Menachot — Blatt 11a

1ODER EIN STÜCK WEIHRAUCH MIT IN DIE HAND GEKOMMEN IST, SO IST ER UNTAUGLICH.

2Wozu ist [die Nennung] all dieser Dinge nötig? – Dies ist nötig. Würde er es nur von einem Steinchen gelehrt haben, [so könnte man glauben,] weil es zur Darbringung nicht geeignet ist,

3wenn aber Salz, das zur Darbringung geeignetist, sei es tauglich. Und würde er es nur vom Salze gelehrt haben, [so könnte man glauben,] weil es nicht von vornherein zum Speisopfer gehört, da nur der Haufe zu salzen ist, wenn aber Weihrauch, der von vornherein zum Speisopfer gehört, sei es tauglich, so lehrt er uns.

4DENN SIE SAGTEN, DER ÜBERVOLLE UND DER UNVOLLSTÄNDIGE HAUFE SEI UNTAUGLICH. Weshalb gerade, weil er unvollständig oder übervoll ist, diessollte ja schon wegen der Trennungerfolgen!? R. Jirmeja erwiderte: An der Seite.

5Abajje fragte Raba: Wie erfolgt das Abhäufen? Dieser erwiderte: Wie die Leute abzuhäufenpflegen. Er wandte gegen ihn ein: Das ist der Spannfinger, das ist der Hauffinger, das ist der Ellenfinger, das ist der Zeigefinger,

6das ist der Daumen!? –

7Zum glattstreichen. (Er hob nämlich eine Handvoll ab, damit [der Haufe] nicht unvollständig sei, und strich unten mit dem kleinen Finger ab). –

8Wie machte er es? R. Zuṭra b. Ṭobija erwiderte im Namen Rabhs: Er bog die drei Finger über den Handteller und hob ab.

9Ebenso wird auch gelehrt:Seinen Haufen voll, man könnte glauben, gestrotzt, so heißt es:inseinem Haufen;

10wenn in seinem Haufen, so könnte man glauben, mit den Fingerspitzen, so heißt es: seinen Haufen voll. Wie machte er es? Er bog die drei Finger über den Handteller und hob ab;

11beim Pfannenopfer und beim Tiegelopfer strich er oben mit dem Daumen und unten mit dem kleinen Finger ab. Dies war eine schwierige Dienstverrichtung im Tempel. –

12Dies und nichts weiter, es gibt ja noch das Abkneifenund das Abheben!? – Sage vielmehr, dies war eine der schwierigen Dienst Verrichtungen im Tempel.

13R. Papa sagte: Es ist mir entschieden, daß das Abhäufen so zu erfolgen hat, wie die Leute abzuhäufen pflegen. Folgendes aber fragte R. Papa: Wie ist es, wenn er mit den Fingerspitzen abgehäuft hat?

14Wenn von der Seite? Wenn von unten nach oben? – Dies bleibt unentschieden.

15R. Papa sagte: Es ist mir entschieden, daß die Hände vollso zu erfolgen hat, wie die Leute die Hände voll abzuheben pflegen. Folgendes aber fragte R. Papa: Wie ist es, wenn er mit den Fingerspitzen abgehoben hat? Wenn von der Seite? Wenn mit jeder [Hand] besonders und sie aneinander gerückt hat? – Dies bleibt unentschieden.

16R. Papa fragte: Wie ist es, wenn er den Haufen an die Wand des Gefäßes gedrückthat: muß es sich im Innern des Gefäßes befinden, was hierbei der Fall ist, oder muß es in das Innere hineingelegt werden, was hierbei nicht der Fall ist. – Dies bleibt unentschieden.

17Mar, Sohn des R. Aši, fragte: Wie ist es, wenn er das Gefäß umgestülpt und an den Boden gedrückt hat: muß es in das Innere hineingelegt werden, was hierbei der Fall ist, oder muß es in der richtigen Weise erfolgen, was hierbei nicht der Fall ist? – Dies bleibt unentschieden.

18WIE MACHT ER ES? ER BIEGT DIE FINGER ÜBER DEN HANDTELLER. TAT ER DAZU ZUVIEL SEINES ÖLS, ZU WENIGSEINES ÖLS ODER ZU WENIG SEINES WEIHRAUCHS, SO IST ES UNTAUGLICH.

19GEMARA. Was heißt zu viel Öl? R. Elea͑zarerwiderte: Wenn man hierfürzwei Log reservierthat. – Sollte er doch erklären: wenn man profanes Öl oder Öl von einem anderen [Speisopfer] beimischt!?

20Wolltest du erwidern, durch profanes Öl und Öl von einem anderen [Speisopfer] werde es nicht untauglich, wieso kann demnach, so entgegnete R. Zuṭra b. Ṭobija, das Sünd-Speisopferdurch Beifügung von Öl untauglich werden:

21wenn durch sein eigenes, so gehört ja keines dazu, wenn durch profanes oder von einem anderen [Speisopfer], so sagst du ja, es werde dadurch nicht untauglich, und hat man hierfür Öl reserviert, so ist es ja, da zu diesem keines gehört, profan!? –

22Und R. Elea͑zar!? – Dies ist selbstverständlich; selbstverständlich ist es durch profanes [Öl] oder von einem anderen [Sündopfer] untauglich, man könnte aber glauben, wenn man zwei Log reserviert hat, sei es nicht untauglich, weil sowohl das eine als auch das andere hierfür geeignet ist, so lehrt er uns. –

23Woher entnimmt dies R. Elea͑zar? Raba erwiderte: Unsere Mišna ist ihm auffallend; wozu heißt es: zu viel seines Öls, es sollte ja heißen: zu viel Öl!? Vielmehr lehrt er uns folgendes: selbst wenn man hierfür zwei Log Öl reserviert hat.

24ZU WENIG SEINES WEIHRAUCHS. Die Rabbanan lehrten: Ist [der Weihrauch] bis auf ein Stückchen vermindert, worden, so ist es untauglich, wenn auf zwei Stückchen, so ist es tauglich – so R. Jehuda. R. Šimo͑n sagt, wenn auf ein Stückchen, sei es tauglich, wenn aber auf weniger, sei es untauglich. –

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.