem Falle hatte es keine Zeit der Tauglichkeit? –
13Wenn man es [am Boden] haftend geheiligt hat. – Man konnte es ja auslösen!?
14Allerdings nach der Lesart, nach der R. Oša͑ja sagt, unrein seien sie auszulösen, rein seien sie nicht auszulösen, nach der Lesart aber, nach der er sagt, sie seien auch rein auszulösen, konnte man es ja auslösen!? –
15Tatsächlich aber hat man es nicht ausgelöst. –
16Wenn man aber wollte, könnte man es ja auslösen, und wir wissen von R. Šimo͑n, daß er der Ansicht ist, was zum Auslösen dasteht. gelte als ausgelöst!?
17Es wird nämlich gelehrt: R. Šimo͑n sagt, die [rote] Kuhistals Speise verunreinigungsfähig, weil sie eine Zeit der Tauglichkeithatte, und Reš Laqiš erklärte, R. Šimo͑n sei der Ansicht, die [rote] Kuh könne noch dann ausgelöst werden, wenn sie sich bereits auf dem Herrichtungsplatzebefindet. –
18Es ist ja nicht gleich; allerdings ist die [rote] Kuh zur Auslösung geeignet, denn wenn man eine schönere findet, ist es Gebot, sie auszulösen, ist es aber Gebot, Speisopferauszulösen!? –
19Vom vor dem Sprengen übernachteten, wobei das Sprengen Gebot ist, und wenn man es wollte, sprengen konnte, lehrt er ja, es sei nicht als Speise verunreinigungsfähig!? –
20Hier handelt es sich um den Fall, wenn am Tage keine Zeit zum Sprengenwar. –
21Wozu lehrt er, wenn es demnach als Speise verunreinigungsfähig ist, falls hierfür am Tage Zeit war, daß es, wenn es nach dem Sprengen übernachtet hat, als Speise verunreinigungsfähig sei,
22sollte er doch den Unterschied hinsichtlich des einen Falles lehren: dies gilt nur von dem Falle, wenn hierfür am Tage keine Zeit war, war aber hierfür am Tage Zeit, so ist es als Speise verunreinigungsfähig!? –
23Dies meint er auch: ist es übernachtet, bevor es zur Sprengung geeignet war, so ist es nicht als Speise verunreinigungsfähig, wenn aber nachdem es zur Sprengung geeignet war, so ist es als Speise verunreinigungsfähig. –
24Er lehrt ja aber, wenn man Hochheiliges oder Minderheiliges verwerflich gemacht hat, wobei das Sprengen Gebot ist
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.