Menachot — Blatt 36a
1R. Ḥisda sagte: Hat man zwischen [dem Anlegen] der einen und der anderen Tephilla gesprochen, so muß man den Segen wiederum sprechen. –
2Nur wenn man gesprochen hat, sonst aber nicht, R. Ḥija, Sohn des R. Hona, ließ ja im Namen R. Joḥanans sagen: Über die Handtephilla spreche man: ‘Gepriesen sei er, der uns mit seinen Geboten geheiligt und uns befohlen hat, Tephillin anzulegen’. Über die Kopftephilla spreche man: ‘Gepriesen sei er, der uns mit seinen Geboten geheiligt und uns das Gebot der Tephillin befohlenhat’.
3Abajje und Raba erklärten beide: Hat man nicht gesprochen, so spreche man nur einen Segen, hat man gesprochen, so spreche man beide Segen.
4Es wird gelehrt: Hat man zwischen [dem Anlegen] der einen Tephilla und der anderen Tephilla gesprochen, so hat man eine Übertretung begangen; dieserhalb kehre man vom Kriegsplatze zurück.
5Es wird gelehrt: Beim Anlegen lege man zuerst die [Tephilla] der Hand und nachher die des Kopfes an, beim Abnehmen nehme man zuerst die des Kopfes und nachher die der Hand ab. – Einleuchtend ist es, daß man beim Anlegen zuerst die der Hand und nachher die des Kopfes anlege, denn es heißt:du sollst sie als Zeichen an deine Hand binden, und nachher:sie sollen zum Stirnschmucke zwischen deinen Augen sein;
6woher aber, daß man beim Abnehmen zuerst die des Kopfes und nachher die der Hand abnehme? Rabba erwiderte: R. Hona erklärte es mir: die Schrift sagt: sie sollen zum Stirnschmucke zwischen deinen Augen sein, solange sie zwischen den Augen sind, müssen es zweisein.
7Die Rabbanan lehrten: Wann spricht man den Segen über die Tephillin? – Von der Zeit des Anlegensab. Zum Beispiel: wenn man früh aufsteht, um eine Reise anzutreten, und befürchtet, sie könnten ihmabhanden kommen, so lege man sie an, und sobald die Zeit heranreicht, befühle man sie und spreche den Segen.
8Wie lange behalte man sie an? Bis zum Sonnenuntergänge. R. Ja͑qob sagt, bis kein Fuß mehr die Straße betritt. Die Weisen sagen, bis zum Schlafengehen. Die Weisen undR. Ja͑qob pflichten jedoch bei, daß, wenn man sie abgelegt hat, um einen Abort zu betreten oder in ein Badehaus zu gehen, und die Sonne untergegangen ist, man sie nicht wiederum anlege.
9R. Naḥman sagte: Die Halakha ist wie R. Ja͑qob. R. Ḥisda und Rabba b. R. Hona verrichteten mit ihnen das Abendgebet. Manche sagen, die Halakha ist nicht wie R. Ja͑qob.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.