Menachot — Blatt 12b
1so lehrt er es auch nicht hinsichtlich des Zurückbleibenden, und im Schlußsatze (der Lehre R. Ḥijas) wird gelehrt, es sei verwerflich, und man mache sich der Ausrottung schuldig. Demnach ist die Aufräucherungvon Wirkung. Abajje sprach zu ihm:
2Nein, hier ist die Ansicht R. Elea͑zars vertreten, denn wir haben gelernt: Hat man vom Haufen, vom Weihrauch, vom Räucherwerke, vom Speisopfer der Priester, vom Speisopfer des gesalbten Priesters und vom Speisopfer des Gußopfers eine Olive außerhalb dargebracht, so ist man schuldig; nach R. Elea͑zar ist man frei, es sei denn, daß man es vollständig dargebracht hat.
3Da er nun hinsichtlich der Aufräucherung des Haufens nicht ‘oder eine Olive vom Haufen außerhalb’ lehrenkann, lehrt er auch hinsichtlich des Zurückbleibenden nicht ‘oder eine Olive’. –
4Wieso lehrt er es nach R. Elea͑zar von der Aufräucherung des Haufens, nach ihm müßte es ja von der Aufräucherung des Haufens und des Weihrauchs gelehrt werden!? Wir haben nämlich gelernt: Hat man von Haufen und Weihrauch eines außerhalb dargebracht, so ist man schuldig; nach R. Elea͑zar ist man frei, bis man auch das andere dargebracht hat. –
5Dies gilt vom Haufen des Sünd-Speisopfers. –
6Sollte der Autor sich darauf beschränkt haben, es nur vom Haufen des Sünd-Speisopfers zu lehren!? – Allerdings. Ebenso erklärte auch R. Dimi, als er kam, im Namen R. Elea͑zars, dies gelte vom Haufen des Sünd-Speisopfers, und zwar nach R. Elea͑zar,
7Später sagte Raba: Das, was ich gesagt habe, ist nichts, denn es wird gelehrt:Hochheilig ist es; ist von einem etwas abgebrochen worden, so sind alle Brote untauglich.
8Demnach sind, wenn eines hinausgekommen ist, die innerhalb zurückbleibenden tauglich. Derjenige, welcher sagt, das [Blut]sprengen sei beim Hinausgekommenen von Wirkung, ist ja R. A͑qiba, und er lehrt, wenn etwas von einem abgebrochen worden ist, sei es nicht[tauglich].
9Abajje sprach zu ihm: Er lehrt ja nicht: ist aber eines hinausgekommen, vielleicht [folgere man:] ist aber eines unrein geworden, so sind die übrigen tauglich,
10weil das Stirnblattes wohlgefällig macht, nicht aber, wenn eines hinausgekommen ist; also nach R. Elie͑zer, welcher sagt, das [Blut]sprengen sei beim Hinausgekommenen nicht von Wirkung!?
11Eigentlich sollte er es auch vom hinausgekommenen [Brote] lehren, nur lehrt er es deshalb vom abgebrochenen, um hervorzuheben, daß selbst wenn nur etwas abgebrochen worden ist und es sich innerhalb befindet, die Aufräucherung nicht von Wirkung sei. Nach R. A͑qiba aber, welcher sagt, das [Blut]sprengen sei beim Hinausgekommenen von Wirkung, ist die Aufräucherung von Wirkung auch beim Unvollständigen.
12WENN EINE HALBE OLIVE ZU ESSENUND EINE HALBE OLIVE AUFZURÄUCHERN, SO IST ES TAUGLICH, DENN DAS ESSEN UND DAS AUFRÄUCHERN WERDEN NICHT VEREINIGT.
13GEMARA. Also nur dann, wenn zu essen und aufzuräuchern, wenn aber zu essen, und was nicht zu essenist, zu essen, werden sie vereinigt,
14und dem widersprechend heißt es im Anfangsatz: zu essen, was zu essen ist, oder aufzuräuchern, was aufzuräuchern ist: nurwas zu essen ist, nicht aber, was nicht zu essenist. Wer ist der Autor?
15R. Jirmeja erwiderte: Hier ist die Ansicht R. Elie͑zers vertreten, welcher sagt, die Absicht hinsichtlich des von einem Menschen zu Verzehrenden, durch den Altar, und des vom Altar zu Verzehrenden, durch einen Menschen [verzehren zu lassen], sei von Wirkung.
16Wir haben nämlich gelernt: Hebt man vom Speisopfer den Haufen ab [in der Absicht], zu essen, was nicht zu essen ist, oder aufzuräuchern, was nicht aufzuräuchern ist, so ist es tauglich; nach R. Elie͑zer aber untauglich.
17Abajje erwiderte: Du kannst auch sagen, die der Rabbanan, denn man deduziere nicht: wenn aber zu essen, und was nicht zu essen ist, zu essen, sondern: wenn aber zu essen und zu essen, was zu essen ist. –
18Was lehrt er uns demnach, dies lehrt er ja ausdrücklich: eine Olive außerhalb und eine Olive am folgenden Tage, eine Olive am folgenden Tage und eine Olive außerhalb, eine halbe Olive außerhalb und eine halbe Olive am folgenden Tage, oder eine halbe Olive am folgenden Tage und eine halbe Olive außerhalb zu essen, so ist es untauglich, und darauf ist die Ausrottung nicht gesetzt!?
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.