Menachot — Blatt 103a

1wenn er es beim Spenden bestimmt hat, nicht aber, wenn bei der Absonderung.

2Wie du gelobt hast, nicht aber, wie du abgesondert hast.

3Es wurde auch gelehrt: R. Aḥa b. Ḥanina sagte im Namen R. Asis im Namen R. Joḥanans: Dies gilt nur von dem Falle, wenn er es beim Spenden bestimmt hat, nicht aber, wenn bei der Absonderung. Wie du gelobt hast, nicht aber, wie du abgesondert hast.

4SAGTE JEMAND, ER SPENDE EIN SPEISOPFER AUS GERSTE, SO BRINGE ER ES AUS WEIZEN; WENN AUS MEHL, SO BRINGE ER ES AUS FEINMEHL; WENN OHNE ÖL UND OHNE WEIHRAUCH, SO BRINGE ER AUCH ÖL UND WEIHRAUCH;

5WENN EIN HALBES I͑SARON, SO BRINGE ER EIN GANZES I͑SARON; WENN ANDERTHALB I͑SARON, SO BRINGE ER ZWEI. R. ŠIMO͑N BEFREIT DAVON, DA ER NICHT SO GESPENDET HAT, WIE MAN SPENDEN SOLL.

6GEMARA. Weshalb denn, dies ist ja ein Gelübde mit einer Tür!?

7Ḥizqija erwiderte: Hier ist die Ansicht der Schule Šammajs vertreten, welche sagt, man richte sich nach der erstenFassung. Es wird nämlich gelehrt: [Sagte jemand,] er wolle Nazir sein inbezug auf Trocken- und Dörrfeigen, so ist er, wie die Schule Šammajs sagt, Nazir, und wie die Schule Hillels sagt, nicht Nazir.

8R. Joḥanan erwiderte: Du kannst auch sagen, die der Schule Hillels, wenn er nämlich sagt, wenn er gewußt hätte, daß man nicht sogeloben kann, würde er nicht so, sondern anders gelobt haben.

9Ḥizqija sagte: Dies gilt nur von dem Falle, wenn er gesagt hat: ein Speisopfer aus Gerste, nicht aber, wenn er gesagt hat: ein Speisopfer aus Linsen.

10Merke, Ḥizqija erklärte sieja nach der Ansicht der Schule Šammajs, und da man sich nach der Schule Šammajs nach der ersten Fassung richte, so ist es ja einerlei, ob er ‘aus Gerste’ oder ‘aus Linsen’ [gesagt hat]!? – Er ist davon zurückgetreten. –

11Weshalb ist er davon zurückgetreten? Raba erwiderte: Unsere Mišna war ihm schwierig: weshalb lehrt sie es von einem Speisopfer aus Gerste, sie sollte es doch von einem aus Linsen lehren!?

12Somit ist hieraus zu entnehmen, daß man sich wohl inbezug auf Gerste irrenkann, nicht aber inbezug auf Linsen.

13R. Joḥanan aber sagte: Auch wenn er ‘aus Linsen’ [gesagt hat]. - Merke, R. Joḥanan erklärt sie ja nach der Schule Hillels, und da es nach der Schule Hillels aus dem Grunde erfolgt, weil er sich geirrt hat, so kann er sich wohl bei einem aus Gerste geirrt haben, nicht aber bei einem aus Linsen!? –

14Er sagte es nach der Ansicht Ḥizqijas: du bist davon zurückgetreten aus dem Grunde, weil er es nicht von einem aus Linsen lehrt; vielleicht ist es diesbezüglich nicht zu lehren nötig.

15Selbstverständlich ist dies von dem Falle, wenn er ‘aus Linsen’ [gesagt hat], wo anzunehmen ist, er wollte zurücktreten, und man sich nach der erstenFassung richte, aber auch wenn er ‘aus Gerste’ [gesagt hat], wo anzunehmen ist, er habe sich geirrt, richte man sich nach der ersten Fassung.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.