Menachot — Blatt 29b
1der Schenkel des He (im [Worte] ha͑am)durch ein Loch abgetrennt. Da kam er vor R. Abba, und dieser sprach zu ihm: Ist etwas in der Größe eines kleinen Buchstabens zurückgeblieben, so ist es tauglich, wenn aber nicht, so ist es untauglich.
2Einst wurde Rami b. Tamari, dem Schwiegervater des Rami b. Diquli, der Schenkel des Vav im [Worte] vajaharogdurch ein Loch abgetrennt. Da kam er vor R. Zera, und dieser sprach zu ihm: Geh, hole einen Knaben, der nicht zu klug und nicht zu dumm ist; liest er vajaharog, so ist es tauglich, wenn aber nicht, so heißt dies jaharog, und es ist untauglich.
3R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Als Moše in die Höhe stieg, traf er den Heiligen, gepriesen sei er, dasitzen und Kränzefür die Buchstaben winden. Da sprach er zu ihm: Herr der Welt, wer hält dichzurück? Er erwiderte: Es ist ein Mann, der nach vielen Generationen sein wird, namens A͑qiba b. Joseph; er wird dereinst über jedes Häkchen Haufen über Haufen von Lehren vortragen.
4Da sprach er vor ihm: Herr der Welt, zeige ihn mir. Er erwiderte: Wende dich um. Da wandte er sich um und setzte sich hinter die achteReihe; er verstand aber ihre Unterhaltung nicht und war darüber bestürzt. Als jener zu einer Sache gelangte, worüber seine Schüler ihn fragten, woher er dies wisse, erwiderte er ihnen, dies sei eine Moše am Sinaj überlieferte Lehre. Da wurde er beruhigt.
5Hierauf kehrte er um, trat vor den Heiligen, gepriesen sei er, und sprach vor ihm: Herr der Welt, du hast einen solchen Mann, und verleihst die Tora durch mich ! Er erwiderte: Schweig, so ist es mir in den Sinn gekommen. Hierauf sprach er vor ihm: Herr der Welt, du hast mir seine Gesetzeskunde gezeigt, zeige mir auch seinen Lohn. Er sprach: Wende dich um. Da wandte er sich um und sah sein Fleisch auf der Fleischbankwiegen. Da sprach er vor ihm: Herr der Welt, das die Tora und dies ihr Lohn!? Er erwiderte: Schweig, so ist es mir in den Sinn gekommen.
6Raba sagte: Sieben Buchstaben benötigendreier Strichlein, und zwar: Šin, A͑jin, Ṭeth, Nun, Zajin, Gimel und Çade [finalis]. R. Aši sagte: Ich beobachtete, daß korrekte Schreiber das Dach des Ḥeth höckerig machen und den Schenkel des He schwebendlassen.
7Sie machen das Dach des Ḥeth höckerig, dies bedeutet: er lebtin der Höhe der Welt; sie lassen den Schenkel des He schwebend, nach einer Frage, die R. Jehuda der Fürst an R. Ami richtete: Worauf deutet der Schriftvers:vertrauet auf den Herrn immerdar, denn mit Jah ist der Herr ein Fels der Welten. Dieser erwiderte: Wer auf den Heiligen, gepriesen sei er, vertraut, dem ist er ein Schutz auf dieser Welt und in der zukünftigen Welt.
8Jener entgegnete: Ich frage folgendes: weshalb heißt es mit Jah und nicht Jah? –
9Nach einer Auslegung des R. Jehuda b. R. Ilea͑j: Das sind die beiden Welten, die der Heilige, gepriesen sei er, erschaffen hat, die eine mit He und die andere mit Jod. Ich würde nicht gewußt haben, ob die zukünftige Welt mit Jod und diese Welt mit He, oder diese Welt mit Jod und die zukünftige Welt mit He,
10daher heißt es:dies ist die Geschichte des Himmels und der Erde, behibara͑m, und man lese nicht behibara͑m [als sie erschaffen wurden], sondern behe beraa͑m [mit He erschuf er sie].
11Weshalb wurde diese Welt mit He erschaffen? – Weil sie einer Hallegleicht, wer hinausgehenwill, gehe hinaus. – Weshalb ist sein Schenkel schwebend? – Tut er Buße, so läßt man ihn eintreten. – Sollte man ihn durch dieselbeeintreten lassen!? –
12Das würde ihm nichtgelingen. Dies nach Reš Laqiš, denn Reš Laqiš sagte: Es heißt:Hat er es mit Spöttern zu tun, so spottet er, den Demütigen aber gibt er Gnade; wer sich reinigen will, dem verhilft man dazu, wer sich verunreinigen will, dem öffnet man. – Weshalb hat eseine Krone? – Der Heilige, gepriesen sei er, sprach: tut er Buße, so will ich ihm eine Krone machen. –
13Weshalb wurde die zukünftige Welt mit einem Jod erschaffen? – Weil der darin befindlichen Frommen wenigesind. – Weshalb ist sein Kopf gebeugt? – Weil die Köpfe der darin befindlichen Frommen gebeugt sind, wegen ihrer Handlungen, die einander nicht gleichen.
14R. Joseph sagte: Zwei Dinge sagte Rabh von den [biblischen] Büchern, und es gibt eine Lehre zu seiner Widerlegung. Das eine, was Rabh sagte, ist folgendes: Hat eine Torarolle zwei Fehler auf jeder Kolumne, so korrigiere man sie, wenn aber drei, so verstecke man sie.
15Es gibt eine Lehre zu seiner Widerlegung: wenn drei, so korrigiere man sie, wenn vier, so verstecke man sie. Es wird gelehrt: Hat sie eine einzige fehlerfreie Kolumne, so rettet diese alle anderen. R. Jiçḥaq b. Šemuél b. Martha sagte im Namen Rabhs: Dies jedoch nur dann, wenn der größere Teil der Torarolle richtig geschrieben ist.
16Abajje sprach zu R. Joseph: Wie ist es, wenn diese Kolumnedrei Fehler hat? Dieser erwiderte: Da man korrigierendarf, so korrigiere man sie. Diesjedoch nur dann, wenn Buchstaben fehlen, sind aber überflüssige vorhanden, so ist nichtsdabei. – Weshalb nicht, wenn welche fehlen? R. Kahana erwiderte: Weil eskunterbunt aussieht.
17Agra, der Schwiegervater R. Abbas, hatte eine Torarolle, in der überflüssige [Buchstaben] waren. Als er vor R. Abba kam, sprach dieser zu ihm: Dies nur dann, wenn [Buchstaben] fehlen,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.