Menachot — Blatt 108b

1GEMARA. Du sagtest ja in der ersten Lehre, wer ‘einen Ochsen für eine Mine’ [gesagt] und zwei im Werte einer Mine gebracht hat, habe seiner Pflicht nicht genügt!? –

2Anders ist es, wenn er ‘dieses Rind’ gesagt und es ein Gebrechen bekommen hat.

3WENN [ER GESAGT HAT:] DIESE BEIDEN OCHSEN SOLLEN BRANDOPFER SEIN, UND SIE GEBRECHEN BEKOMMEN HABEN, SO KANN ER, WENN ER WILL, FÜR DEN ERLÖS EINEN BRINGEN; RABBI VERBIETET DIES. Aus welchem Grunde? –

4Dies ist ebenso, als würde er ‘einen großen’ [gesagt] und einen kleinen gebracht haben. Und obgleich er ein Gebrechen bekommenhat, so erlaubt Rabbi es dennoch nicht von vornherein. –

5Sollte er auch über den ersten Fallstreiten!? –

6Rabbi bezieht sich auf die ganze Lehre; er wartete bis die Rabbanan ihre Worte zuende führen, sodann streitet er gegen sie.

7Dies ist auch zu beweisen, denn er lehrt auch: wenn [er gesagt hat:] dieser Widder sei ein Brandopfer, und er ein Gebrechen bekommen hat, so kann er, wenn er will, für den Erlös ein Lamm bringen; wenn [er gesagt hat:] dieses Lamm sei ein Brandopfer, und es ein Gebrechen bekommen hat, so kann er, wenn er will, für den Erlös einen Widder bringen; Rabbi verbietet dies. Schließe hieraus.

8Sie fragten: Wie verhält es sich bei einer Art für eine andereArt? –

9Komm und höre: Wenn [jemand gesagt hat:] dieser Ochs sei ein Brandopfer, und er ein Gebrechen bekommen hat, so darf er für den Erlös keinen Widder bringen, wohl aber darf er für den Erlös zwei Widder bringen. Rabbi verbietet dies, weil es keine Vermischunggibt. Schließe hieraus. –

10Wieso gilt dies demnachnur von zwei, dies sollte ja auch von einem gelten, denn in einem Falle, wenn es ein Gebrechen bekommen hat, unterscheiden ja die Rabbanan nicht zwischen einem großenund einem kleinen!? –

11Zwei Tannaím streiten über die Ansicht der Rabbanan.

12«Rabbi verbietet dies, weil es keine Vermischung gibt.» Also nur aus dem Grunde, weil es keine Vermischung gibt, sonst aber wäre dies erlaubt,

13und dem widersprechend haben wir gelernt: Wenn [er gesagt hat:] dieser Widder sei ein Brandopfer, und er ein Gebrechen bekommen hat, so kann er, wenn er will, für den Erlös ein Lamm bringen; wenn [er gesagt hat:] dieses Lamm sei ein Brandopfer, und es ein Gebrechen bekommen hat, so kann er, wenn er will, für den Erlös einen Widder bringen; Rabbi verbietet dies. –

14Zwei Tannaím streiten über die Ansicht Rabbis.

15Hat er von tauglichen [Tieren]statt eines Kalbes einen Farren, oder statt eines Lammes einen Widder gebracht, so hat er seiner Pflicht genügt. Eine anonyme Lehre nach den Rabbanan.

16SO KANN ER, WENN ER WILL, FÜR DEN ERLÖS ZWEI BRINGEN &C. R. Menasja b. Zebid sagte im Namen Rabhs: Dies lehrten sie nur von dem Falle, wenn er gesagt hat: dieser Ochs sei ein Brandopfer, wenn er aber gesagt hat: ich nehme auf mich, diesen Ochsen als Brandopfer zu bringen, so ist esbestimmt worden. –

17Vielleicht wollte er sagen, er nehme die Darbringungauf sich!? –

18Vielmehr, ist dies gelehrt worden, so wird es wie folgt lauten: R. Menasja b. Zebid sagte im Namen Rabhs: Dies lehrten sie nur von dem Falle, wenn er gesagt hat: dieser Ochs sei ein Brandopfer, oder: ich nehme auf mich, diesen Ochsen als Brandopfer zu bringen, wenn er aber gesagt hat: ich nehme auf mich, diesen Ochsen oder seinen Wertals Brandopfer zu bringen, so ist es bestimmt worden.

19WENN JEMAND GESAGT HAT: EINES VON MEINEN LÄMMERN SEI HEILIG, ODER EINER VON MEINEN OCHSEN SEI HEILIG, SO IST, WENN ER ZWEI HAT, DAS GRÖSSERE, UND WENN DREI, DAS MITTLERE UNTER IHNEN HEILIG. [SAGT ER:] ICH HABE EINES GENANNT, WEISS ABER NICHT, WELCHES ICH GENANNT HABE, ODER: MEIN VATERHAT MIR EINES GENANNT, WEISS ABER NICHT, WELCHES, SO IST DAS GRÖSSTE UNTER IHNEN HEILIG.

20GEMARA. Der Weihende tut dies somitmit gönnendem Auge; wie ist demnach der Schlußsatz zu erklären: [so ist] das mittlere unter ihnen heilig; demnachtut dies ja der Weihende mit mißgönnendem Auge!?

21Šemuél erwiderte: Man berücksichtige auchdas mittlere, denn dem kleinsten gegenüber heißt dies mit gönnendem Auge. –

22Wie macheer es? R. Ḥija b. Rabh erwiderte: Er warte, bis es ein Gebrechen bekommt, sodann übertrage er seine Heiligkeit auf das größte.

23R. Naḥman sagte im Namen des Rabba b. Abuha: Dies lehrten sie nur von dem Falle, wenn er gesagt hat: einer von meinen Ochsen sei heilig, wenn er aber gesagt hat: ein Ochs unter meinen Ochsen sei heilig, so ist der größte unter ihnen heilig, denn er meinte den [bedeutendsten] Ochsen unter seinen Ochsen. –

24Dem ist aber nicht so, R. Hona sagte ja im Namen R. Ḥijas im Namen U͑las, wer zu seinem Nächsten gesagt hat, er verkaufe ihm einen Raum in seinem Hause, zeige ihm einen Söller; doch wohl, weil er das schlechtesteist!? – Nein, das beste im Hause.

25Man wandte ein: [Wenn jemand gesagt hat:] ein Ochs unter meinen Ochsen sei heilig, und ebenso wenn ein Ochs des Heiligtums mit anderen vermischt worden ist, so ist der größte unter ihnen heilig, und alle übrigen sind als Brandopfer zu verkaufen, während der Erlös profan ist!? –

26Diesist auf den Fall zu beziehen, wenn ein Ochs des Heiligtums mit anderen vermischt worden ist. – Es heißt ja: und ebenso!? – Dies bezieht sich auf den größten.

27Man wandte ein: Wenn [er zu ihm gesagt hat,] er verkaufe ihm ein Haus unter seinen Häusern, und eines eingestürzt ist, so zeige er ihmdas eingestürzte; er verkaufe ihm einen Sklaven unter seinen Sklaven, und einer gestorben ist, so zeige er ihm den toten.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.