Menachot — Blatt 35b
1Oder auch: wenn sie an einer Schnur hängend nachgeben, heißt sie neu, sonst aber heißt sie alt.
2Einst saß Abajje vor R. Joseph und ihm platzte ein Riemen der Tephillin. Da sprach er zu ihm: Darf man ihn zusammenknoten? Dieser erwiderte: Es heißt:du sollst sie binden, das Binden muß vollkommensein.
3R. Aḥa, Sohn des R. Joseph, fragte R. Aši: Darf man ihn zusammennähen und [die Naht] nach innen wenden? Dieser erwiderte: Geh und sieh, wie das Volk verfährt.
4R. Papa sagte: Stummelhafte Riemensind tauglich. Dies ist aber nichts. Die Söhne R. Ḥijas sagten, stummelhafte Çiçithfadenund stummelhafte Ysopsbündelseien tauglich; dies gilt also nur von diesen, die zur Benutzung für ein Gebot dienen, nicht aber von jenen, die nur zur Benutzung von Heiligemdienen. –
5Demnach ist für diese eine bestimmte Länge festgesetzt, wieviel beträgt diese? Rami b. Ḥama erwiderte im Namen des Reš Laqiš: Bis zum Mittelfinger. R. Kahana zeigte: gebogen. R. Aši zeigte: gerade.
6Rabba verknotete sieund ließ sie nachhängen. R. Aḥa b. Ja͑qob verknotete sie und wickelte sie auf. Mar, der Sohn Rabanas, verfuhr nach unserem Brauche.
7R. Jehuda, Sohn des R. Šemuél b. Šilath, sagte im Namen Rabhs: Der Knoten der Tephillin ist eine Moše am Sinaj überlieferte Lehre. R. Naḥman sagte: Die Schönseitenach außen. Einst saß R. Aši vor Mar Zuṭra und ein Riemen der Tephillin drehte sich ihm um. Da sprach er zu ihm: Hält denn der Meister nichts davon, daß die Schönseite nach außen sein muß!? Dieser erwiderte: Ich merkte es nicht.
8Damit alle Völker der Erde sehen, daß da nach dem Namen des Herrn genannt bist, und sie werden vor dir fürchten. Es wird gelehrt: R. Elie͑zer der Große sagte, das sind die Tephillin des Kopfes. Ich will meine Hand entfernen, und du wirst meine Rückseite schauen. R. Ḥana b. Bizna sagte im Namen R. Šimo͑n des Frommen: Dies lehrt, daß der Heilige, gepriesen sei er, Moše den Knoten der Tephillin zeigte.
9R. Jehuda sagte: Der Knoten der Tephillin muß sich obenbefinden, damit Jisraél oben und nicht unten sei; er muß nach vorn gewandt sein, damit Jisraél nach vorn und nicht nach hinten komme.
10R. Šemuél b. Bidri sagte im Namen Rabhs, nach anderen sagte es R. Aḥa der Lange im Namen R. Honas, und nach anderen sagte es R. Menasja im Namen Šemuéls: Man spreche den Segen über die Tephillin, sobald man sie anlege. – Demist ja aber nicht so, R. Jehuda sagte ja im Namen Šemuéls, daß man bei allen Geboten den Segen bei der Ausübung spreche!? Abajje und Raba erklärten beide, vom Anlegen bis zum Festbinden.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.