Menachot — Blatt 35a

1wenn man einen inneren [Abschnitt] nach außen oder einen äußeren nach innen gelegthat, wenn aber einen inneren nach innen oder einen äußerennach außen, so ist nichts dabei.

2Raba sprach zu ihm: Wenn man einen inneren nach außen oder einen äußeren nach innen gelegt hat, wohl aus dem Grunde, weil der, der ins Freie schauen sollte, es nicht tut, und der, der nicht ins Freie schauen sollte, es tut; aber auch wenn man einen äußeren nach außen und einen inneren nach innen gelegt hat, schaut ja der, der rechts ins Freie schauen sollte, nach links, und der, der links ins Freie schauen sollte, nach rechts!? Vielmehr gibt es hierbei keinen Unterschied.

3Ferner sagte R. Ḥananél: Der Randder Tephillin ist eine Moše am Sinaj überlieferte Lehre. Abajje sagte: Der Schlaufder Tephillin ist eine Moše am Sinaj überlieferte Lehre.

4Ferner sagte Abajje: Das Šin der Tephillinist eine Moše am Sinaj überlieferte Lehre. Der Einschnittmuß bis zur Stelle der Nahtreichen. R. Dimi aus Nehardea͑ sagte: 1st es nur kenntlich, so ist weiter nichts nötig.

5Ferner sagte Abajje: Das Pergament der Tephillin muß untersucht werden, denn es kann fehlerhaft sein; es ist eine vollkommene Schrift erforderlich, was dann nicht mehr der Fall wäre. R. Dimi aus Nehardea͑ sagte: Dies ist nicht nötig, denn die Feder untersucht es.

6R. Jiçḥaq sagte: Es ist eine Moše am Sinaj überlieferte Lehre, daß die Riemenschwarz sein müssen. Man wandte ein: Man darf die Tephillin nur mit einer Sache derselben Artbefestigen, ob gelb, schwarz oder weiß, nicht aber rot, weil dies tadelhaftist, und aus einem anderenGrunde.

7R. Jehuda sprach: Einst befestigte ein Schüler R. A͑qibas die Tephillin mit Purpurstreifen, und dieser sagte ihm nichts. Ist es denn möglich, daß dieser Fromme dies von seinem Schüler gesehen und es ihm nicht gewehrt haben sollte!? Man erwiderte ihm: Er sah es nicht, hätte er es aber gesehen, so würde er es nicht zugelassen haben.

8Einst befestigte Hyrkanos, Sohn des R. Elie͑zer b. Hyrkanos, seine Tephillin mit Purpurstreifen, und dieser sagte ihm nichts. Ist es denn möglich, daß dieser Fromme dies von seinem Sohne gesehen und es ihm nicht verwehrt haben sollte!? Man erwiderte ihm: Er sah es nicht, hätte er es aber gesehen, so würde er es nicht zugelassen haben.

9Hier heißt es also: ob gelb, schwarz oder weiß!? – Das ist kein Einwand; eines von innen, das andere von außen. –

10Wieso ist bei der InnenseiteTadelhaftigkeit und ein anderer Grund zu berücksichtigen!? – Es kommt vor, daß sie sich umdrehen.

11Es wird gelehrt: Es ist eine Moše am Sinaj überlieferte Lehre, daß die Tephillin viereckig sein müssen. R. Papa sagte: Die Nähteund der Querschnitt.

12Ihm wäre eine Stütze zu erbringen: Macht jemand seine Tephilla rund, so ist dies gefährlichund man übt damit kein Gebotaus. R. Papa sprach: Diese Lehre spricht von dem Falle, wenn man sie nußartigmacht.

13R. Hona sagte: Die Tephillin sind tauglich, solange die Fläche des Blattesunbeschädigt ist. R. Ḥisda sagte: Sind zwei [Nähte] beschädigt, so sind sie tauglich, wenn drei, so sind sie untauglich.

14Raba sagte: Das, was du sagst, wenn zwei, seien sie tauglich, gilt nur von dem Falle, wenn sie nicht neben einandersind, sind sie aber neben einander, so sind sie untauglich. Und wenn sie neben einander sind, gilt dies nur von neuen, bei altenaber ist nichts dabei.

15Abajje sprach zu R. Joseph: Welche heißen neu und welche heißen alt? Dieser erwiderte: Wenn man das Leder ziehtund es wieder [in ihre Lage] kommt, heißt sie alt, sonst aber heißt sie neu.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.