Menachot — Blatt 27b
1hat man eine der Besprengungen unterlassen, so ist das ganze Verfahren ungültig.
2Die Rabbanan lehrten: Sind die sieben Besprengungen bei der [roten] Kuh auf einen anderen Namen oder nicht in der genauen Richtung des Offenbarungszeltes erfolgt, so sind sie ungültig;
3die innerenund die des Aussätzigen sind auf einen anderen Namen ungültig, nicht in der genauen Richtung gültig. –
4Es wird ja aber auch von der [roten] Kuh gelehrt, daß sie auf einen anderen Namen ungültig und nicht in der genauen Richtung gültig seien!? R. Ḥisda erwiderte: Das ist kein Einwand; eines nach R. Jehuda und eines nach den Rabbanan.
5Es wird nämlich gelehrt: Ist jemand, dem die Sühne noch fehltin den Tempelhof eingetreten, so ist er, wenn versehentlich, ein Sündopfer schuldig, und wenn vorsätzlich, so verfällt er der Ausrottung, und selbstverständlich derjenige, der am selben Tage untergetauchtist, und alle anderen Unreinen.
6Sind Reine über die Abgrenzunghinaus in den Tempel eingetreten, so machen sie sich der Geißelung schuldig, und wenn innerhalb des Vorhangesund vor den Sühnedeckel, der Todesstrafe. R. Jehuda sagt, wenn in den Tempel und innerhalb des Vorhanges, der Geißelung, und wenn vor den Sühnedeckel, der Todesstrafe. –
7Worin besteht ihr Streit? – [Sie streiten] über folgenden Schriftvers:Und der Herr sprach zu Moše: Rede zu Ahron, deinem Bruder, er soll nicht zu jeder Zeit in das Heiligtum hineingehen, innerhalb des Vorhanges (nach) vor den Sühnedeckel über der Lade, damit er nicht sterbe. Die Rabbanan erklären: In das Heiligtum darf er nichthineingehen; innerhalb des Vorhanges und vor den Sühnedeckel, damit er nichtsterbe.
8R. Jehuda aber erklärt: In das Heiligtum und innerhalb des Vorhanges darf er nicht hineingehen; vor den Sühnedeckel, damit er nicht sterbe. –
9Was ist der Grund der Rabbanan? – Wollte man wie R. Jehuda erklären, so sollte ja der Allbarmherzige in das Heiligtum und vor den Sühnedeckel und nicht auch innerhalb des Vorhanges geschrieben haben, und man würde gefolgert haben: wenn man wegen [des Eintrittes] in den Tempel schuldig ist, um wieviel mehr innerhalb des Vorhanges; da aber der Allbarmherzige auch innerhalb des Vorhanges geschrieben hat, so lehrt dies, daß hierauf der Tod gesetzt ist. –
10Und R. Jehuda!? – Hätte der Allbarmherzige nur in das Heiligtum und nicht auch innerhalb des Vorhanges geschrieben, so könnte man glauben, unter ‘Heiligtum’ sei [der Raum] innerhalb des Vorhanges zu verstehen, [der Eintritt] in den Tempel aber sei nicht einmal mit einem Verbote belegt. – Und die Rabbanan!? – Dies könnte man nicht sagen, denn der ganze Tempel wird ‘Heiligtum’ genannt, wie es heißt:der Vorhang soll euch als Trennung dienen zwischen dem Heiligtum und dem Allerheiligsten. –
11Was ist der Grund R. Jehudas? – Wollte man wie die Rabbanan erklären, so sollte ja der Allbarmherzige in das Heiligtum und innerhalb des Vorhanges und nicht auch vor den Sühnedeckel geschrieben haben, und man würde gefolgert haben: wenn auf [den Eintritt] innerhalb des Vorhanges der Tod gesetzt ist, um wieviel mehr vor den Sühnedeckel; da aber der Allbarmherzige auch vor den Sühnedeckel geschrieben hat, so lehrt dies, daß [der Eintritt] vor den Sühnedeckel mit dem Tode, innerhalb des Vorhanges aber nur mit einem Verbote belegt sei. –
12Und die Rabbanan!? – Tatsächlich ist es nicht nötig, nur schrieb der Allbarmherzige deshalb vor den Sühnedeckel, um einen Umwegauszuschließen.
13So lehrte auch R.Elie͑zer b. Ja͑qob:(nach)vor den Sühnedeckel, östlich, dies ist eine Hauptnorm, daß überall, wo es vor heißt, die Ostseite zu verstehen sei. –
14Und R. Jehuda!? – Es sollte ja nur vor geheißen haben, da es aber auch nach heißt, so besagt dies, daß es durchaus nacherfolgen muß. – Und die Rabbanan!? – Das nach ist nicht genau zu nehmen.
15Nach R. Jehuda, nach dem beim Sühnedeckel das nach genau zu nehmen ist, sind [die Worte]er sprenge nach der Richtung ebenfalls genauzu nehmen,
16und nach den Rabbanan ist es, wie es da nicht genau zu nehmen ist, auch hier nicht genauzu nehmen.
17R. Joseph wandte ein: Wenn nach R. Jehuda das nach genau zu nehmen ist, so ist es ja auch [beim Versöhnungstage] genau zu nehmen, demnach erfolgten im zweiten Tempel, wo Lade und Sühnedeckel nicht vorhandenwaren, auch keine Besprengungen!?
18Rabba b. U͑la erwiderte: Die Schrift sagt:er sühne das Allerheiligste, den Raum, der für das Heiligste geheiligt worden war.
19Raba erklärte: Beidevertreten die Ansicht der Rabbanan,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.